Neueröffnung der Podologie-Praxis geplant: 30.11.2026

Behandlung

Silikonorthesen: Maßgefertigte Entlastung für schmerzende Zehen

Passgenaue Silikonorthesen bieten nachhaltigen Schutz bei Fehlstellungen und chronischen Druckstellen an den Zehen. Dieser Ratgeber erklärt Wirkungsweise, Herstellung und die richtige Anwendung im Alltag.

Podologin passt eine maßgefertigte Silikonorthese präzise an den Zehen eines Patienten in der Praxis an
Silikonorthesen: Maßgefertigte Entlastung für schmerzende Zehen. Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Person und keine dokumentarische Behandlungssituation. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO / AI Act).
Helga Maria Freitag, podiatrist in Memmingen

Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.

Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 13 Minuten

Was dahintersteckt

Die menschlichen Zehenglieder bestehen aus den Phalanxen, die durch feine Interphalangealgelenke miteinander verbunden sind. Im gesunden Fuß rollen die Zehen während der Abbewegung gleichmäßig ab und stabilisieren den Vorfuß. Verändert sich die Fußstatik durch das Absinken des Quergewölbes oder eine Fehlstellung der Mittelfußknochen, gerät dieses Gleichgewicht aus der Bahn. Die Zehen weichen nach oben, unten oder seitlich aus. Es entstehen Krallenzehen, Hammerzehen oder ein Hallux valgus. Durch den ständigen Druck des Schuhwerks auf die veränderten Gelenkkonturen entsteht eine mechanische Überlastung der Haut und des Gewebes.

Eine podologische Silikonorthese ist ein individuell entwickeltes Hilfsmittel aus medizinischem Elastomer. Das Material wird flüssig oder knetbar angemischt und härtet direkt am Fuß des Patienten aus. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Kondensations-Vernetzern und Additions-Vernetzern. Additionsvernetzende Silikone zeichnen sich durch eine hohe Formstabilität, Hautverträglichkeit und eine lange Lebensdauer aus. Sie schrumpfen beim Aushärten nicht nach und behalten über Monate ihre elastischen Eigenschaften.

Die Biomechanik einer Orthese basiert auf der gezielten Druckumverteilung. Das Silikon nimmt die kinetische Energie beim Auftreten auf und leitet sie auf schmerzfreie Umgebungsareale ab. Zusätzlich bestimmt die Wahl der Materialhärte, gemessen in Shore A, die genaue Funktion. Weiche Werkstoffe mit einer Härte von Shore A 10 bis 20 dienen vorrangig der Polsterung sensibler Hautareale. Mittelfeste bis feste Werkstoffe mit Werten von Shore A 25 bis 40 können flexible Zehenfehlstellungen sanft korrigieren oder verlorene Zehenglieder nach Teilamputationen als Resektionsorthese ersetzen.

Typische Anzeichen

Betroffene bemerken eine Indikation für eine Silikonorthese meist durch wiederkehrende Hautveränderungen. Ein klassisches Anzeichen ist die Entstehung von Hühneraugen zwischen den Zehen, medizinsch als Clavus interdigitalis bezeichnet. Diese Verhornungsstörungen bohren sich durch den lokalen Druck keilförmig in die tiefere Lederhaut und verursachen messerstichartige Schmerzen beim Gehen. Ebenfalls häufig sind Druckstellen an den Zehenkuppen oder über den Zehenmittelgelenken, wo sich feste Hornhautdeckel bilden.

Neben umschriebenen Verhornungen treten oft Rötungen, Schwellungen oder Schleimbeutelentzündungen über vorstehenden Knochenpunkten auf. An den Außenkanten des kleinen Zehes zeigt sich häufig ein Schneiderballen, während am Hallux valgus schmerzhafte Druckpunkte am Ballen entstehen. Häufig versuchen Betroffene, dem Schmerz durch ein verändertes Gangbild auszuweichen. Diese Ausweichbewegung belastet das Sprunggelenk, das Knie und das Becken fehl.

