
Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.
Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 12 Minuten
Was dahintersteckt
Das venöse Gefäßsystem der unteren Extremitäten leistet täglich Höchstarbeit. Um sauerstoffarmes Blut entgegen der Schwerkraft zurück zum Herzen zu transportieren, arbeitet der Körper mit einem ausgeklügelten System aus Venenklappen und muskulären Pumpen. Die Venen der Beine gliedern sich in ein oberflächliches und ein tiefes Venensystem, die über sogenannte Perforansvenen miteinander verbunden sind. In intaktem Zustand fungieren die Venenklappen als Rückschlagventile. Sie lassen das Blut nur in eine Richtung zu, nämlich von unten nach oben sowie vom oberflächlichen in das tiefe System.
Wenn die Venenwände ihre Elastizität verlieren oder sich der Gefäßdurchmesser erweitert, schließen diese Klappen nicht mehr vollständig. Fachleute sprechen von einer Venenklappeninsuffizienz. Das Blut folgt der Schwerkraft und sackt zurück in die unteren Abschnitte der Beine. Dieser veränderte Blutfluss erhöht den hydrostatischen Druck in den Gefäßen beträchtlich. Der dauerhaft erhöhte Druck pflanzt sich bis in die kleinste Strombahn, die Kapillaren, fort. Die filigranen Gefäßwände werden überdehnt und büßen ihre Barrierefunktion ein.
In der Folge tritt Flüssigkeit zusammen mit Eiweißen und Abbauprodukten aus dem Gefäßsystem in das umliegende Bindegewebe aus. Es entsteht ein Ödem. Verbleibt dieser Zustand über längere Zeit ohne Behandlung, entwickelt sich eine chronisch-venöse Insuffizienz, kurz CVI. Die kontinuierliche Gewebeüberlastung führt zu Umbauprozessen in der Haut und im Unterhautfettgewebe. Erythrozyten, also rote Blutkörperchen, treten ebenfalls in das Gewebe aus und zerfallen dort. Das freiwerdende Eisen pigmenteiert die Haut dauerhaft braun. Gleichzeitig wird die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gewebes schlechter, was die Regenerationsfähigkeit der Haut massiv einschränkt.
Eine zentrale Rolle für den venösen Rückfluss spielt die sogenannte Muskel-Venen-Pumpe. Bei jedem Schritt kontrahieren die Muskeln von Wade und Fußsohle. Sie komprimieren die tiefen Venen und pressen das Blut herzwärts. Bleibt diese mechanische Anregung aus, etwa durch langes Sitzen oder Fehlstellungen des Fußes, gerät der Blutstrom ins Stocken. Das venöse System ist somit auf eine funktionierende Biomechanik des gesamten Fußes angewiesen.
Typische Anzeichen
Eine Venenschwäche kündigt sich schleichend an. Anfangs bemerken Betroffene meist nur ein Schwere- oder Müdigkeitsgefühl in den Beinen nach langen Arbeitstagen. Die Beschwerden verstärken sich typischerweise bei warmer Witterung, da sich die Blutgefäße bei Hitze weiten, was den Rückfluss zusätzlich erschwert. Im weiteren Verlauf treten sichtbare Wassereinlagerungen auf. Diese Ödeme zeigen sich vor allem im Bereich der Innennöchel und des Fußrückens. Drückt man mit dem Daumen auf die geschwollene Stelle, bleibt für einige Sekunden eine Delle sichtbar.
Mit fortschreitender Erkrankung verändert sich das Hautbild. Ein frühes Warnzeichen ist die Corona phlebectatica paraplantaris, ein Fächer aus erweiterten, feinen Venen am inneren und äußeren Fußrand. Später stellen sich bräunliche Verfärbungen ein, die als Purpura pigmentosa oder Hämosiderose bezeichnet werden. Die Haut verliert ihre Elastizität, wirkt trocken, glänzend und schuppig. In fortgeschrittenen Stadien kommt es zur Dermatoliposklerose, einer Verhärtung von Haut und Unterhautgewebe. Das Gewebe büßt seine natürliche Polsterfunktion ein, wodurch der Fuß anfällig für Druckstellen und schlecht heilende Wunden wird.
