
Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.
Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 10 Minuten
Was dahintersteckt
Die anatomische Struktur des menschlichen Vorfußes ist ein komplexes Gefüge aus Knochen, Sehnen, Bändern und Muskeln. Jede Zehe besteht mit Ausnahme des Hallux aus drei Gliedern: dem Grundglied (Phalanx proximalis), dem Mittelglied (Phalanx media) und dem Endglied (Phalanx distalis). Diese Knochen sind über das Grundgelenk (Articulatio metatarsophalangea), das Mittelgelenk (Articulatio interphalangea proximalis, abgekürzt PIP) und das Endgelenk (Articulatio interphalangea distalis, abgekürzt DIP) miteinander verbunden. Wenn das Gleichgewicht der feinen Fußmuskeln aus dem Takt gerät, verändern sich diese Gelenkwinkel dauerhaft.
Unter dem Begriff Hammerzeh (Digitus malleus) versteht man eine Fehlstellung, bei der das Mittelgelenk (PIP) dauerhaft in einer Beugestellung (Flexion) fixiert oder verharrt, während das Endgelenk (DIP) gestreckt (Extension) oder überstreckt ist. Das Zehengrundgelenk steht dabei meist neutral oder leicht überstreckt. Bei einer Krallenzeh-Deformität (Digitus flexus) hingegen ist das Zehengrundgelenk im Metatarsophalangealgelenk deutlich überstreckt, während sowohl das Mittelgelenk als auch das Endgelenk stark gebeugt sind. Die Zehenkuppe setzt dadurch wie eine Kralle steil auf dem Boden auf. Eine Sonderform stellt die Mallet-Zehe dar, bei der ausschließlich das Endgelenk gebeugt ist.
Durch diese Beugestellungen ragen die betroffenen Gelenke nach oben heraus. Sie reiben kontinuierlich an der Oberdecke des Schuhs. Das Gewebe reagiert auf diesen mechanischen Druck mit einer gesteigerten Zellteilung in der Epidermis. Es bildet sich eine lokale Hyperkeratose. Verfestigt sich dieser Druckpunkt zentral und wächst kegelförmig in die Tiefe der Dermis, entsteht ein schmerzhaftes Hühnerauge, medizinisch als Clavus dorsalis beziehungsweise dorsales Hühnerauge bezeichnet. Befindet sich die Verherrtung an der Zehenkuppe, spricht man von einem Clavus apicalis.
Ein kurzes Fallbeispiel verdeutlicht die Dynamik. Frau M., 64 Jahre alt, stellte sich mit einer schmerzhaften Verherrtung über dem Mittelgelenk der zweiten Zehe links vor. Das Tragen fester Halbschuhe war ihr seit Wochen unmöglich. Sie versuchte zuvor, die Stelle mit einer Klinge selbst abzutragen, was zu einer blutenden Verletzung führte. Erst die exakte Entlastung des PIP-Gelenks brachte die gewünschte Beschwerdefreiheit.
Typische Anzeichen
Das auffälligste Symptom ist die sichtbare Verformung der Zehenreihe. Häufig ist die zweite oder dritte Zehe betroffen, da diese im Abrollvorgang einer hohen kinetischen Belastung ausgesetzt sind. Zu Beginn lässt sich die Zehe manuell noch problemlos strecken. Fachleute sprechen in diesem Stadium von einer flexiblen oder reduzierbaren Deformität. Bleibt die Fehlhaltung über Jahre bestehen, schrumpfen die Kapseln und Sehnenstrukturen. Die Deformität versteift und wird kontrakt beziehungsweise rigide.
Begleitend zeigen sich deutliche Hautveränderungen. Über den gebeugten Gelenkrücken bilden sich eng begrenzte, verhärtete Hornhautareale. Diese Stellen sind bei Druck schmerzhaft und reagieren empfindlich auf Berührung. Auch an den Zehenkuppen oder in den Zehenzwischenräumen (Clavus interdigitalis) können durch den erhöhten Anpressdruck Hühneraugen entstehen. Nicht selten verfärben sich die Fußnägel der betroffenen Zehen dunkel, da die Kuppe im Schuh staucht und subunguale Hämatome unter der Nagelplatte entstehen.
