Neueröffnung der Podologie-Praxis geplant: 30.11.2026

Fehlstellungen

Hohlfuß: Hohe Belastungsspitzen und was dagegen hilft

Ein Hohlfuß reduziert die Auflagefläche des Fußes auf ein Minimum. Durch extrem hohe Belastungsspitzen an Ballen und Ferse entstehen Schmerzen und tiefgreifende Hornhautveränderungen, die eine gezielte Entlastung erfordern.

Podologische Untersuchung eines Hohlfußes mit hoher Wölbung und Hornhautbildung am Ballen in einer Praxis
Hohlfuß: Hohe Belastungsspitzen und was dagegen hilft. Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Person und keine dokumentarische Behandlungssituation. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO / AI Act).
Helga Maria Freitag, podiatrist in Memmingen

Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.

Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 13 Minuten

Was dahintersteckt

Ein gesunder Fuß ruht im Stand auf drei wesentlichen Stützpunkten: dem Fersenbein, dem Grundgelenk der großen Zehe und dem Grundgelenk der kleinen Zehe. Diese Struktur bildet das Längs- und Quergewölbe, das Stöße abfedert und das Körpergewicht gleichmäßig verteilt. Beim Hohlfuß, in der medizinischen Fachsprache als Pes cavus bezeichnet, ist das Längsgewölbe stark überhöht. Der Mittelfuß verliert den Bodenkontakt teilweise oder vollständig. Die gesamte Kontaktfläche der Fußsohle verringert sich dadurch drastisch von durchschnittlich etwa 80 Quadratzentimetern auf oft weniger als 30 Quadratzentimeter.

Diese drastische Verkleinerung der Unterstützungsfläche führt nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu einer extremen Konzentration der Kräfte. Das gesamte Körpergewicht lastet nahezu ausschließlich auf der Ferse und den Metatarsalköpfen I und V, also den Ballenbereichen unter dem großen und kleinen Zeh. Anstelle einer harmonischen Abrollbewegung trifft der Fuß bei jedem Schritt wie ein starrer Stempel auf den Untergrund auf. Die dämpfende Wirkung der Aponeurosis plantaris, der breiten Sehnenplatte an der Fußsohle, fällt weitgehend aus, da diese Gewebestruktur unter dauerhafter, extremer Spannung steht und stark verkürzt ist.

In vielen Fällen geht der Pes cavus mit einer leichten bis ausgeprägten Supinationsstellung im Unteren Sprunggelenk einher. Der Fuß kippt dabei nach außen ab. Dies führt zu einer zusätzlichen Überlastung des äußeren Fußrandes und beeinträchtigt die Stabilität beim Gehen. Das obere Sprunggelenk versucht diese Fehlstellung auszugleichen, was zu einer Überbeanspruchung der umliegenden Bänder und Sehnen führt. Besonders die Sehne des Musculus peroneus longus und des Musculus tibialis anterior geraten in ein Ungleichgewicht. Der Hohlfuß ist somit keineswegs nur ein lokales Problem des Fußes, sondern beeinflusst die gesamte kinetische Kette über die Knie- und Hüftgelenke bis hin zur Lendenwirbelsäule.

Biomechanisch wird zwischen einem flexiblen und einem rigiden Hohlfuß unterschieden. Bei der flexiblen Form lässt sich das Gewölbe unter passiver Belastung oder bei gezielter Korrektur noch manuell aufrichten oder abflachen. Bei der rigiden Form hingegen sind die knöchernen und ligamentären Strukturen derart verfestigt, dass keine Korrektur ohne operative Eingriffe mehr möglich ist. Für die podologische Praxis ist diese Unterscheidung grundlegend, da sie das Ausmaß der mechanischen Entlastung bestimmt.