Die Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern ist für die korrekte Versorgung entscheidend. Ein Lymphödem unterscheidet sich vom reinen Venenödem durch das sogenannte Stemmersche Zeichen. Lässt sich die Haut über der zweiten oder dritten Zehe nicht mehr greifen oder abheben, weist dies auf eine Beteiligung des Lymphsystems hin. Ein Lipödem hingegen ist eine symmetrische Fettverteilungsstörung, die primär an Oberschenkeln und Hüften auftritt und den Fußrücken spart. Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz pAVK, liegt wiederum eine Mangeldurchblutung der Arterien vor. Hier führen Hochlagern der Beine oder Kompression zu verstärkten Schmerzen, während venöse Beschwerden durch Hochlagern gewöhnlich nachlassen.
In der Praxis zeigte sich kürzlich der Fall einer 58-jährigen Grundschullehrerin. Sie klagte über zunehmende Druckschmerzen an beiden Ballen und eine extreme Hauttrockenheit im Knöchelbereich. Die Inspektion offenbarte bereits deutliche Hämosiderineinlagerungen und eine beginnende Gewebeverhärtung. Sie hatte die Veränderungen jahrelang als Alterserscheinung abgetan und mit herkömmlichen Kosmetikcremes behandelt, ohne die zugrundeliegende Venenschwäche zu adressieren.
Ursachen im Alltag
Die Ausprägung einer Venenschwäche wird durch zahlreiche alltägliche Faktoren und anatomische Gegebenheiten beeinflusst. Neben einer genetisch bedingten Bindegewebsschwäche stellen moderne Lebensgewohnheiten Hauptursachen dar. Bewegungsmangel steht dabei an vorderster Stelle. Wer stundenlang am Schreibtisch sitzt oder im Verkauf auf hartem Boden steht, inaktiviert die Wadenmuskelpumpe. Das Blut staut sich in den Beinen, die Gefäßwände stehen unter dauerhaftem Innendruck.
Ebenso nimmt das gewählte Schuhwerk Einfluss auf die Venengesundheit. Schuhe mit hohen Absätzen fixieren das Sprunggelenk in einer permanenten Spitzfußstellung. Dadurch kann die Wadenmuskulatur beim Gehen nicht mehr vollständig kontrahieren und entspannen. Der Abrollvorgang des Fußes wird verkürzt, was die Effizienz der Muskel-Venen-Pumpe um mehr als die Hälfte reduzieren kann. Auch zu enge Schuhe oder einengende Strumpfbündchen drosseln den Mikroumlauf und begünstigen Stauungen.
Anatomische Fußfehlstellungen verändern das Gangbild nachhaltig. Ein ausgeprägter Knick-Senkfuß oder ein Spreizfuß führt zu einer veränderten Statik. Die Fußmuskulatur ermüdet schneller, die natürliche Dämpfung beim Auftritt geht verloren und das Zusammenspiel zwischen Sprunggelenkspumpe und Wadenmuskel gerät aus dem Gleichgewicht. Der venöse Rückfluss verliert seine mechanische Unterstützung bei jedem Schritt.
Pflegefehler verstärken die Problematik. Durch die gestörte Mikrozirkulation ist die Haut bei Venenschwäche schlecht mit Feuchtigkeit und Lipiden versorgt. Wird sie zusätzlich mit aggressiven, alkalischen Seifen gewaschen oder stark rubbelnd getrocknet, reißt der natürliche Säureschutzmantel ab. Risse in der Epidermis sind die Folge. Solche Mikrotraumen stellen Eintrittspforten für Krankheitserreger dar und führen bei venöser Stauung schnell zu chronischen Entzündungen.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Eine Venenschwäche ist kein reines kosmetisches Problem, sondern eine fortschreitende Gefäßerkrankung. Bestimmte Symptome erfordern eine umgehende phlebologische oder fachärztliche Untersuchung, um Komplikationen abzuwenden. Ein plötzliches, einseitiges Anschwellen des Beines, begleitet von Schmerzen, Spannungsgefühl oder einer bläulichen Verfärbung der Haut, ist ein Notfall. Hier besteht der Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose. Löst sich ein solches Blutgerinnsel, kann dies zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie führen.