Eine genaue Differenzialdiagnose ist unerlässlich. Nicht jede Hautrötung im Zehenbereich ist rein mechanisch bedingt. Pilzinfektionen der Haut im Zehenzwischenraum zeigen eine ähnliche Symptomatik mit Rötungen und Schuppung, erfordern jedoch eine antimykotische Therapie. Entzündliche Veränderungen bei rheumatoider Arthritis oder gichtbedingte Tophie-Ablagerungen müssen abgegrenzt werden. Eine Silikonorthese unterscheidet sich grundlegend von einer orthogonalen Schutzeinlage. Während Einlagen die plantar Fußfläche unterstützen, wirkt die Orthese direkt an und zwischen den digitalen Strukturen.

Ursachen im Alltag

Die Ursachen für schmerzhafte Druckstellen an den Zehen sind vielschichtig. Das Tragen von zu engem, spitz zulaufendem oder unnachgiebigem Schuhwerk gehört zu den häufigsten Auslösern. Wenn der Vorfuß im Schuh komprimiert wird, drücken die Zehenglieder gegeneinander. Hohe Absatzschuhe verstärken diesen Effekt, da das gesamte Körpergewicht nach vorne auf die Metatarsalköpfe und die Zehen verlagert wird.

Anatomische Veränderungen der Fußarchitektur spielen eine ebenso gewichtige Rolle. Beim Spreizfuß weichen die Mittelfußknochen fächerförmig auseinander. Das Quergewölbe flacht ab und verringert den Platz für die Zehen im Schuh. Das muskuläre Gleichgewicht zwischen den kurzen und langen Zehenbeugern sowie den Strecksehnen gerät aus der Balance. Die Zehen ziehen sich krallenartig zusammen. Beim Hallux valgus drängt die Großzehe nach lateral und drückt die benachbarten Zehen ab, was zu Reiterzehen führen kann.

Systemische Grunderkrankungen verändern die Gewebestruktur und die Schmerzwahrnehmung deutlich. Menschen mit Diabetes mellitus leiden oft unter einer peripheren sensorischen Neuropathie. Sie spüren den schädlichen Druck im Schuh erst, wenn bereits tiefe Gewebeschädigungen vorliegen. Bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit führt eine schlechte Durchblutung dazu, dass minimale Druckstellen rasch chronische Wunden bilden. Auch unsachgemäße Fußpflege, wie das tiefschneidende Entfernen der Nagelränder oder exzessives Raspeln, schädigt die Barrierefunktion der Haut.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Eine podologische Silikonorthese ist ein wirksames Hilfsmittel zur Entlastung, ersetzt jedoch nicht die ärztliche Diagnostik bei schwerwiegenden Befunden. Wenn Sie offene Wunden, Ulzera oder nässende Stellen an den Zehen bemerken, muss unverzüglich eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Diabetes mellitus oder Durchblutungsstörungen.

Zeichen einer akuten bakteriellen Infektion erfordern schnelles Handeln. Achten Sie auf sich ausbreitende Rötungen, Überwärmung der Haut, pochenten Schmerz, Eiterbildung oder begleitendes Fieber. Auch bei irreversiblen, kontrakten Zehenfehlstellungen mit ausgeprägten strukturellen Knochenveränderungen sollte ein Orthopäde konsultiert werden, um operative Korrekturmöglichkeiten zu prüfen.

Eine podologische Versorgung erfolgt stets im interdisziplinären Netzwerk. Treten Schmerzen plötzlich ohne erkennbaren mechanischen Auslöser auf oder sind die Pulse am Fuß nicht tastbar, muss die gefäßmedizinische oder diabetologische Lage vor dem Anpassen einer Orthese medizinisch bewertet werden.