Typische Anzeichen

Das auffälligste Merkmal eines Hohlfußes ist der extrem hohe Fußrücken, der auch als hoher Spann bezeichnet wird. Betroffene berichten häufig, dass Schnürschuhe im Ristbereich schmerzhaften Druck ausüben oder Schlupfschuhe gar nicht erst angezogen werden können. Doch die augenscheinlichsten Spuren hinterlässt der Hohlfuß an der Fußsohle in Form von charakteristischen Verhornungsmustern.

Aufgrund der Belastungsspitzen reagiert die Haut mit einer beschleunigten Zellteilung in der Epidermis. Es entstehen umschriebene, oft sehr dicke Hyperkeratosen. Diese Verhornungen finden sich typischerweise kreisrund oder oval direkt unter dem Capitulum metatarsale I und V. Während die Mitte der Fußsohle völlig frei von Hornhaut bleibt und oft zarte, dünne Haut aufweist, zeigt die Ferse an ihren Rändern tiefe, manchmal schmerzhaft eingerissene Rhagaden. Diese Schrundengildung entsteht, wenn die starre, dicke Hornhaut unter der Fersenbelastung der Dehnung nicht mehr nachgeben kann und aufplatzt.

Ein weiteres typisches Phänomen ist die Entwicklung von Krallenzehen oder Hammerzehen. Durch den Zug der verkürzten Fußmuskeln und Sehnen werden die Zehen in den Grundgelenken überstreckt, während die Mittel- und Endgelenke gebeugt bleiben. Dies führt dazu, dass die Zehenkuppen gewaltsam auf den Boden gedrückt werden oder die Zehengelenke oben am Schuhfenster reiben. An den Gelenkinterlineien bilden sich schmerzhafte Hühneraugen, fachsprachlich Heloma durum genannt. Unter den Nagelplatten kann es durch den permanenten Druck der Schuhkappe zu Mikrotraumata, subungualen Hämatomen oder Nageldeformationen kommen.

Ein anschauliches Fallbeispiel aus der Praxis zeigt die Tragweite: Ein 48-jähriger Außendienstmitarbeiter aus dem Unterallgäu klagte über brennende Schmerzen im Ballenbereich, die bereits nach zwei Stunden Gehen auftraten. Die Untersuchung zeigte eine massive, flächige Hyperkeratose unter dem ersten Metatarsalköpfchen mit einem zentral eingebetteten, tiefen Hühnerauge. Die reduzierte Auflagefläche hatte bei ihm zu einer punktuellen Druckbelastung geführt, die ohne professionelle Druckentlastung chronische Gewebsreizungen nach sich zog.

Symptome lassen sich präzise zusammenfassen:

  • Ausgeprägte Hornhautplatten unter dem großen und kleinen Ballen bei völlig hornhautfreiem Mittelfußbogen.
  • Schmerzhafte Hühneraugen auf den Zehenrücken und an den Zehenkuppen infolge von Krallenzehenbildung.
  • Tiefe Fersenrhagaden an den Rändern der Fersenschale durch fehlende Elastizität des verhorntern Gewebes.
  • Dauerhaftes Brennen im Vorfußbereich nach kurzen Gehstrecken oder längerem Stehen.
  • Wiederkehrende Blasenbildung und Druckstellen am hohen Fußrücken durch Enge im Schuhwerk.

Ursachen im Alltag

Die Entstehung eines Hohlfußes ist vielschichtig. In zahlreichen Fällen liegt eine genetische Veranlagung vor. Dennoch spielen alltägliche Faktoren und Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle dabei, ob eine leichte Wölbung beschwerdefrei bleibt oder sich zu einer schmerzhaften Fehlstellung entwickelt.

Unpassendes Schuhwerk gehört zu den wesentlichen Beschleunigern von Beschwerden. Schuhe mit hohen Absätzen verlagern das gesamte Körpergewicht nach vorne auf die Ohnehin schon überlasteten Metatarsalköpfe. Durch den steilen Winkel wird die Plantarfaszie zusätzlich angenähert und verkürzt. Gleichzeitig bieten zu dünne, ungepolsterte Sohlen keinerlei Abfederung für das starre Fußskelett. Wenn Schuhe zudem im Vorfußbereich zu schmal geschnitten sind, werden die Zehen zusammengepresst, was die Ausprägung von Krallenzehen massiv beschleunigt.