Die Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern ist essenziell. Ein Gichtanfall geht meist mit plötzlichen, extremen Rötungen und Überwärmungen primär des Großzehengrundgelenks einher. Neuropathische Schmerzen bei einer Polyneuropathie äußern sich eher durch Brennen oder Kribbeln ohne primäre mechanische Ursache. Rheumatoide Arthritis hingegen zeigt oft symmetrische Gelenkzerstörungen an mehreren Zehengelenken gleichzeitig, begleitet von morgendlicher Gelenksteifigkeit.
Ursachen im Alltag
Die Ursachen für die Entstehung von Hammer- und Krallenzehen sind vielschichtig und beruhen meist auf einer Kombination aus biomechanischen Faktoren und äußeren Einflüssen. An erster Stelle steht das Tragen von unpassendem Schuhwerk. Zu kurze, zu enge oder zugespitzte Schuhe stauchen die Zehen in Längsrichtung. Der Zehenraum bietet den Zehenbeeren nicht genügend Platz, um flach aufzuliegen. Hohe Absätze verstärken das Problem zusätzlich, da das gesamte Körpergewicht nach vorne auf den Vorfuß verlagert wird.
Ein weiterer zentraler Auslöser ist eine zugrundeliegende Fußfehlstatik. Der Spreizfuß, bei dem das vordere Fußquergewölbe abflacht, führt zu einer gegenseitigen Annäherung und Verschiebung der Mittelfußköpfchen. Dadurch verändert sich der Zugwinkel der langen Zehenbeuge- und Strecksehnen. Es kommt zu einem muskulären Ungleichgewicht zwischen den langen Zehenstreckern (Musculus extensor digitorum longus) und den kurzen Fußmuskeln (Musculi lumbricales und Musculi interossei). Ein bestehender Hallux valgus drängt die benachbarte zweite Zehe nach oben und erzwingt so deren Ausweichbewegung in eine Hammerzehenstellung.
Systemische Erkrankungen spielen ebenfalls eine erhebliche Rolle. Diabetes mellitus führt über eine motorische Neuropathie zur Atrophie der kleinen Fußmuskeln, was das Entstehen von Krallenzehen begünstigt. Rheumatoide Arthritis zerstört durch chronische Synovialisentzündungen den Bandapparat der Zehengelenke. Auch neurologische Kollateralschäden wie nach einem Schlaganfall oder bei der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung verändern den Muskeltonus im Unterschenkel und Fuß nachhaltig.
Falsche Pflegegewohnheiten können die Symptomatik verschlimmern. Wer Hornhautschichten mit aggressiven Raspeln unsachgemäß entfernt, provoziert durch den Reiz eine noch schnellere Nachbildung des Gewebes. Das Ignorieren von leichten Druckstellen in jungen Jahren führt dazu, dass kontraktive Umbauprozesse im Gewebe ungehindert voranschreiten.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Die Konsultation einer Ärztin oder eines Arztes ist unumgänglich, sobald sich offene Wunden, Ulzerationen oder tiefgreifende Risse über den verformten Gelenken bilden. Menschen mit Diabetes mellitus, peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder stark eingeschränkter Immunabwehr müssen bei den ersten Zeichen einer Hautschädigung umgehend medizinischen Rat einholen. Bei diesen Risikogruppen können selbst kleine Läsionen rasch in schwerwiegende Infektionen münden.
Klassische Entzündungszeichen wie Rötung, lokale Überwärmung, Schwellung oder austretendes Sekret an einem Hühnerauge weisen auf eine bakterielle Besiedlung hin. Hier ist eine rein konservativ-podologische Entlastung ohne ärztliche Abdeckung nicht ausreichend. Eine plötzliche Zunahme der Fehlstellung innerhalb weniger Wochen erfordert ebenfalls eine orthopädische Abklärung, um entzündlich-rheumatische Schübe oder Sehnenrisse auszuschließen.
Wenn konservative Maßnahmen wie Silikonorthesen oder maßgefertigte Schuheinlagen keine Schmerzlinderung mehr verschaffen und die Gehfähigkeit im Alltag massiv eingeschränkt ist, muss eine chirurgische Intervention diskutiert werden. Operative Korrekturen wie die Resektionsarthroplastik nach Hohmann, die PIP-Arthrodese oder Sehnenumsetzplastiken kommen dann in Betracht, um die knöcherne Achse wieder aufzurichten.
