Neueröffnung der Podologie-Praxis geplant: 30.11.2026

Kinder

Knick-Senkfuß bei Kindern: Physiologische Entwicklung oder behandlungsbedürftige Fehlstellung?

Ein Knick-Senkfuß gehört im Kleinkindalter zur normalen Fußentwicklung. Erfahren Sie, ab wann eine fachliche Abklärung notwendig ist und wie Sie die Fußgesundheit Ihres Kindes unterstützen.

Podologische Untersuchung der Fußstellung bei einem Kind in der Praxis in Memmingen
Knick-Senkfuß bei Kindern: Physiologische Entwicklung oder behandlungsbedürftige Fehlstellung?. Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Person und keine dokumentarische Behandlungssituation. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO / AI Act).
Helga Maria Freitag, podiatrist in Memmingen

Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.

Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 11 Minuten

Was dahintersteckt

Der pädiatrische Knick-Senkfuß, medizinisch als Pes plano-valgus juvenilis bezeichnet, kombiniert zwei unterschiedliche Abweichungen der Fußgeometrie. Bei der Knickkomponente knickt das Fersenbein, der Calcaneus, nach innen in eine sogenannte Valgusstellung ab, wodurch der innere Knöchel deutlich hervortritt. Die Senkfußkomponente beschreibt gleichzeitig ein Abflachen des medialen Längsgewölbes, sodass die Sohlenfläche im mittleren Fußbereich dem Boden näher kommt als bei einer voll ausgebildeten Wölbung.

In den ersten Lebensjahren ist diese Fußform kein Krankheitsbild, sondern ein physiologischer Übergangszustand. Säuglinge besitzen an der Fußsohle ein stark ausgeprägtes subcutanes Fettpolster, welches das knöcherne Gewölbe schützend verdeckt und dem Fuß eine flache, weiche Optik verleiht. Zusätzlich weisen das Kapsel-Band-System sowie die Sehnenstrukturen bei Kleinkindern eine ausgeprägte Laxität auf, die für flexible Bewegungsabläufe beim Erlernen des Aufrechten Ganges unerlässlich ist.

Die knöcherne Entwicklung verläuft über mehrere Jahre. Das Sprungbein, der Talus, und das Fersenbein verändern unter der zunehmenden Belastung durch das Körpergewicht sowie durch den Zug der Skelettmuskulatur ihre Ausrichtung zueinander. Eine Schlüsselrolle übernimmt hierbei die Sehne des Musculus tibialis posterior, die das Fußgewölbe wie ein dynamisches Zügelband anhebt, unterstützt vom plantar gelegenen Ligamentum calcaneonaviculare plantare.

Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr richtet sich das Längsgewölbe bei den meisten Kindern unter dem Einfluss alltäglicher Reize spürbar auf. Bis zum achten oder neunten Lebensjahr gilt eine mäßige Abflachung der Fußsohle ohne Begleitbeschwerden als normale Variante des kindlichen Wachstums.

Zur Differenzierung nutzen Fachkräfte funktionelle Tests wie den sogenannten Jack-Test oder den Zehenstand-Test. Richtet sich das Fußgewölbe beim Anheben der großen Zehe oder beim Stand auf den Zehenballen spontan auf und richtet sich die Ferse wieder gerade aus, liegt ein flexibler Knick-Senkfuß vor. Fehlt diese Aufrichtung oder lässt sich der Fuß passiv nicht in eine neutrale Position bringen, handelt es sich um eine rigide Form, die eine weitergehende orthopädische Abklärung erfordert.

Typische Anzeichen

Die optischen Merkmale eines Knick-Senkfußes sind für Eltern bei genauer Betrachtung im Stand gut erkennbar. Von hinten betrachtet weicht die Achse der Achillessehne im Fersenbereich nach innen ab, sodass Fersenbein und Unterschenkel keinen geraden Verlauf bilden. Von der Innenseite aus gesehen berührt der Mittelfuß den Untergrund auf voller Länge, wodurch die typische Wölbung zwischen Ballen und Ferse fehlt.