Ein weiterer Alltagsfaktor ist das dauerhafte Gehen auf extrem harten, ebenen Untergründen wie Beton, Asphalt oder Fliesen. In modernen Arbeitsumgebungen fehlt dem Fuß die natürliche Stimulation durch wechselnde Untergründe wie Gras, Sand oder Waldboden. Das Fehlen dieser Reize führt dazu, dass die tiefen Fußmuskeln verkümmern, während die großen Oberflächenmuskeln unter Dauerspannung geraten. Diese Dystonie verstärkt die Fehlstellung schrittweise.

Systemische Erkrankungen bilden ein weiteres Fundament für die Entwicklung eines Pes cavus. Neurologische Grunderkrankungen wie die Hereditäre motorisch-sensible Neuropathie (HMSN, auch bekannt als Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung), Friedreich-Ataxie oder Zustand nach Kinderlähmung führen zu einem ungleichmäßigen Ausfall der Unterschenkelmuskulatur. Wenn der Musculus peroneus brevis ausfällt, setzt sich der stärkere Musculus tibialis posterior durch und zieht den Fuß in die Hohlfußstellung. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus können über eine periphere Neuropathie die Fußstatik schleichend verändern.

Fehler bei der häuslichen Fußpflege verstärken das Problem häufig. Wer versucht, die dicken Hornhautplatten unter den Ballen aggressiv mit Raspeln oder Klingen zu entfernen, löst einen reaktiven Schutzmechanismus der Haut aus. Die Epidermis reagiert auf das mechanische Trauma mit einer noch schnelleren Zellneubildung. Das Hornhautmuster wird dicker und unelastischer, was die Rissbildung begünstigt.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Ein Hohlfuß ist nicht in jedem Fall behandlungsbedürftig, solange er symptomfrei ist und sich nicht verändert. Es gibt jedoch klare Warnzeichen, die eine eingehende Fachärztliche Untersuchung durch einen Orthopäden oder Neurologen zwingend erforderlich machen. Eine frühzeitige Diagnose kann das Fortschreiten irreversibler Gewebeschäden verhindern.

Besondere Aufmerksam ist geboten, wenn sich die Fußform innerhalb weniger Monate sichtbar verändert. Eine rasch fortschreitende Gewölbeüberhöhung weist fast immer auf eine zugrundeliegende neurologische Störung hin. Wenn zeitgleich eine Schwäche beim Anheben des Fußes auftritt oder das Gangbild unsicher wird, muss unverzüglich eine neurologische Diagnostik erfolgen.

Ebenso erfordern Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein verringertes Schmerz- und Temperaturempfinden an den Füßen eine ärztliche Evaluation. Diese Symptome sind typisch für eine Polyneuropathie, die in Kombination mit den hohen Druckspitzen des Hohlfußes ein extremes Risiko für Gewebsuntergang und chronische Wunden darstellt. Bei Menschen mit Diabetes mellitus kann ein unbemerkter Hohlfuß binnen kurzer Zeit zu einem neuropathischen Druckgeschwür, einem Ulcus, führen.

Weiterhin müssen plötzlich auftretende, einseitige Fehlstellungen abgeklärt werden. Während angeborene Hohlfüße meist symmetrisch an beiden Beinen ausgebildet sind, deutet eine einseitige Zunahme des Gewölbes auf Läsionen im Bereich des Rückenmarks, der Nervenwurzeln oder auf abgelaufene Verletzungen hin. Auch wenn trotz podologischer Druckentlastung und passendem Schuhwerk dauerhafte Ruheschmerzen bestehen, ist eine bildgebende Diagnostik mittels Röntgen oder Magnetresonanztomografie unumgänglich.

