Neueröffnung der Podologie-Praxis geplant: 30.11.2026

Fehlstellungen

Senkfuß und Plattfuß: Was das Fußgewölbe wirklich braucht

Ein abgesenktes Längsgewölbe verändert die Statik des gesamten Körpers. Erfahren Sie, wie Podologie, gezieltes Muskeltraining und passgenaue Versorgungen die Fußgesundheit nachhaltig unterstützen.

Podologische Untersuchung des Fußgewölbes bei einem Senk- und Plattfuß in einer Praxis
Senkfuß und Plattfuß: Was das Fußgewölbe wirklich braucht. Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Person und keine dokumentarische Behandlungssituation. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO / AI Act).
Helga Maria Freitag, podiatrist in Memmingen

Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.

Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 12 Minuten

Was dahintersteckt

Das menschliche Fußskelett ist ein komplexes Meisterwerk der Biomechanik. Es besteht aus 26 Knochen, zahlreichen Gelenken und einem fein abgestimmten Apparat aus Bändern, Sehnen und Muskeln. Das mediale Längsgewölbe erstreckt sich von der Ferse bis zum Ballen des großen Zehs. Es dient als natürlicher Stoßdämpfer, der bei jedem Schritt das Vielfache des eigenen Körpergewichts abfedert und die Energie für die Abstoßphase speichert.

Die knöcherne Architektur bildet ein Gewölbe, dessen Scheitelpunkt durch das Kahnbein, anatomisch Os naviculare genannt, gebildet wird. Unterstützt wird diese Struktur durch das Sprungbein, das Fersenbein und das erste Keilbein. Der passive Halteapparat besteht im Wesentlichen aus dem Plantarband, der Plantarfaszie sowie dem Ligamentum calcaneonaviculare plantare. Dieses Band wird in der Fachsprache häufig als Pfannenband bezeichnet, da es den Kopf des Sprungbeins wie eine Schale stützt und ein Herabsinken nach medial und plantar verhindert.

Die dynamische Stabilisierung übernimmt in erster Linie der Musculus tibialis posterior. Seine Sehne zieht hinter dem inneren Knöchel entlang und setzt an der Unterseite des Mittelfußes an. Bei jedem Schritt spannt sich dieser Muskel an, hebt das Längsgewölbe an und richtet das Fersenbein auf. Ergänzt wird diese Aktivität durch die lange Großzehenbeugesehne, die lange Zehenbeugesehne und die kurze Fußmuskulatur.

Ein Senkfuß, medizinisch als Pes planovalgus bezeichnet, stellt eine Vorstufe oder mildere Form dar. Hierbei flacht das Längsgewölbe unter Belastung ab, richtet sich im entlasteten Zustand jedoch wieder auf. Weicht das Fersenbein gleichzeitig nach außen ab, spricht man von einer Valgusstellung der Ferse. Der Plattfuß, der Pes planus, bezeichnet das vollständige Einknicken des Gewölbes. Die Fußsohle liegt dabei nahezu flächig auf dem Untergrund auf, was die Biomechanik des gesamten Beins verändert.

Klinisch wird zudem zwischen dem flexiblen und dem meißelartigen, meinetwegen kontrakten oder starren Plattfuß unterschieden. Während sich der flexible Plattfuß durch Muskelkraft oder passive Manöver korrigieren lässt, ist der starre Plattfuß durch knöcherne Verwachsungen oder fortgeschrittene arthrotische Veränderungen fixiert. Eine präzise Differenzierung ist entscheidend für die Wahl der therapeutischen Maßnahmen.

Typische Anzeichen

Ein beginnender Senkfuß verläuft zu Beginn häufig ohne ausgeprägte Beschwerden. Mit fortschreitender Fehlstellung treten jedoch charakteristische Symptome auf, die Betroffene ernst nehmen sollten. Ein klassisches Zeichen ist ein ziehender Schmerz entlang des Verlaufs der Tibialis-posterior-Sehne, der hinter dem Innenknöchel beginnt und sich bis zur Fußsohle erstrecken kann. Diese Beschwerden verstärken sich typischerweise nach längeren Gehstrecken oder vielem Stehen auf harten Böden.

