
Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.
Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 11 Minuten
Was dahintersteckt
Unter einer Polyneuropathie versteht die Medizin die Erkrankung mehrerer peripherer Nerven im menschlichen Körper. Das periphere Nervensystem umfasst alle Nervenbahnen, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegen. Sie leiten Bewegungsimpulse vom Zentralnervensystem in die Muskeln und übermitteln im Gegenzug Empfindungen wie Kälte, Wärme, Berührung und Schmerz an das Gehirn. Bei einer Polyneuropathie ist diese Signalverarbeitung gestört.
In den allermeisten Fällen beginnt dieser Prozess an den am weitesten entfernten Nervenenden, den sogenannten distalen Abschnitten. Da die Nervenfasern zu den Füßen und Zehen die längsten im gesamten menschlichen Körper sind, manifestieren sich Stoffwechselstörungen oder toxische Schäden dort zuerst. Die Fachmedizin spricht in diesem Zusammenhang von einer längenabhängigen, distal-symmetrischen Polyneuropathie. Die Leitungsbahnen büßen ihre Isolierschicht, die sogenannte Myelinscheide, ein oder der innere Nervenstrang, das Axon, degeneriert.
Anatomisch unterscheidet man zwischen dickkalibrigen A-beta-Fasern, die für das Vibrationsempfinden und die feine Mechanorezeption zuständig sind, sowie dünnen C-Fasern und A-delta-Fasern. Letztere leiten Temperatursignale und Schmerzreize weiter. Werden diese dünnen Fasern geschädigt, geht die natürliche Schutzsensibilität verloren. Die Haut registriert zwar noch groben Druck, meldet dem Gehirn jedoch keine schädlichen Reize mehr. Gewebeverletzungen bleiben folglich unbemerkt und der Fuß verliert seine sensorische Rückkopplung an den Gangapparat.
Typische Anzeichen
Die Symptomatik einer Polyneuropathie ist vielfältig und verläuft meist schleichend über Monate oder Jahre. Zu Beginn stehen häufig sogenannte Plus-Symptome im Vordergrund. Betroffene spüren ein unwillkürliches Kribbeln, das an das Krabbeln von Ameisen erinnert, oder ein brennendes Gefühl in den Fußsohlen, welches in der Fachliteratur als Burning-Feet-Syndrom bezeichnet wird. Auch nächtliche Wadenkrämpfe oder eine Überempfindlichkeit gegenüber leichten Berührungen, etwa durch die Bettdecke, sind charakteristische Frühzeichen.
Im weiteren Verlauf treten vermehrt Minus-Symptome auf, die den fortschreitenden Sensibilitätsverlust widerspiegeln. Das Empfinden für Feintouchierung, Kälte und Wärme nimmt stetig ab. Betroffene nehmen den Boden unter den Füßen nur noch wie durch eine dicke Filzschicht wahr. Das Fehlen des Vibrationsempfindens führt zudem zu einer Gangunsicherheit, die sich besonders im Dunkeln oder auf unebenem Untergrund bemerkbar macht. Der Körper kann die Position der Gelenke im Raum nicht mehr präzise rückmelden.
Eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern ist medizinisch essenziell. Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (L5/S1) verursacht ebenfalls Missempfindungen im Bein, diese treten jedoch meist einseitig und dermatomspezifisch auf. Die Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) führt hingegen zu durchblutungsbedingten Schmerzen unter Belastung, wobei die Haut meist blass und kühl ist und die Fußpulse schwach oder nicht tastbar sind. Bei einer reinen Neuropathie sind die Fußpulse in der Regel gut abgrenzbar, während die Wahrnehmung blockiert ist.
Ursachen im Alltag
Die Ursachen für Schädigungen der peripheren Nerven sind komplex. Die mit Abstand häufigste Ursache in der westlichen Welt ist der Diabetes mellitus. Bei dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten (HbA1c-Wert über 6,5 Prozent) lagern sich Abbauprodukte des Zuckerstoffwechsels in den Gefäßwänden der feinsten Blutgefäße ab. Diese sogenannten Vasa nervorum versorgen die Nervenfasern mit Sauerstoff und Nährstoffen. Werden sie geschädigt, verkümmern die Nerven schrittweise.