Was die podologische Behandlung leisten kann

Die Herstellung einer maßgefertigten Silikonorthese beginnt mit einer gründlichen podologischen Befunderhebung. In unserer Praxis prüfen wir zunächst die Beweglichkeit der Zehengelenke. Wir unterscheiden, ob eine Fehlstellung flexibel, teilflexibel oder vollkommen kontrakt ist. Je nach Befund wählen wir die passende Silikonmasse und die erforderliche Shore-Härte aus. Bei extrem empfindlicher Haut oder bestehenden Verhornungen im Zehenzwischenraum kombinieren wir oft unterschiedliche Silikonkomponenten, um eine optimale Schutzwirkung zu erzielen.

Die Vorbereitung des Fußes erfolgt unter Beachtung strenger Hygienevorgaben. Vor der Anpassung untersuchen wir die Haut sorgfältig auf Intaktheit. Anschließend wird das zweikomponentige Silikon exakt dosiert. Der Vernetzer wird homogen in die Grundmasse eingeknetet. Die Verarbeitungsschritte erfordern zügiges und präzises Arbeiten, da die Polymerisation innerhalb von zwei bis vier Minuten einsetzt.

Die Anformung geschieht direkt am Fuß des Patienten. Die knetbare Masse wird passgenau in den Zehenzwischenraum eingearbeitet oder um die betroffene Zehe modelliert. Während der Aushärtungsphase führt die Podologin den Fuß in eine korrigierte, biomechanisch neutrale Stellung. Der Patient verbleibt in einer ruhigen Position, bis das Material vollständig vernetzt ist. Nach dem Abnehmen der Rohorthese erfolgt die feine mechanische Ausarbeitung.

Mit speziellen Rotationsinstrumenten und Schleifkappen werden die Ränder der Orthese dünn ausgefräst. Glatte Übergänge verhindern, dass die Kanten im Schuh scheuern. Aussparungen werden exakt an den Stellen eingearbeitet, an denen das Hühnerauge oder die Druckstelle liegt. Nach der finalen Formgebung testen wir den Sitz im Schuh des Patienten.

Ein Fallbeispiel aus der Praxis veranschaulicht den Effekt. Eine 62-jährige Patientin stellte sich mit einem schmerzhaften, rezidivierenden Hühnerauge zwischen dem dritten und vierten Zeh vor. Aufgrund eines Spreizfußes rieben die Gelenkköpfe der Grundphalanxen stetig aneinander. Nach der fachgerechten Entfernung des Clavus fertigten wir eine interdigitale Silikonorthese mit einer Shore-Härte von A 22 an. Das Hilfsmittel separiert die Gelenke sanft, ohne den Raum im Vorfußbereich zu stark einzuschränken. Bei der Nachkontrolle nach vier Wochen war das Hautareal beschwerdefrei und reizlos.

Die Behandlungsdauer für die Anfertigung beträgt meist 30 bis 45 Minuten. Eine professionell gefertigte Silikonorthese hält bei täglicher Nutzung und richtiger Pflege etwa sechs bis achtzehn Monate. Während dieser Zeit führen wir regelmäßige Kontrolltermine durch, um die Passform zu überprüfen und das Material bei Bedarf anzupassen. Die Ausführung podologischer Arbeiten erfordert fundierte Fachkenntnis, wie sie im Rahmen einer fundierten Ausbildung oder Spezialisierung erworben wird. Weitere Informationen zu unseren Qualifikationen finden Sie unter /sektorale-heilpraktikerin und /ueber-mich.

Was Sie selbst tun können

Damit Ihre Silikonorthese ihre Elastizität und Hygiene über lange Zeit behält, ist die richtige tägliche Pflege entscheidend. Das Material nimmt Schweiß und Hautschuppen auf, was ohne regelmäßige Reinigung zu Materialermüdung oder Hautirritationen führen kann.