Ebenso kommt es häufig zu Überlastungsschmerzen im Bereich der Plantarfaszie und der Ansatzstelle am Fersenbein. Durch das Einknicken des Fußes nach innen wird die Sehnenplatte an der Sohle dauerhaft überdehnt. Zudem entsteht auf der Fußaußenseite, im Bereich des sogenannten Sinus tarsi, oft ein Impingement-Schmerz. Dieser entsteht, wenn das Fersenbein und das Wadenbein durch die Fehlstellung komprimiert werden.

Ein verändertes Gangbild ist ein weiteres deutliches Anzeichen. Betroffene rollen den Fuß verstärkt über die Innenseite ab, was zu einem raschen Verschleiß der Schuhsohlen im medialen Bereich führt. In fortgeschrittenen Stadien verändert sich die Silhouette des Fußes sichtbar von hinten betrachtet. Der Untersuchende sieht das sogenannte Too-many-toes-Zeichen: Aufgrund der Abduktion des Vorfußes sind von hinten gesehen mehr Zehen an der Außenseite sichtbar als bei einem achsengerechten Fuß.

Zur einfachen Selbsteinschätzung und in der podologischen Befunderhebung dienen funktionelle Tests. Beim Single-Heel-Rise-Test stellt sich die Person auf ein Bein und versucht, sich auf die Zehenspitzen zu heben. Gelingt dies nicht oder nur unter starken Schmerzen, deutet dies auf eine Schwäche oder Schädigung der Tibialis-posterior-Sehne hin. Der Jack-Test, auch als Hubscher-Manöver bekannt, prüft die Passivität der Struktur: Wird der große Zeh im Stand passiv nach oben angehoben, sollte sich das Längsgewölbe über den sogenannten Windenmechanismus aufrichten. Bleibt diese Aufrichtung aus, liegt eine starrere Form der Fehlstellung vor.

Abzugrenzen sind diese Beschwerden von einer isolierten Plantarfasziitis, bei der der Anlaufschmerz am Morgen im Vordergrund steht, oder einem Tarsaltunnelsyndrom, das durch nervale Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheit an der Fußsohle auffällt. Eine genaue Klärung im Rahmen der podologischen Untersuchung schafft hier Klarheit.

Ursachen im Alltag

Die Entstehung eines Senk- oder Plattfußes ist selten auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Meist handelt es sich um ein Zusammenspiel aus genetischer Disposition, funktionellen Überlastungen und alltäglichen Gewohnheiten. Ein wesentlicher Faktor ist modernes Schuhwerk. Schuhe mit starren, undurchbiegsamen Sohlen, übermäßiger Dämpfung oder erhöhten Absätzen schränken die natürliche Bewegungsfreiheit des Fußes stark ein. Die intrinsischen Fußmuskeln verflachen in ihrer Funktion, weil ihnen die Arbeit abgenommen wird.

Ebenso spielt der Mangel an variablen Untergründen eine zentrale Rolle. Das Gehen auf dauerhaft ebenen, harten Böden wie Asphalt, Fliesen oder Laminat fordert die Sensorik und die muskuläre Feinsteuerung der Fußsohle kaum. In der Folge atrophieren die kleinen Muskeln, welche die Fußgewölbe aktiv verspannen müssen. Das Bindegewebe wird nachgiebiger, wodurch die passiven Haltestrukturen der Dauerbelastung nicht mehr standhalten können.

Übergewicht stellt eine erhebliche mechanische Mehrbelastung für das mediale Längsgewölbe dar. Bei jedem Schritt muss das Pfannenband ein höheres Gewicht tragen, was im Laufe der Jahre zu einer schleichenden Überdehnung führt. Auch hormonelle Veränderungen, etwa während der Schwangerschaft oder im Zuge des Klimakteriums, können das Kollagengewebe lockern und ein Absinken des Gewölbes begünstigen.

Fehlbelastungen im Beruf, beispielsweise stundenlanges Stehen auf Betonböden im Verkauf, im Handwerk oder in der Pflege, belasten die Ermüdungsgrenze der Fußmuskulatur. Ist die Muskulatur erschöpft, fangen die Bänder die Last allein ab. Auf Dauer geben diese nach. Falsche Belastungsmuster beim Sport, wie eine zu rasche Steigerung des Trainingsvolumens beim Laufen ohne ausreichende Regeneration, tragen ebenfalls zur Überlastung der Tibialis-posterior-Sehne bei.