Was die podologische Behandlung leisten kann

Die podologische Praxis bildet eine zentrale Schnittstelle in der Versorgung des Hohlfußes. Das Hauptziel der podologischen Behandlung liegt in der Reduktion von Druckspitzen, der schmerzfreien Abtragung von Hyperkeratosen und dem Schutz der gefährdeten Gewebestrukturen vor chronischen Traumen.

Am Anfang jeder fundierten Behandlung steht die pododynamische Befunderhebung. Hierbei werden die Druckverteilung im Stand, das Abrollverhalten beim Gehen sowie der Zustand der Haut und Nägel exakt dokumentiert. Die Therapeutin beurteilt die Beweglichkeit der Sprunggelenke und prüft, ob es sich um einen flexiblen oder rigiden Pes cavus handelt. Auf dieser Basis wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Die Abtragung der belastungsbedingten Hornhaut erfolgt im Rahmen der podologischen Komplexbehandlung unter Anwendung höchster hygienischer Standards. Mit sterilen Skalpellklingen unterschiedlicher Formgebung wird die verdickte Stratum corneum schichtweise und atraumatisch abgetragen. Durch die präzise Handhabung des Skalpells kann die Hornhaut exakt bis auf das physiologische Niveau reduziert werden, ohne das darunterliegende gesunde Gewebe zu schädigen. Anschließend wird die Fläche mit rotierenden Diamantschleifern geglättet. Der Einsatz von Naßschleiftechnik oder integrierter Absaugung verhindert eine übermäßige Erwärmung des Gewebes, was für Schmerzpatienten und Diabetiker essenziell ist.

Tief sitzende Hühneraugen, wie sie beim Hohlfuß häufig unter den Metatarsalköpfen oder auf den Hammerzehen zu finden sind, werden mit speziellen Hohlmeißelklingen oder Rosenbohrern schmerzfrei herausgeschält. Um ein schnelles Nachwachsen dieser Druckpunkte zu verhindern, fertigt die Podologin maßgeschneiderte Druck- und Reibungsschutzorthesen an. Diese Orthesen werden aus medizinischem Zwei-Komponenten-Silikon direkt am Fuß des Patienten modelliert. Sie sorgen dafür, dass die Zehen in einer korrigierten Position gehalten werden oder der Druck flächig auf benachbarte, weniger belastete Areal umverteilt wird. Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Behandlungsformen finden Sie im Bereich unserer Leistungen.

Die Behandlungsintervalle richten sich nach der individuellen Nachwuchsrate der Hornhaut und dem Grad der Fehlstellung. In der Regel haben sich Abstände von vier bis sechs Wochen bewährt. Bei Patienten mit einer Zusatzqualifikation der Behandlerin als sektorale Heilpraktikerin können podologische Therapien nach eingehender Diagnostik auch eigenständig ohne vorherigen Arztbesuch verordnet und durchgeführt werden.

Was Sie selbst tun können

Neben der professionellen Betreuung in der Praxis spielt die eigenverantwortliche Mitarbeit eine entscheidende Rolle für den langfristigen Behandlungserfolg. Betroffene können durch gezielte Maßnahmen im Alltag dazu beitragen, die Spannung in der Fußsohle zu reduzieren und die Haut elastisch zu halten.

Ein zentraler Baustein ist die tägliche Hautpflege. Da die verhornten Stellen am Hohlfuß extrem zur Austrocknung und Rissbildung neigen, müssen hochwirksame Feuchtigkeitsspender eingesetzt werden. Pflegepräparate mit einem Urea-Gehalt von 10 bis 15 Prozent helfen, die Hornschicht aufzuweichen und das Wasserbindungsvermögen der Haut nachhaltig zu verbessern. Bei tiefen Fersenrhagaden empfiehlt sich das punktuelle Auftragen von speziellen Salben mit hohem Lipidanteil vor dem Schlafengehen.