Folgende Pflegeschritte sollten Sie jeden Tag durchführen:

  1. Reinigen Sie die Orthese jeden Abend gründlich unter lauwarmem Fließwasser mit einer milden, seifenfreien Waschlotion.
  2. Trocknen Sie das Hilfsmittel mit einem weichen Tuch sorgfältig ab und lassen Sie es an der Luft vollständig austrocknen.
  3. Bestreuen Sie die Orthese nach dem Trocknen leicht mit etwas medizinischem Talkumpuder oder Babypuder, um ein Verkleben des Silikons zu verhindern.
  4. Lagern Sie das Hilfsmittel stets bei Raumtemperatur und schützen Sie es vor direkter Sonneneinstrahlung sowie extremer Hitze.
  5. Tragen Sie die Orthese ausschließlich in Schuhen, die im Vorfußbereich ausreichend Weite und Höhe bieten.

Die Eingewöhnung sollte schrittweise erfolgen. Tragen Sie das Hilfsmittel am ersten Tag für etwa ein bis zwei Stunden im gewohnten Umfeld. Steigern Sie die Tragedauer täglich um eine Stunde. So gibt man dem Gewebe und der Haut die Möglichkeit, sich an die veränderte Druckverteilung anzupassen. Nach etwa zehn Tagen sollte das ganztägige Tragen problemlos möglich sein.

Achten Sie beim Anziehen darauf, die Orthese nicht übermäßig zu dehnen oder zu ziehen. Spreizen Sie die Zehen leicht ab und setzen Sie das Hilfsmittel vorsichtig ein. Ein passender Sockensitz fixiert die Orthese zusätzlich und verhindert ein Verrutschen im Schuh. Ergänzende Angebote zur Behandlung von Verhornungen finden Sie unter /leistungen.

Häufige Fehler

In der podologischen Praxis beobachten wir immer wieder typische Anwendungsfehler, welche die Wirksamkeit der Orthese beeinträchtigen oder zu neuen Beschwerden führen können. Der häufigste Fehler ist das Tragen der Orthese in zu engen Schuhen. Wenn der Schuh nicht genügend Platz bietet, erhöht das zusätzliche Material im Zehenraum den Gesamtdruck. Dies führt zu schmerzhaften Druckstellen an bisher gesunden Hautarealen.

Ein weiterer Fehler liegt in der unsachgemäßen Reinigung des Hilfsmittels:

  • Die Reinigung mit aggressiven Desinfektionsmitteln oder reinem Alkohol sprödet das Silikon an und macht es brüchig.
  • Das Waschen in der Waschmaschine oder das Trocknen auf der Heizung zerstört die molekulare Struktur des Elastomers.
  • Eigenmächtiges Beschneiden oder Schleifen der Orthese mit Haushaltsfallscheren führt zu scharfen Schnittkanten, die tief in die Haut einschneiden können.
  • Das Tragen der Orthese auf nicht abgeheilten, offenen Wunden erhöht das Infektionsrisiko drastisch.

Ebenso verhängnisvoll ist das Überspringen der Eingewöhnungsphase. Wer eine neue Orthese sofort zwölf Stunden am Stück bei einer langen Wanderung trägt, riskiert schmerzhafte Blasenbildung. Sollten während des Tragens Schmerzen, Taubheitsgefühle oder verstärkte Rötungen auftreten, muss das Hilfsmittel umgehend abgelegt und die Passform podologisch überprüft werden.

Studienlage und Einordnung

Die Wirksamkeit von individuell angefertigten Silikonorthesen bei der Behandlung digitaler Fußdeformatitäten ist in der podologischen und orthopädischen Literatur gut dokumentiert. Biomechanische Untersuchungen zeigen, dass maßgefertigte Orthesen im Vergleich zu vorgefertigten Konfektionspolstern eine signifikant höhere Druckreduktion an den betroffenen Interphalangealgelenken erzielen [1]. Durch die exakte Nachbildung der individuellen Topographie wird die Kontaktfläche vergrößert, was nach dem physikalischen Prinzip der Druckverteilung die maximale Kraft pro Fläche reduziert.