Ebenso erfordern Überwärmung, flächige Rötungen der Haut sowie schmerzhafte Verhärtungen eine rasche ärztliche Begutachtung. Es könnte sich um eine oberflächliche Venenentzündung, eine Thrombophlebitis, oder um ein Erysipel handeln. Ein Erysipel ist eine bakterielle Infektion der Haut, die sich bei geschädigter Hautbarriere rasch ausbreitet und mit Fieber oder Schüttelfrost einhergehen kann.
Offene Stellen, nässende Wunden oder dunkle, abgestorbene Hautareale im Knöchel- und Unterschenkelbereich sind deutliche Anzeichen für ein Ulcus cruris venosum. Ein solches Unterschenkelgeschwür heilt ohne spezialisierte medizinische und phlebologische Therapie nicht ab. Die Abklärung durch Fachärzte für Phlebologie oder Dermatologie ist unerlässlich, um die Ursache exakt zu diagnostizieren und eine phasengerechte Wundtherapie einzuleiten.
Was die podologische Behandlung leisten kann
Die medizinische Podologie nimmt bei der Betreuung von Patienten mit Venenschwäche eine wichtige Schutz- und Kontrollfunktion ein. Wegen der verminderten Gewebedurchblutung und der Neigung zu Ödemen ist die Haut an Füßen und Unterschenkeln extrem empfindlich. Scheren, Rasierklingen oder aggressive Hornhauthobel bergen bei venöser Insuffizienz ein unvertretbares Verletzungsrisiko. Ein kleiner Schnitt kann Wochen benötigen, um abzuheilen, oder sich im schlimmsten Fall zu einer chronischen Wunde entwickeln.
In der Praxis wird im Rahmen einer podologischen Komplexbehandlung hochpräzise und atraumatisch gearbeitet. Übermäßige Hornhautbildung, sogenannte Hyperkeratosen, sowie Hühneraugen werden mit rotierenden Diamant- und Steinfräsern unter ständiger Kühlung oder mit feinen Skalpellklingen sanft abgetragen. Das Nageldesign erfordert ebenfalls besondere Sorgfalt. Verringerte Durchblutung führt oft zu verdickten, brüchigen oder verformten Fußnägeln. Diese werden schrittweise ausgedünnt und anatomisch korrekt gekürzt, ohne das empfindliche Nagelbett oder den Falz zu reizen.
Liegen Nagelveränderungen oder eingewachsene Nägel vor, können sanfte Korrekturmethoden eingesetzt werden, um Druck vom Gewebe zu nehmen. Ein wichtiger Baustein im Praxisalltag ist zudem die ständige Überwachung des Hautzustands. Frühstadien von Hautrisse, Pilzinfektionen oder Stauungsdermatitiden werden sofort erkannt. Die Behandlungsabstände werden individuell angepasst und liegen meist zwischen vier und sechs Wochen.
Eine qualifizierte podologische Befunderhebung schließt die Prüfung von Pulsen, Hauttemperatur und Ödemausprägung ein. Als sektorale Heilpraktikerin für Podologie besteht die Möglichkeit, podologische Diagnosen eigenständig zu stellen und therapeutische Maßnahmen gezielt einzuleiten. Bei Anzeichen von Komplikationen erfolgt die direkte Weiterleitung an phlebologische Fachärzte. Ergänzend kann bei müden, gestauten Beinen die gezielte Anwendung von Kältereizen den Gefäßtonus unterstützen. In unserer Praxis bietet die integrierte Kältekammer Memmingen eine moderne Möglichkeit, durch kontrollierte Ganzkörperkälte die Mikrozirkulation und das Gewebe zu stimulieren. Sämtliche Behandlungen erfolgen unter strengsten Hygienestandards, um jegliche Infektionsrisiken für das beanspruchte Gewebe auszuschließen.
Was Sie selbst tun können
Die wirksamste Säule der Eigentherapie bei venöser Insuffizienz ist die konsequente Kompressionstherapie. Medizinische Kompressionsstrümpfe üben von außen einen definierten Druck auf das Gewebe aus. Dieser Druck ist an der Fessel am stärksten und nimmt nach oben hin kontinuierlich ab. Dadurch werden die erweiterten Venen zusammengedrückt, die Venenklappen schließen wieder besser und die Fließgeschwindigkeit des Blutes steigt deutlich an. Das Austreten von Flüssigkeit in das Gewebe wird effektiv vermindert.