Oft zeigt sich eine Kombination mit einer leichten X-Fehlstellung der Kniegelenke, im Fachjargon Genu valgum genannt. Beim Gehen fällt häufig auf, dass die Fußspitzen stark nach außen gedreht werden, um das kollabierte Gewölbe auszugleichen, oder umgekehrt nach innen rotieren, was als Kompensationsmuster dient. Ein Abriebmuster an den Alltagsschuhen gibt zusätzliche Hinweise: Ist die Sohle an der inneren Fersenkante oder im Bereich des Ballens stark abgetragen, deutet dies auf eine veränderte Druckverteilung hin.

Beschwerden äußern sich bei Kindern selten durch lokalisierte Fußschmerzen. Häufiger berichten Betroffene über eine rasche Ermüdung der Beine nach kurzen Spaziergängen oder beim Toben. Kinder verlangen dann übermäßig oft nach Pausen, möchten getragen werden oder ziehen sich aus aktiven Ballspielen zurück.

Ein prägnantes Beispiel aus der Podologiepraxis zeigt die Vielschichtigkeit der Symptome: Die siebenjährige Amelie wurde von ihren Eltern vorgestellt, weil sie nach dem Sportunterricht regelmäßig über diffus drückende Schmerzen an der Wadenmuskulatur und entlang des Schienbeins klagte. Die podologische Untersuchung offenbarte eine deutliche Valgusstellung der Fersen in Verbindung mit einer Überlastung des Musculus tibialis posterior, während die Fußknochen selbst völlig intakt waren.

Zur Abgrenzung müssen isolierte Fußdeformitäten betrachtet werden. Ein reiner Pes valgus betrifft ausschließlich die Fersenfehlstellung ohne Absenkung der Sohle, während beim reinen Pes planus das Gewölbe abgeflacht ist, ohne dass die Ferse stark nach außen abweicht. Erst das Zusammentreffen beider biomechanischer Veränderungen prägt das Bild des Knick-Senkfußes.

Ursachen im Alltag

Die Entstehung und Verfestigung einer ungünstigen Fußstatik wird durch verschiedene alltägliche Faktoren beeinflusst. Eine zentrale Rolle nimmt die Art des Schuhwerks ein. Zu feste, starre Schuhsohlen verhindern das natürliche Abrollen des Fußes über die Fersen-Ballen-Linie und schränken die Eigenbewegung der 26 Fußknochen massiv ein.

Ein ungeeigneter Schuh verhindert zudem die Rückmeldung des Untergrunds an das zentrale Nervensystem, was die Entwicklung der tiefen Fußmuskulatur hemmt. Zu enge Zehenboxen stauchen die Zehen zusammen und schalten den großen Zeh als wichtigen Stabilisator des Längsgewölbes aus. Ebenso problematisch ist das Tragen von aufgetragener Fußbekleidung älterer Geschwister, da bereits abgetrete Innensohlen das Gangbild des jüngeren Kindes passiv in eine Fehlhaltung lenken.

Der Mangel an abwechslungsreichen Bewegungsreizen verstärkt die Problematik. Kinder bewegen sich in der modernen Lebenswelt überwiegend auf ebenen, harten Böden wie Asphalt, Laminat oder Fliesen. Auf diesen glatten Flächen fehlen sensorische Input-Signale, die für die Aktivierung der kurzen Fußmuskeln erforderlich sind.

Bewegungsmangel und Übergewicht erhöhen die mechanische Last, die auf das noch biegsame Knochen- und Knorpelgewebe trifft. Wenn das Körpergewicht die Haltekraft der schwach ausgebildeten Bänder übersteigt, sinkt das Längsgewölbe unter dem kontinuierlichen Druck schrittweise ab.

Bestimmte Haltungsmuster im Kindesalter begünstigen die Fehlstellung zusätzlich. Dazu gehört der sogenannte W-Sitz, bei dem das Kind auf dem Boden sitzt und die Unterschenkel seitlich neben den Oberschenkeln nach hinten klappt. Diese Sitzposition rotiert die Hüftgelenke nach innen und fördert die Innenrotation des Oberschenkels, was sich direkt auf die Achsenstellung der Fersen auswirkt. Auch systemische Bindegewebsschwächen führen zu einer erhöhten Bänderbiegsamkeit, die dem Fußgewölbe zu wenig Halt bietet.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Ein konservatives Abwarten ist nicht in allen Fällen der richtige Weg. Eltern sollten aufmerksam werden, wenn Warnzeichen auftreten, die über die normale physiologische Entwicklung hinausgehen. Eine umgehende Abklärung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Orthopädie beziehungsweise Kinderheilkunde ist geboten, wenn Schmerzen im Bereich der Füße, Sprunggelenke, Knie oder der Wirbelsäule auftreten.