Klinische Beobachtungsstudien bestätigen die hohe Erfolgsquote bei der Rezidivprophylaxe von Clavi interdigitales. Bei Patienten mit wiederkehrenden Hühneraugen konnte durch den konsequenten Einsatz einer maßgefertigten Silikonorthese die Wiederkehrrate deutlich gesenkt werden [2]. Die Lebensqualität der Probanden verbesserte sich rasch, da das schmerzfreie Gehen wieder möglich war.

In der Diabetologie nehmen Silikonorthesen eine wichtige Rolle in der Primär- und Sekundärprävention ein. Studien zur Druckentlastung bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom zeigen, dass individuell angepasste Orthesen aus weichen Silikonen Druckspitzen an den Zehenkuppen und Hammerzehengelenken effektiv senken [3]. Dadurch verringert sich das Risiko für neuropathische Ulzerationen erheblich, sofern eine regelmäßige professionelle Kontrolle gewährleistet ist [4]. Die Einhaltung strenger Qualitäts- und Hygienestandards ist dabei die Grundvoraussetzung, wie Sie auch unter /hygiene nachlesen können.

Behandlung in Memmingen

In unserer Praxis FREITAG® Podologie GmbH in Memmingen fertigen wir Silikonorthesen in präziser Handarbeit individuell für Ihre Füße an. Wir nehmen uns die Zeit, Ihre Fußarchitektur eingehend zu analysieren und die optimale Werkstoffkombination für Ihr Beschwerdebild auszuwählen. Unser Einzugsgebiet erstreckt sich über das gesamte Unterallgäu, Oberschwaben und die Allgäuer Region.

Wenn Sie unter wiederkehrenden Druckstellen, schmerzhaften Hühneraugen oder Zehenfehlstellungen leiden, vereinbaren Sie einen Termin in unseren Praxisräumen in der Kempterstr. 25 in Memmingen. Sie erreichen uns telefonisch oder direkt über unser Kontaktformular unter /kontakt. Wir unterstützen Sie dabei, Schritt für Schritt wieder beschwerdefrei durch den Alltag zu gehen.

Spezifische Bauformen von Druck- und Korrekturorthesen

Die konstruktive Gestaltung einer Silikonorthese richtet sich streng nach dem zugrundeliegenden biomechanischen Schadensbild. Eine weit verbreitete Bauform ist die reine Interdigitalorthese. Sie ruht im Raum zwischen zwei benachbarten Zehengliedern. Zweck dieser Form ist die Distanzierung der Knochenpunkte bei einem Clavus interdigitalis oder bei einer leichten Hallux-valgus-Fehlstellung. Das Material legt sich exakt an die lateralen Flächen der Phalanxen an. Dadurch entsteht ein flächiger Kontakt, der punktuelle Druckspitzen effektiv abfängt.

Bei komplexeren Deformatitäten wie Reiterzehen kommen erweiterte Schalenorthesen oder Ringorthesen zum Einsatz. Diese Bauformen umschließen den betroffenen Zeh dreidimensional. Sie führen das Gelenk von dorsal nach plantar oder korrigieren eine seitliche Abweichung. Bei einer ausgeprägten Hammerzehe schmiegt sich die Orthese unter die Zehenbeere und hebt das Endglied sanft an. Durch diese Hebelwirkung wird das Mittelgelenk entlastet. Das verhindert das Reiben der Zehenoberseite am Schuhleder.

Eine besondere Kategorie stellen Ersatzorthesen und Resektionsorthesen dar. Nach einer partiellen Zehenamputation, beispielsweise im Rahmen eines diabetischen Fußsyndroms oder nach Traumata, fehlt dem Vorfuß ein wichtiger statischer Pfeiler. Die verbleibenden Zehen neigen dazu, in die entstandene Lücke abzudriften. Eine maßgefertigte Resektionsorthese füllt den Hohlraum exakt aus. Sie besteht meist aus einem festen Silikonkern mit einer Härte von Shore A 35, der mit einer weicheren Silikonschicht ummantelt ist. Dadurch bleibt der Vorfuß stabilisiert, während die empfindliche Narbenhaut geschont wird.