Kompressionsstrümpfe müssen morgens direkt nach dem Aufstehen angezogen werden, bevor das Bein anschwillt. Bei der Auswahl ist auf die richtige Kompressionsklasse und Passform zu achten, weshalb eine Ausmessung im Sanitätshaus erforderlich ist. Flachgestrickte oder Rundgestrickte Strümpfe unterscheiden sich in Gewebebindung und Steifigkeit. Bei ausgeprägten Ödemen oder Gewebeverhärtungen kommen meist flachgestrickte Versorgungen zum Einsatz, da sie dem Gewebedruck besser standhalten und nicht in Hautfalten einschneiden.
Neben der Kompression ist die regelmäßige Aktivierung der Muskel-Venen-Pumpe unerlässlich. Bereits einfache Übungen im Alltag verbessern den venösen Rückfluss spürbar. Diese Übungen sollten mehrmals täglich wiederholt werden, insbesondere bei sitzenden oder stehenden Tätigkeiten.
- Die Fußwippe: Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl. Stellen Sie die Füße flach auf den Boden. Heben Sie abwechselnd die Fersen und die Fußspitzen so weit wie möglich an. Wiederholen Sie diese Bewegung zwanzigmal pro Seite, um die Sprunggelenkspumpe zu aktivieren.
- Das Zehengreifen: Barfuß oder in Strümpfen versuchen Sie, ein auf dem Boden liegendes Papiertaschentuch mit den Zehen aufzuheben und kurz zu halten. Dies stärkt die intrinsic Fußmuskulatur und unterstützt das Fußgewölbe.
- Das Beinkreisen in Rückenlage: Legen Sie sich flach auf den Rücken, heben Sie ein Bein an und beschreiben Sie mit dem Fuß große, langsame Kreise in der Luft. Wechseln Sie nach zehn Umdrehungen die Richtung und anschließend das Bein.
Die Hautpflege erfordert bei Venenschwäche Produkte, die speziell auf die geschädigte Hautbarriere abgestimmt sind. Herkömmliche Bodylotions enthalten oft zu viel Wasser und zu wenig Lipide, was die Haut nach dem Verdampfen zusätzlich austrocknet. Empfehlenswert sind Wasser-in-Öl-Emulsionen mit Zusatzstoffen wie Urea oder Glycerin in einer Konzentration von fünf bis zehn Prozent. Diese Inhaltsstoffe binden Feuchtigkeit in der Hornschicht und verbessern die Elastizität der Haut. Das Eincremen sollte abends nach dem Ausziehen der Kompressionsstrümpfe erfolgen, da Fettrückstände das Elastangewebe der Strümpfe angreifen können.
Hydrotherapeutische Anwendungen nach Kneipp bieten eine hervorragende Ergänzung. Kalte Güsse über die Unterschenkel verengen die Blutgefäße reflexartig. Das Blut wird herzwärts gedrückt, und der Gefäßtonus steigt. Führen Sie den Wasserstrahl an der Außenseite des rechten Fußes nach oben bis zur Kniekehle, verweilen Sie dort kurz und führen Sie den Strahl an der Innenseite wieder hinab. Wiederholen Sie den Vorgang am linken Bein. Das Wasser sollte angenehm kühl, aber nicht eiskalt sein.
Häufige Fehler
In der Praxis zeigten sich im Laufe der Jahre immer wieder wiederkehrende Verhaltensweisen, die den Zustand venöser Erkrankungen ungewollt verschlechtern. Das Erkennen dieser Fehler ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Linderung der Beschwerden.
- Vernachlässigung der Hautpflege unter Kompressionsstrümpfen: Viele Betroffene befürchten, dass Eingecremt-Sein das Anziehen der Strümpfe erschwert. Wird die Haut jedoch gar nicht gepflegt, trocknet sie unter dem komprimierenden Gestrick extrem aus. Es entstehen Schuppen, Juckreiz und feine Risse.