Auch Asymmetrien erfordern besondere Aufmerksamkeit. Zeigt sich die Fehlstellung nur an einem Fuß, während der andere Fuß ein stabiles Längsgewölbe aufweist, liegt meist eine funktionelle oder strukturelle Störung vor, die zielgerichtet untersucht werden muss. Ebenso stellt eine starre, unbewegliche Fußform eine deutliche Indikation für eine medizinische Diagnostik dar. Lässt sich das Gewölbe im Zehenstand nicht aufrichten oder zeigt der Fuß bei passiver Bewegung durch die untersuchende Person eine ausgeprägte Steifigkeit, kann eine knöcherne oder knorpelige Verschmelzung vorliegen, beispielsweise eine Coalitio calcaneonavicularis.

Folgen Sie bei der Bewertung struktureller Auffälligkeiten dieser Orientierung an typischen Warnhinweisen:

  • Schmerzen bei Belastung oder Ruheschmerzen in der Nacht, die das Kind am schmerzfreien Schlafen hindern.
  • Ein sichtbares Hinken, Schonhinken oder Unregelmäßigkeiten im Schrittmuster während des normalen Gehens.
  • Hautveränderungen wie druckbedingte Hornhautbildung, Rötungen oder Schwellungen im Bereich des inneren Fußknöchels.
  • Ein Fortbestehen einer stark ausgeprägten Fehlstellung über das neunte Lebensjahr hinaus ohne Tendenz zur Spontanaufrichtung.
  • Einschränkungen der Beweglichkeit im oberen oder unteren Sprunggelenk beim passiven Beugen des Fußes nach oben.

Durch eine frühzeitige orthopädische Befunderhebung lassen sich irreversible Folgeschäden an den Gelenkflächen und den aufsteigenden kinetischen Ketten zuverlässig verhindern.

Was die podologische Behandlung leisten kann

Die Podologie nimmt eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen der ärztlichen Diagnose, der orthopädieschuhtechnischen Versorgung und der häuslichen Prävention ein. Nach einer eingehenden Befunderhebung, die eine visuelle Ganganalyse, die Palpation relevanter Sehnenansätze sowie die Erstellung eines Fußabdrucks mittels Podographie umfasst, lässt sich der funktionelle Zustand des kindlichen Fußes präzise bewerten. Erfahren Sie mehr über unsere podologischen Leistungen.

Bei Kindern mit Haut- und Nagelveränderungen, die infolge der veränderten Druckbelastung auftreten, sorgt die podologische Behandlung für schmerzfreie Verhältnisse. Durch das Absinken des Innengewölbes reibt der mediale Rand des Fußes häufig stärker am Schuhinnenfutter. Dies kann zu schmerzhaften Hühneraugen, Schwielen oder Nagelwallreizungen führen, die in der Praxis fachgerecht und unter Einhaltung strenger Hygienestandards abgetragen und versorgt werden.

In enger Rücksprache mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten unterstützen wir die Therapie durch die Anfertigung individueller Druckentlastungen aus Silikon. Diese maßgefertigten Silikonorthesen schützen sensible Hautbereiche vor übermäßiger Reibung und helfen dabei, die Zehenstellung sanft zu korrigieren, falls Fehlstellungen der Zehen als Begleiterscheinung auftreten.

Die podologische Beratung widmet sich intensiv der Auswahl des passenden Schuhwerks. Eltern erhalten konkrete Empfehlungen bezüglich der Passform, der Sohlenflexibilität und des Obermaterials. Die Behandlungsintervalle richten sich nach den individuellen Bedürfnissen des Kindes und liegen bei präventiven Kontrollen typischerweise bei sechs bis zwölf Monaten, während akute Druckstellen kürzere Abstände erfordern. Als sektorale Heilpraktikerin für Podologie besitzt Helga Maria Freitag die Qualifikation, funktionelle Beschwerden eigenständig podologisch zu befunden und gezielte Maßnahmen einzuleiten.