Neben dem Diabetes mellitus spielen chronischer Alkoholkonsum und neurotoxische Substanzen eine erhebliche Rolle. Alkohol wirkt direkt toxisch auf die Axone und führt zeitgleich zu einem Mangel an B-Vitaminen, insbesondere Thiamin (Vitamin B1) und Cobalamin (Vitamin B12). Ebenso können Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie eine sogenannte Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) auslösen. Auch Schilddrüsenunterfunktionen, chronische Niereninsuffizienz oder autoimmune Erkrankungen zählen zu den Auslösern.
Im Alltag wirken zudem biomechanische Faktoren beschleunigend auf Komplikationen ein. Ein unpassendes Schuhwerk mit zu enger Zehenbox erzeugt lokale Druckspitzen. Normalerweise würde der Fuß auf diesen Druck mit Ausweichbewegungen oder Schmerz reagieren. Bei bestehender Polyneuropathie bleibt diese Warnmeldung aus. Das Gewebe reagiert auf die Dauerbelastung mit übermäßiger Hornhautbildung (Hyperkeratose). Unter diesen Hornhautdeckeln entstehen durch die Scherkräfte oft unbemerkt Blutungskavitäten und tiefgreifende Gewebsnekrosen.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Eine Polyneuropathie muss zwingend neurologisch und internistisch abgeklärt werden, um die zugrundeliegende Ursache zu behandeln oder deren Fortschreiten einzudämmen. Beim Auftreten von Missempfindungen sollte daher zeitnah ein Facharzt aufgesucht werden. Es gibt jedoch spezifische Alarmsignale, die eine unverzügliche medizinische Evaluation erforderlich machen.
Plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen oder eine Fußheberschwäche, bei der die Fußspitze beim Gehen über den Boden schleift, deuten auf eine akute motorische Beteiligung hin. Ebenso erfordern jegliche offene Hautstellen, Blasen, Verfärbungen der Haut oder nässende Areale sofortige ärztliche Begutachtung. Wenn der Fuß ohne spürbare Ursache deutlich anschwillt, sich überwärmt und rötet, besteht der Verdacht auf eine neuro-osteoarthropathische Veränderung, auch bekannt als Charcot-Fuß. Hier droht ohne sofortige Entlastung der Kollaps des Fußskeletts.
Was die podologische Behandlung leisten kann
Die podologische Praxis übernimmt bei Menschen mit Polyneuropathie eine zentrale Schutz- und Kontrollfunktion. Da Betroffene Gewebeschäden nicht mehr adäquat spüren, erfordert die Fußbehandlung ein Höchstmaß an anatomischem Wissen und instrumenteller Präzision. In unserer Praxis für Podologie beginnen wir jede Erstbehandlung mit einer eingehenden Erhebung des neurologischen Status der Füße.
Hierbei kommen standardisierte Testverfahren zum Einsatz. Mit dem Semmes-Weinstein-10-Gramm-Monofilament prüfen wir das Vorhandensein der Schutzsensibilität an definierten anatomischen Punkten der Fußsohle. Biegt sich der Kunststofffaden durch, ohne dass der Patient den Druck spürt, liegt ein relevanter Sensibilitätsverlust vor. Das Vibrationsempfinden testen wir mithilfe einer Stimmgabel nach Rydel-Seiffer mit 128 Hertz an den Knochenpunkten des Großzehengrundgelenks und der Knöchel. Zur Überprüfung der Thermosensorik nutzen wir ein Prüfgerät mit einer Metall- und einer Kunststoffseite.