- Anwendung von starker Hitze: Heiße Vollbäder, Saunagänge oder ausgiebiges Sonnenbaden führen zu einer ausgeprägten Gefäßerweiterung. Die Venen dehnen sich aus, der Blutrückfluss verschlechtert sich massiv und Ödeme nehmen innerhalb kurzer Zeit deutlich zu.
- Selbstbehandlung von Hornhaut mit scharfen Werkzeugen: Der Einsatz von Klingen, Rasierern oder Bimssteinen an gestautem Gewebe führt häufig zu Mikroverletzungen. Aufgrund der schlechten Sauerstoffversorgung der Haut heilen diese kleinen Wunden oft monatelang nicht ab.
- Falsche Nagelschnitttechnik: Das runde Schneiden der Fußnägel bis tief in die Ecken führt bei ödematösen Zehen rasch zu eingewachsenen Nagelrändern. Die Folge sind schmerzhafte Entzündungen, die sich im gestauten Gewebe rasch ausbreiten.
- Tragen von einengender Kleidung: Zu enge Hosen, Kniestrümpfe mit harten Gummibündchen oder zu enge Schuhe schnüren den venösen und lymphatischen Abfluss in den Kniekehlen oder an den Fesseln mechanisch ab.
Studienlage und Einordnung
Die Effizienz der medizinischen Kompressionstherapie bei chronisch-venöser Insuffizienz ist wissenschaftlich lückenlos belegt. International anerkannte Leitlinien zur Phlebologie klassifizieren die Kompression als Basisbehandlung in allen Stadien der Erkrankung [1]. Untersuchungen zeigen, dass durch adäquaten äußeren Druck der Venendurchmesser reduziert, die Venenklappenfunktion verbessert und die Flussgeschwindigkeit des Blutes messbar erhöht werden [2]. Dies führt zu einer raschen Reduktion von Ödemen und einer signifikanten Schmerzlinderung bei den Betroffenen.
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt auf der Mikrozirkulation und der epidermalen Barrierefunktion bei venöser Stauung. Studien belegen, dass die chronische Hypoxie im Gewebe die Lipid-Synthese der Hautzellen stört [3]. Daher ist die regelmäßige Anwendung lipidreicher, harnstoffhaltiger Externistika nicht als reine Wohlfühlmaßnahme zu verstehen, sondern als medizinisch notwendige Prophylaxe gegen Stauungsdermatitiden und Ulzerationen. Die Kombination aus Kompression, gezielter Bewegung und fachgerechter Hautpflege bildet den Goldstandard in der konservativen Venentherapie [4].
Kritisch eingeordnet werden müssen hingegen rein pflanzliche Präparate wie Rote-Weinlaub- oder Rosskastanienextrakte. Obwohl einige Studien eine leichte Ödemprotektion und subjektive Beschwerdelinderung zeigen, können diese Präparate eine mechanische Kompressionstherapie bei strukturellen Venenschäden keinesfalls ersetzen [5]. Sie können höchstens als unterstützende Maßnahme in frühen Stadien unter ärztlicher Rücksprache erwogen werden.
Behandlung in Memmingen
In unserer podologischen Praxis FREITAG® Podologie GmbH in der Kempterstr. 25 in Memmingen versorgen wir Patienten aus der gesamten Stadt sowie dem weitläufigen Einzugsgebiet des Unterallgäus, Allgäus und Oberschwabens. Bei Venenschwäche stimmen wir jede Behandlung präzise auf den individuellen Haut- und Gefäßzustand ab. Wir arbeiten atraumatisch, schmerzfrei und unter höchstem Hygieneanspruch. Nehmen Sie bei Beschwerden frühzeitig Kontakt mit uns auf, um Gewebeschäden vorzubeugen und Ihre Mobilität dauerhaft zu erhalten.
Häufige Fragen
Kann eine Venenschwäche vollständig geheilt werden?
Eine einmal entstandene Venenschwäche ist in der Regel nicht mehr vollständig heilbar, da überdehnte Venenwände und beschädigte Venenklappen sich nicht von selbst regenerieren. Durch die richtige Kombination aus medizinischer Kompression, regelmäßiger Bewegung und konsequenter Hautpflege lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung jedoch effektiv aufhalten. Symptome wie Schwellungen und Schmerzen können dadurch dauerhaft kontrolliert werden. Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Langzeitprognose erheblich.