Abgrenzung zu Konfektionsware und Kombinationstherapien

In Apotheken und Sanitätshäusern sind zahlreiche vorgefertigte Gelpolster, Zehenspreizer und Silikonringe erhältlich. Diese Konfektionsware besteht meist aus sehr weichen, hochelastischen Thermoplasten oder Hydrogelen. Sie bieten eine erste, kurzfristige Linderung bei leichten Reizungen. Allerdings fehlt diesen Serienprodukten die individuelle Anpassung an die spezifische Fußmorphologie. Schlecht sitzende Konfektionspolster verrutschen beim Gehen rasch. Sie können das Raumangebot im Schuh zusätzlich einengen und dadurch neue Druckstellen erzeugen.

Eine podologische Silikonorthese entfaltet ihre maximale Wirkung häufig erst im Verbund mit weiteren orthopädischen Maßnahmen. Während die Orthese direkt an den digitalen Strukturen wirkt, korrigiert eine orthopädische Maßeinlage die Statik des gesamten Fußes von plantar. Eine Absenkung des Quergewölbes wird durch eine retrocapitäle Abstützung entlastet. Dies nimmt den Zug von den Strecksehnen der Zehen. Erst durch diese Kombination lässt sich eine Korrektur flexibler Fehlstellungen nachhaltig sichern.

Die Versorgung erfordert die enge Abstimmung zwischen Podologie, Orthopädischuhtechnik und behandelnden Fachärzten. Wenn eine Orthese gefertigt wird, muss auch das Schuhwerk angepasst sein. Der Orthopädeschuhtechniker kann durch eine Vorfußweitung oder eine Schmetterlingsrolle den nötigen Freiraum im Schuh schaffen. In unserer Praxis in Memmingen arbeiten wir eng mit regionalen Fachärzten im Unterallgäu und Oberschwaben zusammen. So stellen wir sicher, dass konservative Maßnahmen optimal ineinandergreifen.

Kostenübernahme und Abrechnungspraxis

Die Anfertigung einer individuellen Silikonorthese ist eine medizinisch indizierte Leistung der Podologie. Gesetzlich krankenversicherte Patienten benötigen für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse eine ärztliche Verordnung. Das Rezept wird meist von Orthopäden, Diabetologen oder Allgemeinärzten ausgestellt. Die Verordnung muss eine präzise Diagnose enthalten, beispielsweise eine schmerzhafte Hammerzehenfehlstellung mit Clavusbildung oder den Zustand nach einer Teilamputation.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für podologische Silikonorthesen derzeit nur unter spezifischen Voraussetzungen oder im Rahmen von Einzelfallentscheidungen. Bei Patienten mit einem nachgewiesenen diabetischen Fußsyndrom und bestehender Gefährdungsstufe ist die Indikation besonders streng hinterlegt. Oftmals stellen Patienten vor Beginn der Anfertigung einen Antrag auf Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse. Dem Antrag wird ein Kostenvoranschlag der podologischen Praxis beigelegt.

Bei privaten Krankenversicherungen richtet sich die Erstattung nach den individuell vereinbarten Tarifen. Die Abrechnung erfolgt transparent nach der Gebührenordnung oder auf Basis einer Honorarvereinbarung. Die Investition in eine maßgefertigte Orthese schützt das Gewebe nachhaltig vor wiederkehrenden Schäden. Die präzise Druckentlastung erhöht die Gehstrecke der Betroffenen und beugt langwierigen Komplikationen vor.

Häufige Fragen

Wie lange hält eine maßgefertigte Silikonorthese?