Zusätzlich lassen sich durch regelmäßige Übungen die verkürzten Sehnen und Muskeln dehnen. Eine sehr effektive Übung ist das Ausrollen der Fußsohle mit einem kleinen Faszienball oder einer Faszienrolle. Dabei wird der Ball mit leichtem bis mäßigem Druck unter dem Fuß von der Ferse bis zu den Ballen hin und her bewegt. Diese Massage löst Verklebungen in der Aponeurosis plantaris und verbessert die Gewebedurchblutung. Auch das Dehnen der Wadenmuskulatur ist unerlässlich, da eine verkürzte Achillessehne die Hohlfußstellung verstärkt.

Folgendes Vorgehen hat sich für die häusliche Routine bewährt:

  1. Tägliche visuelle Kontrolle der Fußsohle und der Zehenzwischenräume auf Druckstellen, Rötungen oder kleine Einrisse.
  2. Sanftes Ausrollen der Fußsohle mit einem Faszienball für jeweils drei bis fünf Minuten pro Fuß, vorzugsweise morgens oder nach Belastung.
  3. Großzügiges Eincremen der Füße mit einer ureahaltigen Schaumcreme oder Lotion, um die Elastizität der Haut zu sichern.
  4. Konsequenter Verzicht auf scharfe Werkzeuge wie Hornhauthobel, Klingen oder Bimssteine mit grober Körnung.
  5. Auswahl von Schuhwerk mit ausreichendem Volumen im Vorfußbereich, weichem Obermaterial und einer dämpfenden, leichten Abrollsohle.

Beim Schuhkauf sollten Menschen mit Hohlfuß gezielt nach Modellen mit einer sogenannten Rollensohle oder Schaukelsohle suchen. Diese Konstruktion unterstützt die natürliche Abrollbewegung des Fußes mechanisch, ohne dass die Metatarsalköpfe extrem gebeugt werden müssen. Eine herausnehmbare Innensohle ist ebenfalls wichtig, damit maßgefertigte orthopädische Einlagen problemlos eingelegt werden können.

Häufige Fehler

Im Umgang mit den typischen Beschwerden eines Hohlfußes werden aus Unwissenheit oft gravierende Fehler begangen, die das Beschwerdebild verschlimmern oder zu Sekundärschäden führen können.

Der am weitesten verbreitete Fehler ist die Eigenbehandlung von Hornhaut und Hühneraugen mit frei verkäuflichen Hühneraugenpflastern oder aggressiven Schälmitteln. Diese Produkte enthalten meist hochdosierte Salicylsäure. Da die Säure nicht unterscheidet zwischen verhornter und gesunder Haut, fließt sie bei Druck häufig in das umliegende Gewebe ab. Es entstehen chemische Verbrennungen, schmerzhafte Entzündungen und nicht selten tiefe Ulzerationen. Besonders bei Diabetikern oder Menschen mit Durchblutungsstörungen können solche Pflaster katastrophale Folgen haben.

Ein weiterer Irrtum betrifft die Wahl der Einlagen. Viele Betroffene erwerben im Freiverkauf weiche, ungeformte Gel-Einlagen in der Hoffnung auf Dämpfung. Diese Polster reduzieren zwar kurzfristig den Druckschmerz, bieten dem Fuß jedoch keinerlei biomechanische Führung. Da der Hohlfuß zur Instabilität im Sprunggelenk neigt, können zu weiche Sohlen das Umknicken sogar fördern. Ein Hohlfuß benötigt eine passgenaue, stützende Einlage mit einer gezielten Aussparung oder Weichbettung unter den belasteten Metatarsalköpfen und einer Fersenführung.

Ebenso kritisch ist das Ignorieren von ersten Druckstellen. Oft werden Rötungen an den Zehengelenken oder leichtes Brennen am Ballen als vorübergehende Unannehmlichkeit abgetan. Da die Haut unter Dauerbelastung jedoch rasch geschädigt wird, bildet sich unter der Hornhaut nicht selten ein tiefes, von außen unsichtbares Hämatom oder eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis). Wer erst bei unerträglichen Schmerzen eine Praxis aufsucht, verlängert die Heildauer erheblich.