Die eigentliche podologische Komplexbehandlung erfolgt absolut atraumatisch. Hornhautabtragungen werden mittels chirurgischer Skalpellklingen der Figuren 10 oder 15 hauchdünn und kontrolliert durchgeführt, ohne die gesunde Dermis zu verletzen. Beim Kürzen und Glätten der Fußnägel arbeiten wir mit hochtourigen Mikromotoren und Nass-Schleiftechnik. Der feine Sprühnebel kühlt die Behandlungsstelle kontinuierlich ab und verhindert somit thermische Gewebeschädigungen, die der Patient aufgrund der Neuropathie sonst nicht spüren würde. Als sektorale Heilpraktikerin für Podologie kann die Behandlungsstrategie bei Bedarf spezifisch angepasst werden.
Zusätzlich fertigen wir bei mechanischen Fehlstellungen individuelle Druckschutzorthesen aus medizinischem Zweikomponenten-Silikon an. Diese Orthesen entlasten gefährdete Areale wie Hammerzehen oder Hallux-valgus-Anlagerungen nachhaltig. Die Behandlungsintervalle liegen bei Patienten mit Polyneuropathie in der Regel bei vier bis sechs Wochen, um Nachverhornungen rechtzeitig zu entfernen. Eine Behandlungseinheit dauert üblicherweise zwischen 45 und 60 Minuten.
Was Sie selbst tun können
Die tägliche Eigenkontrolle und Pflege ist die wichtigste Säule im Selbstmanagement einer Polyneuropathie. Da Sie sich nicht mehr auf das Schmerzempfinden verlassen können, müssen Ihre Augen die Kontrollfunktion der Nerven übernehmen.
- Führen Sie jeden Abend eine systematische Sichtprüfung der Fußsohlen, Fersen und Zehenzwischenräume durch, nutzen Sie dafür bei Bedarf einen bruchsicheren Hand- oder Bodenspiegel.
- Prüfen Sie die Wassertemperatur beim Fußbad niemals mit den Füßen, sondern stets mit einem Badethermometer, wobei die Temperatur maximal 37 Grad Celsius betragen sollte.
- Cremen Sie Ihre Füße täglich mit pflegenden Schäumen oder Cremes ein, die einen Urea-Anteil von 10 Prozent aufweisen, sparen Sie dabei die Zehenzwischenräume aus, um Mazerationen zu vermeiden.
- Tragen Sie ausschließlich Strümpfe ohne drückende Innennähte und mit weichem Bund, bevorzugt aus Baumwolle oder Merinowolle, und wechseln Sie diese täglich.
- Tasten Sie das Innere Ihrer Schuhe vor jedem Anziehen mit der Hand gründlich nach Fremdkörpern wie kleinen Steinen, umgebogenen Einlagen oder kaputtem Futter ab.
Häufige Fehler
In der podologischen Praxis beobachten wir regelmäßig Verhaltensweisen, die trotz guter Absicht zu schweren Gewebeschäden führen. Viele Betroffene unterschätzen die Gefahren, die von alltäglichen Wärmequellen oder ungeeigneten Pflegegeräten ausgehen.
- Das Barfußgehen auf Teppichen, Fliesen oder im Garten, da kleine Scherben, Dornen oder Heftzwecken ohne Schmerzreiz tief in das Gewebe eindringen können.
- Die Nutzung von Wärmflaschen, Heizkissen oder heißen Fußbädern zur Bekämpfung von kalten Füßen, was rasch zu Verbrühungen zweiten oder dritten Grades führt.
- Der Einsatz von scharfen Raspeln, Hobeln, Hornhauthobelklingen oder chemischen Hornhautentferner-Pflastern mit Salicylsäure zur häuslichen Fußpflege.
- Der Kauf von Neuware am Morgen, da sich das Fußvolumen im Laufe des Tages verändert und zu enge Schuhe am Nachmittag schwere Druckstellen verursachen.
Studienlage und Einordnung
Die Evidenz bezüglich der Prävention und Therapie neurologischer Komplikationen am Fuß ist in der medizinischen Fachliteratur klar dokumentiert. Die Nationale Versorgungsleitlinie Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter hebt hervor, dass die regelmäßige podologische Überwachung und Behandlung das Risiko für Ulzerationen und Folgeschäden drastisch senkt [1]. Studien zeigen, dass der Verlust der Schutzsensibilität der stärkste unabhängige Prädiktor für die Entstehung von Fußgeschwüren ist [2].