Nicht zuletzt können vorausgegangene Verletzungen, wie Umknicktraumata des Sprunggelenks oder Frakturen im Mittelfußbereich, die Statik dauerhaft verändern. Wird eine Bänderdehnung nicht vollständig auskuriert, verbleibt eine Instabilität, die sich negativ auf die Gewölbestruktur auswirkt.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Eine podologische Prävention und Begleitung ist in vielen Fällen ausreichend und sehr wirkungsvoll. Es gibt jedoch klinische Warnzeichen, die eine eingehende ärztliche Untersuchung durch einen Orthopäden oder Facharzt erfordern. Dazu gehört ein plötzlich auftretender Plattfuß, der sich innerhalb weniger Tage oder Wochen entwickelt. Ein solches Geschehen deutet häufig auf einen akuten Riss der Tibialis-posterior-Sehne hin.

Ebenso erfordern anhaltende Ruheschmerzen, die auch nachts im Liegen bestehen, eine zügige medizinische Diagnostik. Wenn deutliche Schwellungen, Rötungen oder Erwärmungen im Bereich des inneren Knöchels oder des Fußrückens auftreten, muss ein entzündlicher Prozess abgeklärt werden. Auch neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühle, Brennen oder Ameisenlaufen an der Fußsohle bedürfen einer fachärztlichen Abklärung.

Bei Patienten mit Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, rheumatoider Arthritis oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit ist besondere Vorsicht geboten. Hier können strukturelle Fehlstellungen rasch zu gefährlichen Druckstellen, Ulzerationen oder im Falle einer diabetischen Neuroosteoarthropathie, dem sogenannten Charcot-Fuß, zu schwersten Knochenveränderungen führen. In diesen Fällen erfolgt die podologische Versorgung stets in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt.

Wenn eine Korrektur des Gewölbes passiv überhaupt nicht mehr möglich ist und der Fuß vollkommen starr in der Fehlstellung verharren muss, sollten bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie zum Einsatz kommen. Nur so lassen sich knöcherne Fusionen oder fortgeschrittene Gelenkveränderungen sicher beurteilen.

Was die podologische Behandlung leisten kann

Die moderne Podologie versteht sich als spezialisierte Fachdisziplin für die Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Fußbeschwerden. Bei einem Senk- oder Plattfuß beginnt die Versorgung stets mit einer ausführlichen Anamnese und einer eingehenden Sicht- und Tastbefundung. Hierbei werden die Fußstatik im Stand, das Gangbild in der Dynamik sowie die Haut- und Nagelverhältnisse präzise analysiert.

Durch die veränderte Druckverteilung beim abgesenkten Gewölbe kommt es an spezifischen Arealen der Fußsohle zu verstärkter Hornhautbildung. Typischerweise entstehen schmerzhafte Hyperkeratosen oder Hühneraugen unter den Köpfchen des ersten und fünften Mittelfußknochens sowie am medialen Fersenrand. Im Rahmen einer fachgerechten podologischen Behandlung werden diese übermäßigen Verhornungen schmerzfrei und unter Einsatz steriler rotierender Instrumente und Skalpelltechnik abgetragen. Dies führt zu einer sofortigen spürbaren Druckentlastung.

Ein wichtiger Bestandteil des podologischen Leistungsspektrums ist die Anfertigung individueller Druck- und Reibungsschutzorthesen aus medizinischem Silikon. Diese maßgefertigten Hilfsmittel können Fehlstellungen abfedern, empfindliche Knochenvorsprünge schützen und die Zehenstellung optimieren. Sie werden passgenau an den Fuß des Patienten angeformt und sind langlebig sowie hygienisch abwaschbar.

Darüber hinaus nimmt die fundierte Beratung einen breiten Raum ein. Podologen analysieren das von den Patienten getragene Schuhwerk auf Torsionssteifigkeit, Passform und Dämpfungseigenschaften. Wir geben konkrete Empfehlungen, worauf beim Schuhkauf zu achten ist, und erläutern das Zusammenspiel zwischen Schuh, Einlage und der eigenen Fußmuskulatur. Bei Bedarf verweisen wir auf die Notwendigkeit maßgefertigter orthopädischer Einlagen und arbeiten eng mit Sanitätshäusern zusammen.

Die Behandlungsintervalle richten sich nach dem individuellen Befund. Bei starker Hornhautneigung oder wiederkehrenden Druckstellen hat sich ein Rhythmus von vier bis sechs Wochen bewährt. So wird die Hautgesundheit dauerhaft erhalten und Veränderungen in der Fußstruktur können frühzeitig erkannt werden. Mehr über unser Behandlungsspektrum erfahren Sie im Bereich unsere Leistungen.