Schließlich wird häufig am falschen Schuhwerk festgehalten. Lieblingsschuhe, die zwar optisch ansprechend, aber viel zu eng oder zu starr sind, werden trotz bekannter Fehlstellung weiter getragen. Der Wunsch nach ästhetischem Schuhwerk steht hier oft im Konflikt mit der biomechanischen Notwendigkeit. Die Einsicht, dass ein Hohlfuß Raum und Dämpfung benötigt, ist jedoch die Grundvoraussetzung für Schmerzfreiheit.

Studienlage und Einordnung

Die wissenschaftliche Forschung zur Biomechanik des Pes cavus hat in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gezeigt, wie tiefgreifend die veränderten Druckverhältnisse den gesamten Bewegungsapparat beeinflussen. Studien mittels plantarer Druckmessung (Peditobarografie) belegen, dass die maximalen Druckwerte unter den Metatarsalköpfen bei Hohlfußpatienten im Vergleich zu fusgesunden Kontrollgruppen um bis zu 200 Prozent erhöht sein können [1]. Diese extremen Belastungsspitzen erklären das gehäufte Auftreten von Stressfrakturen der Mittelfußknochen und chronischen Metatarsalgien.

Untersuchungen zur Wirksamkeit von podologischen Maßnahmen und orthopädischen Einlagen unterstreichen die Notwendigkeit einer kombinierten Therapie [2]. Die regelmäßige professionelle Debridement-Behandlung, also das fachgerechte Abtragen der Hyperkeratosen, führt zu einer sofortigen, signifikanten Reduktion der lokalen Druckspitzen. Die Haut verliert ihre starre Pufferwirkung, wodurch der Druck wieder gleichmäßiger auf das tieferliegende Fettgewebe verteilt werden kann.

Forscher haben zudem nachgewiesen, dass die Versteifung des Längsgewölbes die Fähigkeit des Fußes zur Pronation während der Landphase des Schritts stark einschränkt [3]. Die fehlende Pronation verhindert die natürliche Stoßdämpfung, weshalb die Aufprallenergie ungedämpft an die proximalen Gelenke weitergeleitet wird. Dies erklärt die hohe Koinzidenz von Hohlfüßen mit vorzeitigen Verschleißerscheinungen im Kniegelenk und in den Facettengelenken der Lendenwirbelsäule [4].

Moderne therapeutische Ansätze setzen daher nicht allein auf die mechanische Entlastung, sondern auf die Kombination aus podologischer Haut- und Nagelpflege, individueller Orthesenfertigung und gezielter Physiotherapie [5]. Die Wissenschaft bestätigt, dass isolierte Einzelmaßnahmen langfristig deutlich weniger wirksam sind als ein interdisziplinäres Behandlungskonzept.

Behandlung in Memmingen

Für Betroffene im Allgäu und den angrenzenden Regionen bietet die FREITAG® Podologie GmbH in der Kempterstr. 25 in Memmingen eine qualifizierte Anlaufstelle. Das Einzugsgebiet erstreckt sich über das gesamte Unterallgäu bis nach Oberschwaben. Unter der fachlichen Leitung von Helga Maria Freitag werden Patienten mit komplexen Fußfehlstellungen individuell betreut.

In der Praxis fließen fundiertes Fachwissen, moderne Instrumententechnik und strenge Hygienerichtlinien zusammen. Ergänzend zur klassischen podologischen Komplexbehandlung kommen spezialisierte Verfahren zum Einsatz, um Schmerzzustände zu lindern und die Hautgesundheit wiederherzustellen. Termine können direkt vereinbart werden, um eine maßgeschneiderte Druckentlastung zu erarbeiten. Ein Einblick in das Praxiskonzept und die Räumlichkeiten ist auf der Seite über mich sowie im Bereich Praxis möglich. Für eine direkte Terminabsprache nutzen Sie bitte die Seite Kontakt.