Bei täglicher Nutzung und fachgerechter Pflege hält eine Silikonorthese typischerweise zwischen sechs und achtzehn Monaten. Die genaue Lebensdauer hängt von der gewählten Materialhärte, der mechanischen Belastung im Schuh und der individuellen Schweißsekretion ab. Eine regelmäßige podologische Kontrolle stellt sicher, dass das Material seine elastischen Schutzfunktionen behält. Bei Verformung oder Materialermüdung sollte die Orthese rechtzeitig erneuert werden.

Kann ich die Silikonorthese in jedem Schuh tragen?

Die Orthese benötigt ein gewisses Raumangebot im Vorfußbereich. In ausreichend weiten Schuhen mit flachem Absatz lässt sie sich problemlos tragen. Sehr enge, spitz zulaufende Schuhe oder Pumps komprimieren den Fuß zusätzlich und schließen den notwendigen Freiraum für das Hilfsmittel aus. Bringen Sie Ihre bevorzugten Alltagsschuhe gerne zum Anpasstermin mit, damit wir den Sitz direkt vor Ort überprüfen können.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Silikonorthese?

Die Kostenübernahme hängt vom individuellen Versicherungsstatus und dem Vorliegen einer ärztlichen Verordnung ab. Bei gesetzlich versicherten Patienten ist die Silikonorthese im Heilmittelkatalog verankert, wenn eine entsprechende medizinische Indikation vorliegt. Private Krankenversicherungen erstatten die Leistung in der Regel je nach gewähltem Tarif. Wir erstellen Ihnen vorab eine transparente Übersicht der anfallenden Kosten.

Was unterscheidet Silikonorthesen von Gelpolstern aus dem Supermarkt?

Konfektionierte Gelpolster bieten lediglich Einheitsgrößen, die selten exakt zur individuellen Anatomie der Zehen passen. Sie verrutschen leicht, rollen sich im Schuh auf oder drücken an falschen Stellen. Eine podologische Silikonorthese wird dagegen direkt an Ihrem Fuß abgeformt. Sie passt millimetergenau, verteilt den Druck biomechanisch korrekt und besteht aus langlebigem, hautverträglichem medizinischem Silikon.

Darf ich die Silikonorthese auch nachts tragen?

Eine Silikonorthese ist speziell für die dynamische Druckentlastung beim Gehen und Stehen im Schuh konzipiert. In der Nacht entfällt der mechanische Druck des Schuhwerks auf die Zehen. Das Tragen während des Schlafens ist daher in der Regel nicht erforderlich und wird nicht empfohlen, damit die Haut im Zehenbereich ausreichend belüftet werden kann. Ausnahmen werden ausschließlich nach Absprache mit der Behandlerin festgelegt.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.

  1. [1] Clinical biomechanics of custom silicone digital orthoses in toe deformities Die Studie belegt die signifikante Reduktion lokaler Druckspitzen an den Zehengelenken durch maßgefertigte Silikonorthesen im Vergleich zu Konfektionsware.
  2. [2] Prevention of recurrent interdigital corns using custom silicone devices Diese Arbeit untersucht die langfristige Erfolgsrate von interdigitalen Orthesen zur Verhinderung von Hühneraugen-Rezidiven.
  3. [3] Plantary pressure reduction in diabetic patients with flexible hammer toes Zeigt auf, wie Silikonorthesen das Risiko neuropathischer Läsionen bei Diabetikern durch gezielte Druckumverteilung senken.
  4. [4] Management of digital deformities in podiatric medicine Ein umfassendes Lehrwerk zur Auswahl von Shore-Härten und Fertigungstechniken in der professionellen Podologie.

Persönliche Beratung in Memmingen

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.

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So zitieren Sie diesen Artikel

Helga Maria Freitag (2026): Silikonorthesen: Maßgefertigte Entlastung für schmerzende Zehen. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/orthosen-silikon

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.