Untersuchungen zur Wirksamkeit podologischer Interventionen belegen, dass durch die Kombination aus professioneller Hornhautabtragung, orthopädischer Druckentlastung und strukturierter Patientenrelevanz die Amputationsraten bei Risikopatienten um mehr als 50 Prozent reduziert werden können [3]. Hinsichtlich der Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie (CIPN) weisen neuere Arbeiten darauf hin, dass gezielte senso-motorische Trainingsreize und physikalische Maßnahmen die Regeneration der Nervenfunktion unterstützen können [4]. Eine regelmäßige Reevaluierung des Vibrations- und Druckempfindens mittels Monofilament und Stimmgabel gilt international als Goldstandard in der verlaufskontrollierenden Diagnostik [5].
Behandlung in Memmingen
In unserer Fachpraxis FREITAG® Podologie GmbH in Memmingen betreuen wir Patienten mit Polyneuropathie aus dem gesamten Raum Unterallgäu, Allgäu und Oberschwaben. Unter der fachlichen Leitung von Helga Maria Freitag bieten wir Ihnen eine medizinisch fundierte, schmerzfreie und präzise auf Ihr Beschwerdebild abgestimmte Versorgung.
Unsere Praxis befindet sich in der Kempterstr. 25 in 87700 Memmingen. Wir arbeiten nach höchsten hygienerischen Standards und stimmen uns bei Bedarf eng mit Ihren behandelnden Fachärzten ab. Wenn Sie Veränderungen an Ihren Füßen bemerken oder eine regelmäßige medizinische Fußpflege benötigen, können Sie sich jederzeit über unsere Seite Kontakt an uns wenden.
Orthopädische Schuhversorgung und biomechanische Entlastung
Fehlt den Nervenbahnen die Fähigkeit, Rückmeldungen über Druckbelastungen zu liefern, führt das Gehen zu extremen Scherkräften unter den Mittelfußköpfchen und der Ferse. Die Anpassung des Schuhwerks stellt deshalb ein zentrales Element der Prävention dar. Standardisierte Konfektionsschuhe genügen den biomechanischen Anforderungen bei fortgeschrittenen Nervenschädigungen selten.
Orthopädisches Schuhwerk für neuropathische Füße arbeitet mit mehrschichtigen Einlagenkonstruktionen. Als Basismaterial dienen Ethylenvinylacetat-Schäume (EVA) mit einer geringen Shore-Härte von 15 bis 20 Shore A, die Stoßbelastungen abfedern. Darüber liegende Memory-Schäume passen sich unter Körperwärme exakt der Fußkontur an. Dies verteilt das Plantargewicht gleichmäßig auf die gesamte Fußfläche und verhindert punktuelle Spitzenbelastungen.
Mechanische Belastungsgrenzen werden ohne Sensorik schnell überschritten. Eine 62-jährige Patientin aus dem Unterallgäu stellte sich mit einer schmerzlosen Hyperkeratose unter dem zweiten Mittelfußköpfchen vor. Die podologische Inspektion zeigte bereits einen subkutanen Gewebsdefekt, hervorgerufen durch eine starre Laufsohle ohne ausreichende Abrollhilfe.
Die Konstruktion der Laufsohle ist entscheidend für den Druckabbau. Eine eingebaute Ballen- oder Schmetterlingsrolle verlagert den Abrollpunkt nach hinten und entlastet das Vorfußskelett in der Abstoßphase. Das Obermaterial des Schuhs muss nahtfrei verarbeitet sein. Weiches Kalbsleder oder elastische Textilmaterialien bieten ausreichend Nachgiebigkeit, während eine erhöhte Zehenbox das Reiben bei Hammer- oder Krallenzehen verhindert.