Wie unterscheiden sich Stützstrümpfe von medizinischen Kompressionsstrümpfen?
Stützstrümpfe weisen keinen definierten, medizinisch kontrollierten Druckverlauf auf und eignen sich lediglich für venengesunde Personen zur Vorbeugung auf langen Reisen. Medizinische Kompressionsstrümpfe hingegen haben einen exakt definierten Druckverlauf, der an der Fessel am stärksten ist und nach oben hin abnimmt. Sie werden nach genauen Maßen im Sanitätshaus angepasst und vom Arzt auf Rezept verordnet. Nur medizinische Kompressionsstrümpfe können Venenödemen und Gewebeveränderungen therapeutisch entgegenwirken.
Warum ist die Haut bei Venenschwäche so extrem trocken und juckend?
Durch den erhöhten Druck in den Venen tritt Flüssigkeit in das Gewebe aus, was die Mikrozirkulation und die Sauerstoffversorgung der Hautzellen verschlechtert. Die Haut kann nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und körpereigenen Lipiden versorgt werden, wodurch die epidermale Barriere geschädigt wird. Feuchtigkeit verdunstet schneller, die Haut wird spröde, schuppig und fängt an zu jucken. Ohne spezialisierte Pflege entstehen leicht Risse, die Infektionen begünstigen.
Welche Schuhe sind bei Venenschwäche am besten geeignet?
Ideal sind flache, bequeme Schuhe mit einer biegsamen Sohle, die ein vollständiges Abrollen des Fußes von der Ferse bis zu den Zehen ermöglichen. Durch dieses natürliche Abrollverhalten wird die Sprunggelenks- und Wadenmuskelpumpe optimal aktiviert. Verzichten Sie auf hohe Absätze, da diese das Sprunggelenk fixieren und den venösen Blutrückfluss stark behindern. Der Schuh darf zudem weder im Zehenbereich noch an den Fesseln einengen.
Wie oft sollte man bei einer Venenschwäche zur Podologie gehen?
Bei einer diagnostizierten Venenschwäche empfiehlt sich ein Behandlungsabstand von etwa vier bis sechs Wochen. In diesem Rhythmus können Verhornungen und Nagelveränderungen gefahrlos abgetragen werden, bevor schmerzhafte Druckstellen entstehen. Zudem kontrollieren wir bei jedem Termin den Zustand der Haut und des Gewebes, um Anzeichen von Komplikationen oder Hautrisse frühzeitig zu erkennen. Bei akuten Hautproblemen können kürzere Intervalle notwendig sein.
Quellen und weiterführende Literatur
Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.
- [1] S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der chronischen Veneninsuffizienz (CVI) Deutsche Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP), AWMF-Registernummer 037-009, definiert den diagnostischen und therapeutischen Goldstandard bei venösen Erkrankungen.
- [2] Clinical, etiological, anatomical and pathophysiological classification (CEAP): gold standard and future development Rabe E, Pannier F. Vascular Medicine. 2012;17(4):254-258. Beschreibt die weltweite Standardklassifikation zur Stadieneinteilung venöser Insuffizienzen.
- [3] Compression therapy in venous physiological and pathophysiological states Partsch H. Dermatologic Surgery. 2008;34(5):646-656. Belegt die Hämodynamischen Wirkungen von Kompressionsstrümpfen auf den venösen Blutfluss.
- [4] Local therapy of venous leg ulcers: Consensus paper Dissemond J, et al. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. 2016;14(11):1141-1151. Zeigt die Bedeutung barrierebereinigender Hautpflege und Wundprophylaxe bei venösen Stauungen.
- [5] Investigation of Chronic Venous Insufficiency: A Consensus Statement Nicolaides AN. Circulation. 2000;102(20):e126-e163. Umfassende wissenschaftliche Darlegung der Mikrozirkulationsstörungen bei venöser Hypertonie.
Persönliche Beratung in Memmingen
Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.
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Helga Maria Freitag (2026): Venenschwäche an den Beinen: Ursachen, Symptome und podologische Betreuung. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/venenschwaeche-fuesse
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.