Was Sie selbst tun können

Der wirksamste Reiz für den Aufbau eines stabilen Fußgewölbes ist die aktive Nutzung der Fußmuskulatur. Eltern können den Korrekturprozess im Alltag durch gezielte Reize nachhaltig fördern. Das regelmäßige Barfußlaufen auf natürlichen, unebenen Untergründen bildet hierfür das Fundament. Wiesen, Sandböden, Waldwege oder Kieselsteine zwingen die kurzen Fußmuskeln zu ständigen Mikrokontraktionen, um das Gleichgewicht zu halten.

Auf harten Innenraumböden wie Parkett oder Fliesen bietet Barfußlaufen hingegen keine ausreichende sensorische Stimulation. Hier sind Hausschuhe mit biegsamer, dünner Sohle oder rutschfeste Socken ratsam, die dem Fuß Bewegungsfreiheit lassen, ohne ihn passiv einzuschränken.

Zur aktiven Kräftigung der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur lassen sich spielerische Übungen nahtlos in den Tagesablauf integrieren. Nutzen Sie dafür folgende praktische Ansätze:

  • Greifspiele: Das Kind versucht, kleine Gegenstände wie Murmeln, Wäscheklammern oder Buntstifte mit den Zehen vom Boden aufzuheben und in einen Behälter zu legen.
  • Tuch knittern: Ein auf dem Boden liegendes Handtuch wird ausschließlich durch das Heranziehen der Zehen im Sitzen oder Stehen zusammengeknittert.
  • Zehen- und Fersenstand: Gemeinsames Gehen auf den Zehenspitzen wie ein Storch oder auf den Fersen wie ein Pinguin kräftigt die Wade und die Schienbeinmuskulatur.
  • Balancieren: Das Gehen über ein auf dem Boden liegendes Seil oder über Balanciersteine schult die propriozeptive Wahrnehmung und die Koordination.
  • Barfuß-Pfade nutzen: Das Erkunden unterschiedlicher Texturen regt die Mechanorezeptoren der Fußsohle an und verbessert die Ansteuerung der Muskulatur.

Die Übungen sollten ohne Leistungsdruck durchgeführt werden. Bereits fünf bis zehn Minuten tägliches spielerisches Training reichen aus, um deutliche Impulse für die muskuläre Entwicklung zu setzen.

Häufige Fehler

Im Bemühen, dem Kind zu helfen, werden in der Praxis regelmäßig gut gemeinte, aber biomechanisch ungünstige Entscheidungen beobachtet. Ein weit verbreiteter Fehler ist das zu frühe Verordnen von starren, stützenden Einlagen bei beschwerdefreien Kindern im Vorschulalter. Passiv stützende Elemente nehmen der Fußmuskulatur die Arbeit ab. Wenn das Längsgewölbe dauerhaft von unten unterpolstert wird, verkümmert die muskuläre Aktivität des Musculus tibialis posterior, was die Fehlstellung nach dem Herausnehmen der Einlage verschlimmern kann.

Ein weiterer Fehler liegt in der Wahl des falschen Schuhwerks. Häufig kaufen Eltern Schuhe mit einem integrierten, ausgeprägten Fußbett für Kleinkinder. Die Natur hat den kindlichen Fuß jedoch so konstruiert, dass er sich durch Belastung und Eigenbewegung selbst strukturiert. Ein fest vorgeformtes Fußbett in Kinderschuhen behindert diesen natürlichen Prozess und kann zu Fehlbelastungen führen.

Ebenfalls problematisch ist das Weiterreichen getragener Schuhe von älteren Geschwistern oder Verwandten. Jeder Fuß bildet durch das individuelle Gangbild ein einzigartiges Abnutzungsmuster in der Zwischen- und Laufsohle aus. Ein jüngeres Kind übernimmt beim Tragen dieser Schuhe die Fehlstatik des Vorbesitzers, was das eigene Gangbild negativ beeinflusst.