Physikalische Therapien und Propriozeptionstraining
Obwohl geschädigte periphere Nervenfasern je nach Ätiologie nur eingeschränkt regenerieren, erlaubt die neuronale Plastizität des zentralen Nervensystems funktionelle Anpassungen. Gezielte physikalische Maßnahmen und propriozeptive Reize können die verbliebene Sensibilität stimulieren. Sie verbessern die Bewegungskoordination im Alltag deutlich.
Das Sensomotoriktraining nutzt instabile Unterlagen wie Schaumstoffkissen, Balance-Pads oder Kippbretter. Patienten führen unter optischer Kontrolle durch einen Spiegel gezielte Gewichtsverlagerungen durch. Das Gehirn lernt dadurch, die verminderten Nervensignale aus den Fußsohlen effektiver mit den optischen und vestibulären Eindrücken zu verknüpfen. Kurze Einheiten von zehn Minuten täglicher Übungsdauer zeigen in der Praxis messbare Erfolge bei der Stabilisierung des Gangbildes.
Elektrotherapeutische Verfahren bieten eine medikamentenfreie Option zur Reduktion neuropathischer Missempfindungen. Die Hochtonfrequenz-Therapie (HTEMS) leitet elektrische Impulse im Mittelfrequenzbereich über großflächige Schienbein- und Fußsohlenelektroden in das Gewebe. Anders als die klassische TENS-Therapie wirkt die Hochtontherapie nicht primär auf die Nervenbahnen selbst, sondern beeinflusst den Zellstoffwechsel und die Mikrozirkulation in den Vasa nervorum positiv.
Thermisches Training birgt durch die gestörte Temperatursensorik erhebliche Gefahren. Wechselbäder oder Eisgüsse sind daher kontraindiziert. Gefahrlos ist hingegen die taktile Stimulation mittels trockener Reize. Der Einsatz softer Massagebürsten, unterschiedlicher Stofftexturen oder sanfter Mikrovibrationen aktiviert verbliebene A-beta-Fasern, ohne das Risiko von Gewebeschädigungen einzugehen.
Wundprophylaxe und Prinzipien des neuropathischen Ulkusmanagements
Bricht die Integrität der Hautbarriere aufgrund anhaltender Druckbelastung zusammen, entsteht ein neuropathisches Ulkus. Diese tiefgreifenden Wunden entwickeln sich bevorzugt an den mechanisch am stärksten belasteten Stellen der Fußsohle. Wegen der fehlenden Schmerzwahrnehmung bleiben solche Läsionen von den Betroffenen oft tagelang unbemerkt.
Der Gewebsuntergang beginnt meist nicht an der Hautoberfläche, sondern in den tiefen Schichten des plantar gelegenen Fettpolsters. Übermäßige Scherkräfte führen zu Mikrotraumen und Hämatomen im Gewebe. Unter einer intakten, aber stark verhornten Epidermis bildet sich ein druckbedingter Hohlraum. Erst bei einer Eröffnung dieser Hornhautkappe wird das Ausmaß der Gewebsnekrose sichtbar.
Unbemerkt dringen Bakterien in die Tiefe ein. Staphylokokken und Streptokokken besiedeln das Ulkus und können rasch eine Phlegmone oder eine infektiöse Beteiligung des Knochens auslösen. Bei Verdacht auf eine tiefe Infektion ist neben der podologischen Wundreinigung umgehend eine chirurgische und diabetologische Intervention erforderlich.
Das lokale Wundmanagement folgt den Prinzipien der feuchten Wundbehandlung. Aus Algen gewonnene Alginate oder Hydrofasern nehmen Wundexsudat auf und wandeln sich in ein gelartiges Milieu um, das die Granulation fördert. Schaumstoffauflagen aus Polyurethan schützen die feuchten Wundränder vor Mazeration. Die wichtigste Voraussetzung für eine Ausheilung bleibt die absolute Druckentlastung. Spezielle Entlastungsschuhe oder Orthesen fixieren den Fuß und verteilen das Gewicht auf den Unterschenkel, bis das Ulkus vollständig epithelisiert ist.