Was Sie selbst tun können

Ein passives Abstützen des Fußes durch Einlagen reicht allein nicht aus, um ein funktionelles Längsgewölbe langfristig zu stabilisieren. Die aktive Kräftigung der stabilisierenden Muskeln ist unverzichtbar. Folgendes Übungsprogramm hat sich in der Praxis bewährt und sollte täglich für etwa zehn bis fünfzehn Minuten durchgeführt werden.

  1. Kurzer Fuß nach Janda: Setzen Sie sich auf einen Stuhl, die Füße stehen parallel auf dem Boden. Versuchen Sie nun, den Ballen des großen Zehs in Richtung Fersenseite zu ziehen, ohne die Zehen einzukrallen. Das Längsgewölbe richtet sich dabei sichtbar auf. Halten Sie die Spannung für fünf Sekunden und lösen Sie sie langsam. Führen Sie 3 Durchgänge mit je 10 Wiederholungen pro Seite aus.
  2. Tibialis-Posterior-Kräftigung mit dem Theraband: Setzen Sie sich mit gestreckten Beinen auf den Boden. Schlingen Sie ein Gymnastikband um den Vorfuß der zu trainierenden Seite und halten Sie die Enden fest. Drehen Sie den Fuß gegen den Widerstand des Bandes nach innen und leicht nach unten. Führen Sie die Bewegung langsam und kontrolliert aus. 3 Durchgänge à 15 Wiederholungen.
  3. Fersenheben mit Ball: Stellen Sie sich aufrecht hin und klemmen Sie einen kleinen Tennisball oder Faszienball zwischen Ihre Fersen. Heben Sie nun langsam die Fersen an, während Sie den Ball fest zwischen den Fersen zusammendrücken. Dies erzwingt die Inversion des Fersenbeins und aktiviert den Wadenmuskel sowie den Tibialis posterior. 3 Durchgänge mit 12 Wiederholungen.
  4. Dehnung der Wadenmuskulatur: Stellen Sie sich in Schrittstellung vor eine Wand. Das hintere Bein bleibt gestreckt, die Ferse fest auf dem Boden. Schieben Sie das Becken nach vorne, bis eine deutliche Dehnung in der Wade spürbar wird. Halten Sie die Position für 30 bis 45 Sekunden pro Seite. Dies reduziert den Zug auf die Achillessehne und erleichtert die Gewölbeaufrichtung.
  5. Barfußgehen auf abwechslungsreichem Untergrund: Nutzen Sie Gelegenheiten, auf Wiesen, Sand, Kies oder im Wald barfuß zu gehen. Die unebenen Flächen fordern die Mikrobewegungen der Fußknochen und aktivieren die tiefliegenden Fußmuskeln auf natürliche Weise.

Regelmäßigkeit ist bei allen Übungen wichtiger als die Intensität. Die Sehnen und Muskeln benötigen Zeit, um sich an die neuen Reize anzupassen. Erste Erfolge stellen sich meist nach sechs bis acht Wochen konsequenten Trainings ein.

Häufige Fehler

In der podologischen Praxis beobachten wir immer wieder typische Fehlannahmen und Verhaltensweisen, welche die Genesung verzögern oder Schmerzen verstärken können. Folgende Punkte sollten Sie unbedingt vermeiden:

  • Ausschließlich passive Versorgung: Sich allein auf orthopädische Einlagen zu verlassen, führt dazu, dass die Fußmuskulatur weiter an Kraft verliert. Einlagen sind eine Stütze, ersetzen aber nicht das aktive Training.
  • Zu rascher Umstieg auf Barfußschuhe oder ungedämpftes Gehen: Wer von stark gestützten Schuhen von heute auf morgen auf langes Barfußlaufen auf hartem Parkett umstellt, überlastet das Pfannenband und die Tibialis-posterior-Sehne extrem. Der Übergang muss schrittweise erfolgen.
  • Falsche Schuhwahl trotz Einlagen: Werden maßgefertigte Einlagen in zu enge oder zu flache Schuhe gequetscht, entsteht ein hoher Druck auf den Fußrücken und die Zehen. Die Folge sind Nagelfehlbildungen, Eingewachsene Nägel und Blasenbildung.
  • Ignorieren von Sehnenreizungen: Stechende Schmerzen an der Innenseite des Fußes werden häufig als harmloser Muskelkater abgetan. Das Weiterführen intensiver Sportarten trotz Sehnenentzündung kann zu irreversiblen Gewebeschäden führen.
  • Voreiliger Griff zu starren Sohlen ohne Eingewöhnung: Neue Einlagen oder Orthesen müssen langsam eingetragen werden. Beginnen Sie mit zwei Stunden pro Tag und steigern Sie die Tragedauer schrittweise über zwei Wochen.