Auch das vorschnelle Abtun von Schmerzäußerungen als reine Wachstumsschmerzen stellt ein Risiko dar. Während echte Wachstumsschmerzen typischerweise diffus, meist nachts auftauchen und am Morgen vollständig verschwunden sind, weisen belastungsabhängige Schmerzen nach dem Sport oder Spaziergang auf eine mechanische Überlastung hin. Solche Signale sollten stets ernst genommen und fachlich abgeklärt werden.

Studienlage und Einordnung

Die wissenschaftliche Literatur zur Pädiatrie und Orthopädie bestätigt, dass der flexible Knick-Senkfuß bei Säuglingen und Kleinkindern eine normale physiologische Entwicklungsstufe darstellt. Eine großangelegte epidemiologische Untersuchung von Pfeiffer et al. zeigte, dass die Prävalenz des Senkfußes bei dreijährigen Kindern bei über 50 Prozent liegt, während dieser Wert bei Sechsjährigen auf unter 15 Prozent sinkt [1]. Dieser natürliche Rückgang unterstreicht die hohe Spontankorrekturrate im Zuge des normalen Längenwachstums.

Untersuchungen von Evans et al. befassen sich mit der Wirksamkeit von therapeutischen Interventionen bei beschwerdefreien Kindern. Die Evidenz zeigt eindeutig, dass der vorsorgliche Einsatz von korrigierenden Einlagen bei asymptomatischen flexiblen Knick-Senkfüßen keinen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber dem natürlichen Verlauf bietet [2]. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass passive Versorgungen ohne klinische Indikation die Muskelentwicklung eher hemmen als fördern.

Bei symptomtragenden Kindern oder ausgeprägten Fehlstellungen ergibt sich ein anderes Bild. Studien zur Wirkung sensomotorischer beziehungsweise propriozeptiver Einlagen belegen, dass gezielte Druckimpulse auf die Fußsohle die Aktivität der stabilisierenden Muskelketten positiv beeinflussen können [3]. Durch die Stimulierung bestimmter Muskelspindeln verändert sich die motorische Ansteuerung während der Stand- und Schwungphase des Ganges, was zu einer Reduktion von Überlastungsschmerzen führt.

Systematische Übersichtsarbeiten von Hollander et al. streichen die Bedeutung von Barfußaktivitäten und gezieltem Muskeltraining heraus. Kinder, die in Entwicklungsländern oder im ländlichen Raum überwiegend barfuß aufwachsen, weisen im Vergleich zu regelmäßig beschuhten Gleichaltrigen ein signifikant höher ausgebildetes Längsgewölbe sowie eine geringere Neigung zu Deformitäten auf [4]. Diese Ergebnisse belegen die überragende Rolle aktiver Reize für die langfristige Fußgesundheit.

Behandlung in Memmingen

In der Praxis FREITAG® Podologie GmbH in der Kempterstr. 25 in Memmingen stehen wir Familien aus der Stadt sowie dem gesamten Einzugsgebiet Unterallgäu, Allgäu und Oberschwaben bei allen Fragen rund um die kindliche Fußgesundheit zur Seite. Unter der Leitung von Helga Maria Freitag bieten wir eine fachlich fundierte podologische Beratung und Betreuung, die individuell auf das Alter und den Entwicklungsstand Ihres Kindes abgestimmt ist.

Wenn Sie Unsicherheiten bezüglich der Fußstellung Ihres Kindes klären möchten oder bereits eine ärztliche Empfehlung vorliegt, vereinbaren Sie gerne einen Beratungstermin in unseren Räumlichkeiten. Nehmen Sie direkt Kontakt mit unserer Praxis auf oder informieren Sie sich auf unserer Übersichtsseite über unser Praxisprofil.

Häufige Fragen

Bis zu welchem Alter ist ein Knick-Senkfuß bei Kindern normal?

Ein gewisses Ausmaß eines Knick-Senkfußes gilt bis zum Alter von etwa sechs bis acht Jahren als physiologisch normal. In den ersten Lebensjahren schützt ein Fettpolster die Sohle, während Sehnen und Bänder noch sehr dehnbar sind. Erst mit zunehmender Muskelkraft und Knochenreifung richtet sich das Längsgewölbe schrittweise auf. Bleibt die Fehlstellung nach dem neunten Lebensjahr stark ausgeprägt oder treten Beschwerden auf, sollte eine Fachabklärung erfolgen.

Helfen Einlagen beim kindlichen Knick-Senkfuß immer?