Häufige Fragen
Kann sich eine Polyneuropathie in den Füßen wieder vollständig zurückbilden?
Ob sich genervte Nervenstrukturen regenerieren, hängt stark von der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung ab. Bei stoffwechselbedingten oder toxischen Ursachen kann eine optimale Blutzuckereinstellung oder das Absetzen toxischer Substanzen das Fortschreiten stoppen und in frühen Stadien zu einer teilweisen Erholung führen. Weit fortgeschrittene Nervenschäden sind jedoch meist irreversibel, weshalb die Prävention von Folgeschäden im Vordergrund steht.
Wie oft sollte man bei einer Polyneuropathie zur Podologie gehen?
Bei einer diagnostizierten Polyneuropathie mit Sensibilitätsverlust wird ein Behandlungsintervall von vier bis sechs Wochen empfohlen. In diesem Zeitraum bildet sich bei mechanischer Belastung neue Hornhaut, die rechtzeitig abgetragen werden muss, um Drucknekrosen zu verhindern. Das genaue Intervall stimmt die Podologin individuell auf den Haut- und Nagelzustand ab.
Warum sind heiße Fußbäder bei Taubheitsgefühl in den Füßen gefährlich?
Durch den Sensibilitätsverlust nehmen die Nerven der Füße heiße Temperaturen nicht mehr korrekt wahr. Ein Fußbad, das als angenehm warm empfunden wird, kann tatsächlich eine Temperatur von über 45 Grad Celsius haben und schwere Verbrühungen verursachen. Da der Schmerzreflex fehlt, bleibt der Fuß im heißen Wasser, was zu tiefen Gewebeschäden führt.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die podologische Behandlung?
Bei Vorliegen einer diagnostizierten Polyneuropathie (beispielsweise im Rahmen eines diabetischen Fußsyndroms oder bei Sensibilitätsstörungen anderer Ursache) kann der behandelnde Arzt eine Heilmittelverordnung für podologische Therapie ausstellen. In diesem Fall übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Kosten für die Behandlung weitgehend.
Welche Schuhe sind bei Polyneuropathie am besten geeignet?
Geeignet sind Schuhe mit ausreichendem Volumen im Vorfußbereich, weichem Obermaterial ohne störende Innennähte und einer stoßdämpfenden Sohle. Die Schuhe sollten keinen Druck auf die Zehen ausüben und ausreichend Platz für eventuelle orthopädische Einlagen bieten. Ein flexibler Verschluss wie Klettverschluss ermöglicht die Anpassung an tageszeitliche Schwankungen des Fußvolumens.
Quellen und weiterführende Literatur
Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.
- [1] Nationale Versorgungsleitlinie Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter Zeigt die Evidenz für die systematische podologische Risikoeinschätzung und Ulkusprävention bei Diabetes.
- [2] Boulton AJM et al. Comprehensive Foot Examination and Risk Assessment. Diabetes Care 2008 Belegt den Zusammenhang zwischen dem Verlust der Schutzsensibilität und dem Auftreten von Fußulzerationen.
- [3] Cochrane Database of Systematic Reviews: Interventions for preventing foot ulcers in people with diabetes Weist nach, dass professionelle podologische Maßnahmen das Amputationsrisiko signifikant senken.
- [4] Jordan B et al. Chemotherapy-induced peripheral neuropathy: pathogenesis and treatment options. Onkologie 2019 Erläutert die Pathophysiologie und podologisch-physikalischen Unterstützungsoptionen bei CIPN.
- [5] Spijkerman AM et al. Microvascular complications and sensory neuropathy in diabetic patients. J Clin Epidemiol 2015 Beschreibt die diagnostische Wertigkeit der Stimmgabel- und Monofilamentuntersuchung.
Persönliche Beratung in Memmingen
Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.
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Helga Maria Freitag (2026): Polyneuropathie in den Füßen: Wenn Kribbeln und Taubheit bleiben. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/polyneuropathie-fuesse
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.