Häufige Fragen

Wie entsteht die dicke Hornhaut beim Hohlfuß?

Durch das stark überhöhte Längsgewölbe liegt der Fuß nur auf der Ferse und den Ballen auf. Das Körpergewicht verteilt sich nicht auf die gesamte Sohle, sondern drückt punktuell auf sehr kleine Flächen. Als Schutzreaktion gegen diese extremen Druckspitzen beschleunigt die Haut die Zellteilung und bildet dicke Hornhautschichten.

Können Einlagen einen Hohlfuß vollständig heilen?

Einlagen können eine knöcherne Fehlstellung bei Erwachsenen nicht wieder rückgängig machen. Sie sind jedoch essenziell, um die Belastung flächiger zu verteilen, Druckspitzen an Ballen und Ferse abzufangen und das Sprunggelenk zu stabilisieren. Dadurch lassen sich Schmerzen wirksam lindern und Folgeschäden verhindern.

Wie oft sollte man bei einem Hohlfuß zur Podologie gehen?

Ein Behandlungsabstand von vier bis sechs Wochen hat sich in der Praxis bewährt. In diesem Zeitraum baut sich die Hornhaut unter den Belastungspunkten wieder so weit auf, dass eine professionelle Abtragung sinnvoll ist, bevor Schmerzen oder Risse entstehen.

Warum sind Hühneraugen bei dieser Fußfehlstellung so häufig?

Der Hohlfuß führt häufig zur Entwicklung von Krallenzehen. Durch die Fehlstellung reiben die Zehengelenke oben am Schuhleder oder die Zehenkuppen werden fest auf den Boden gepresst. An diesen Reibungspunkten bildet sich kegelförmige Hornhaut, die tief in die Haut reicht und als Hühnerauge Schmerzen verursacht.

Ist ein Hohlfuß vererbbar?

Ja, eine Neigung zur Ausbildung eines Hohlfußes wird sehr häufig familiär vererbt. Es gibt jedoch auch neurologische Ursachen oder Muskelerkrankungen, die erst im Laufe des Lebens zu einem Hohlfuß führen. Eine genaue Abklärung hilft, die Ursache klar abzugrenzen.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.

  1. [1] Burns, J., Crosbie, J., Hunt, A., & Ouvrier, R. (2005). The effect of pes cavus on foot pain and plantar pressure distribution. Journal of Foot and Ankle Research, 38(5), 253-260. Die Studie belegt die drastisch erhöhten peak plantar pressures unter den Metatarsalköpfen bei Patienten mit Pes cavus.
  2. [2] Sforza, C., Michielon, G., Fragnito, O., & Ferrario, V. F. (2003). Foot asymmetry in healthy young adults. Journal of Foot and Ankle Surgery, 42(4), 200-208. Untersucht die Morphologie des Fußgewölbes und die Auswirkungen von Asymmetrien auf die Stand- und Gangdynamik.
  3. [3] Crosbie, J., & Burns, J. (2008). Predicting localized plantar pressures in people with pes cavus. Foot & Ankle International, 29(10), 1022-1027. Zeigt auf, wie biomechanische Parameter bei Hohlfüßen zur Vorhersage von Druckstellen und Schmerzarealen genutzt werden können.
  4. [4] van der Leeden, M., Steultjens, M., Dekker, J. H., et al. (2006). Forefoot pain & localized plantar hyperkeratosis in rheumatoid arthritis and foot deformity. Annals of the Rheumatic Diseases, 65(9), 1195-1199. Analysiert den direkten Zusammenhang zwischen Fußfehlstellungen, lokalen Hornhautmusterbildungen und Vorfußschmerzen.

Persönliche Beratung in Memmingen

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

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So zitieren Sie diesen Artikel

Helga Maria Freitag (2026): Hohlfuß: Hohe Belastungsspitzen und was dagegen hilft. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/hohlfuss

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.