Eine vertrauensvolle Begleitung hilft dabei, diese Stolpersteine zu umgehen. Informationen über das Konzept unserer Praxis finden Sie unter über mich und unsere Praxis.

Studienlage und Einordnung

Die medizinische Forschung liefert klare Evidenz für die Wirksamkeit konservativer Therapieansätze bei flexiblen Senk- und Plattfüßen sowie bei Funktionsstörungen der Tibialis-posterior-Sehne. Eine wegweisende Untersuchung von Kulig et al. konnte nachweisen, dass ein gezieltes, exzentrisches Training des Musculus tibialis posterior in Kombination mit einer passgenauen Orthese die Schmerzen bei Patienten mit Sehnenfunktionsstörungen im Stadium I und II signifikant reduzierte und die Belastungsfähigkeit der Sehne wiederherstellte [1].

In einer lang angelegten klinischen Studie von Alvarez et al. wurde gezeigt, dass ein strukturiertes, nicht-operatives Behandlungsprotokoll aus Physiotherapie, Bewegungsübungen und orthopädischen Hilfsmitteln bei über 80 Prozent der Patienten mit flexiblem Plattfuß und Sehneninsuffizienz eine Operation erfolgreich verhindern konnte [2]. Die Autoren betonten dabei die Wichtigkeit der frühzeitigen Intervention, bevor knöcherne Fixierungen eintreten.

Eine weitere Forschungsarbeit von Unver et al. untersuchte die Effekte von spezifischen Übungen für die intrinsische Fußmuskulatur, insbesondere der Übung des Kurzen Fußes. Die Ergebnisse belegten eine statistisch signifikante Verbesserung der Gewölbehöhe sowie eine Reduktion des Absinkens im Navicular-Drop-Test bei Personen mit flexiblem Pes planovalgus [3]. Dies unterstreicht die Rolle des aktiven Muskeltrainings als zentrale Säule der Therapie.

Zudem untersuchten Menz et al. den Zusammenhang zwischen Fußfehlstellungen, Schmerzen und der Sturzgefährdung bei älteren Erwachsenen. Die Daten zeigten klar, dass ausgeprägte Senk-Plattfüße mit einer beeinträchtigten Balance und einem erhöhten Risiko für Stürze sowie Kniegelenksbeschwerden korrelieren [4]. Eine rechtzeitige podologische und orthopädische Versorgung besitzt somit auch in der Geriatrie eine hohe präventive Bedeutung.

Behandlung in Memmingen

In der Praxis FREITAG® Podologie GmbH in Memmingen bieten wir Betroffenen aus dem Unterallgäu, dem Allgäu und Oberschwaben eine qualifizierte und professionelle Anlaufstelle für die Fußgesundheit. Inhaberin Helga Maria Freitag ist staatlich anerkannte Podologin und seit März 2026 als sektorale Heilpraktikerin für Podologie qualifiziert. Diese Zusatzqualifikation ermöglicht eine direkte Befunderhebung und Erstdiagnostik im podologischen Bereich ohne vorherigen Arztbesuch.

Unsere Praxis in der Kempterstr. 25 ist modern ausgestattet und erfüllt höchste Hygiene- und Behandlungsstandards. Wir verbinden klassische podologische Behandlungsformen mit innovativen Ansätzen wie der Kryotherapie, um Entzündungsprozesse und Gewebebelastungen gezielt zu begleiten. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Fußstatik haben oder eine fachgerechte Abtragung von Druckstellen benötigen, können Sie jederzeit direkt Kontakt aufnehmen. Erfahren Sie zudem mehr über die rechtlichen Rahmenbedingungen und Vorteile der Erstdiagnostik im Artikel sektorale Heilpraktikerin.