Orthopädische Einlagen sind bei einem beschwerdefreien, flexiblen Knick-Senkfuß im Vorschulalter in der Regel nicht notwendig und können die natürliche Muskelentwicklung sogar hemmen. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn das Kind unter belastungsabhängigen Schmerzen leidet oder eine rigide Fehlstellung vorliegt. In solchen Fällen unterstützen gezielte Einlagenkonzepte die Korrektur und entlasten überbeanspruchte Sehnenstrukturen. Die Entscheidung sollte stets nach einer gründlichen orthopädischen Befunderhebung getroffen werden.

Ist Barfußlaufen bei einem Knick-Senkfuß wirklich sinnvoll?

Das Laufen ohne Schuhe auf unebenen Untergründen wie Wiese, Sand oder Waldboden ist eine der effektivsten Maßnahmen zur Stärkung der Fußmuskulatur. Durch die ständige Anpassung an den Untergrund wird der Musculus tibialis posterior aktiviert, der für die Aufrichtung des Längsgewölbes verantwortlich ist. Auf durchgehend harten, ebenen Flächen wie Fliesen oder Laminat fehlt dieser stimulierende Effekt jedoch. Daher sollten Kinder drinnen vorzugsweise Hausschuhe mit sehr biegsamer Sohle oder Socken mit Antirutschbeschichtung tragen.

Woran erkenne ich einen rigiden Knick-Senkfuß?

Ein rigider Knick-Senkfuß zeichnet sich dadurch aus, dass sich das Längsgewölbe auch bei Entlastung oder im Zehenstand nicht aufrichtet. Beim Anheben der großen Zehe im Stehen bleibt die Fußsohle flach und die Ferse knickt weiterhin nach innen ab. Zudem zeigt der Fuß bei passiver Feststellung durch eine Fachkraft eine spürbare Bewegungseinschränkung oder Steifigkeit. Diese Form ist häufiger mit Schmerzen verbunden und erfordert zwingend eine ärztliche Abklärung.

Welche Schuhe sind für Kinder mit Knick-Senkfuß am besten geeignet?

Empfehlenswert sind Schuhe mit einer hochflexiblen, dünnen Sohle und einer ausreichend weiten Zehenbox, die den Zehen volle Bewegungsfreiheit lässt. Der Fersenbereich sollte einen guten Halt bieten, ohne das Sprunggelenk komplett einzustabilisieren. Vorgeformte, starre Fußbetten sollten bei gesunden Kinderfüßen vermieden werden, damit die eigene Fußmuskulatur gefordert bleibt. Wichtig ist zudem, dass Schuhe nicht auf Vorrat zu groß gekauft oder von älteren Geschwistern übernommen werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.

  1. [1] Pfeiffer M, Kotz R, Ledl T, Hauser G, Sluga B. Prevalence of flat foot in preschool-aged children. Pediatrics. 2006 Zeigt die hohe Spontankorrekturrate des flexiblen Senkfußes zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr.
  2. [2] Evans AM, Rome K. A Cochrane review of the evidence for orthotics in the treatment of paediatric flexible flat feet. J Foot Ankle Res. 2011 Belegt den fehlenden Nutzen verordneter Pasiv-Einlagen bei symptomfreien flexiblen Knick-Senkfüßen.
  3. [3] MacFarlane JP, O'Connor K. Sensorimotor orthoses in the treatment of symptomatic flexible flatfoot in children. Gait Posture. 2018 Demonstriert den positiven Einfluss sensomotorischer Impulse auf das Bewegungsmuster bei schmerzhaften Fehlstellungen.
  4. [4] Hollander K, de Villiers JE, Sehner S, et al. Growing up barefoot: Effect of habitual footwear on foot morphology and motor performance in children and adolescents. Sci Rep. 2017 Nachweis der positiven Auswirkungen von regelmäßigem Barfußlaufen auf die Gewölbehöhe und Fußdynamik.

Persönliche Beratung in Memmingen

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

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So zitieren Sie diesen Artikel

Helga Maria Freitag (2026): Knick-Senkfuß bei Kindern: Physiologische Entwicklung oder behandlungsbedürftige Fehlstellung?. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/knick-senkfuss-kinder

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.