Häufige Fragen

Kann sich ein Plattfuß im Erwachsenenalter wieder komplett aufrichten?

Ein flexibler Senk- oder Plattfuß kann durch gezieltes Training der intrinsischen Fußmuskeln und des Musculus tibialis posterior in seiner Statik deutlich verbessert werden. Eine vollständige knöcherne Aufrichtung wie im Kindesalter ist im Erwachsenenalter meist nicht mehr möglich, da die Bänder angepasst sind. Die Belastungsfähigkeit und Schmerzfreiheit lassen sich jedoch durch die Kombination aus Training und podologischer Versorgung hervorragend wiederherstellen.

Wie lange dauert es, bis Übungen für das Fußgewölbe Wirkung zeigen?

Erste funktionelle Verbesserungen und eine Reduktion von Schmerzen stellen sich bei konsequentem täglichen Training meist nach sechs bis acht Wochen ein. Sehnen und Bänder passen sich langsamer an Reize an als reine Muskelfasern. Eine dauerhafte Stabilisierung erfordert daher ein kontinuierliches Training über mindestens drei bis sechs Monate.

Sind Einlagen bei jedem Senkfuß zwingend erforderlich?

Nein, ein beschwerdefreier, flexibler Senkfuß benötigt nicht zwingend passive Einlagen. Wenn keine Schmerzen oder Hautveränderungen vorliegen, reicht oft gezieltes Muskeltraining und passendes Schuhwerk aus. Einlagen sind dann indiziert, wenn Schmerzen auftreten, Überlastungen der Sehnen vorliegen oder erhebliche Hornhaut- und Hühneraugenbildungen entstehen.

Was ist der Unterschied zwischen einem flexiblen und einem starren Plattfuß?

Ein flexibler Plattfuß richtet sein Gewölbe im entlasteten Zustand oder beim Stehen auf den Zehenspitzen wieder auf. Beim starren Plattfuß bleibt die Fußsohle auch ohne Gewichtsbelastung flach, was oft auf knöcherne Verwachsungen oder fortgeschrittene Arthrose zurückzuführen ist. Der starre Plattfuß erfordert meist eine intensivere medizinische und orthopädische Abklärung.

Wie hilft die Podologie bei Schmerzen durch eine Fußfehlstellung?

Die Podologie entfernt schmerzhafte Verhornungen und Hühneraugen, die durch die veränderte Druckverteilung entstehen, sanft und professionell. Zudem fertigen Podologen individuelle Druckschutzorthesen an, beraten zur optimalen Schuhwahl und unterstützen die interdisziplinäre Versorgung. Dies sorgt für eine schnelle Druckentlastung und schützt die Haut vor Folgeschäden.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.

  1. [1] Kulig K et al. (2009): Nonsurgical management of posterior tibial tendon dysfunction with orthoses and resistive exercise: a randomized controlled trial. Physical Therapy, 89(1), 26-37. Zeigt die hohe Wirksamkeit von exzentrischem Sehnen- und Muskeltraining in Kombination mit Orthesen bei Tibialis-posterior-Dysfunktion.
  2. [2] Alvarez RG et al. (2006): Stage I and II posterior tibial tendon dysfunction treated nonoperatively. Foot & Ankle International, 27(1), 2-8. Belegt, dass über 80 Prozent der Patienten mit flexiblem Plattfuß durch strukturiertes Training und Hilfsmittel erfolgreich ohne Operation therapiert werden können.
  3. [3] Unver B et al. (2019): Comparison of the effects of short foot exercise and arch support insoles on foot posture and balance in young adults with flexible flatfoot. Journal of Back and Musculoskeletal Rehabilitation, 32(4), 619-625. Nachweis, dass das gezielte Training des Kurzen Fußes nach Janda die Gewölbehöhe und die dynamische Balance signifikant verbessert.
  4. [4] Menz HB et al. (2013): Foot posture, foot pain and functional limitation in older people. Gerontology, 59(2), 117-123. Untersucht den Zusammenhang zwischen Senk-Plattfuß-Fehlstellungen, chronischen Schmerzen und erhöhtem Sturzrisiko bei älteren Menschen.

Persönliche Beratung in Memmingen

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.

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So zitieren Sie diesen Artikel

Helga Maria Freitag (2026): Senkfuß und Plattfuß: Was das Fußgewölbe wirklich braucht. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/senkfuss-plattfuss

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.