Was die podologische Behandlung leisten kann
Im Rahmen einer fachgerechten podologischen Komplexbehandlung steht die schmerzfreie Schmerzausschaltung und die mechanische Entlastung im Vordergrund. Der Behandlungsablauf beginnt mit einer eingehenden Inspektion und Palpation des Vorfußes. Dabei wird geprüft, ob die Zehenfehlstellung noch flexibel passiv korrigiert werden kann oder bereits rigide fixiert ist.
Im ersten Schritt wird das hyperkeratotische Gewebe über den gebeugten Gelenken oder an den Kopen präzise abgetragen. Unter Einsatz von Skalpellklingen verschiedener Größen und rotierenden Diamant- beziehungsweise Hohlfräsern wird der verhärtete Hornhautkegel schmerzfrei entfernt. Der Patient spürt unmittelbar nach dem Abtragen des Clavus eine deutliche Druckentlastung, da die punktuelle Spannungsspitze auf die Lederhaut entfällt.
Da das Hühnerauge ohne Veränderung der Druckverhältnisse nach wenigen Wochen zurückkehren würde, schließt sich die Anfertigung einer maßgeschneiderten Silikonorthese (Individualorthese) an. Eine Orthese ist ein medizinisch angepasstes Hilfsmittel, das direkt am Fuß des Patienten modelliert wird. Hierfür kommen hochwertige Zweikomponenten-Silikone zum Einsatz. Diese bestehen aus einer Basismasse und einem Katalysator, die im exakten Mischungsverhältnis miteinander verknetet werden.
Je nach Indikation wählt die Behandlerin unterschiedliche Shore-Härten des Materials. Weiche Silikone mit einer Shore-A-Härte von etwa 15 bis 20 dienen rein der Druckentlastung und Abpolsterung schmerzhafter Arealen. Mittelharte bis härtere Silikone mit einer Shore-A-Härte von 35 bis 45 werden eingesetzt, wenn noch flexible Zehen leicht korrigiert oder in einer besseren Position gehalten werden sollen. Das Silikon wird direkt um die betroffene Zehe und die benachbarten Zehen geformt, während der Fuß in einer funktionell korrekten Position gehalten wird. Innerhalb weniger Minuten vulkanisiert das Material bei Körpertemperatur aus.
Nach dem Aushärten wird die Orthese feingeschliffen, damit keine dicken Kanten im Schuh reiben. Das individuell angepasste Silikonstück verteilt den Druck beim Gehen flächig auf die umliegenden, unempfindlichen Gewebebereiche. Der verhärtete Gelenkrücken wird somit schwebend gelagert oder vor dem Kontakt mit dem Oberleder geschützt. Die regelmäßige Behandlung erfordert Abstände von vier bis acht Wochen, in denen der Sitz der Orthese überprüft und die Haut kontrolliert wird.
Was Sie selbst tun können
Um den Erfolg einer professionellen Entlastung langfristig zu sichern, können Betroffene selbst aktiv werden. Ein gezieltes Eigenübungsprogramm hilft dabei, die Flexibilität der Zehengelenke zu erhalten und die Fußmuskulatur zu kräftigen.
- Führen Sie täglich passive Mobilisationsübungen durch, indem Sie die betroffene Zehe sanft mit den Fingern in die Streckung dehnen und für einige Sekunden halten.
- Trainieren Sie die intrinsische Fußmuskulatur durch Zehen-Yoga, das Greifen von kleinen Handtüchern oder Murmeln mit den Zehen sowie das Aufspreizen der Zehenreihe.
- Rollen Sie die Fußsohle regelmäßig über einen kleinen Faszienball, um die Spannung der Plantarfaszie zu reduzieren.
- Achten Sie beim Schuhkauf auf eine ausreichend breite und hohe Zehenbox sowie eine weiche Oberlederverarbeitung ohne störende Nähte im Vorfußbereich.
- Reinigen Sie Ihre maßgefertigte Silikonorthese täglich mit lauwarmem Wasser und einer milden Seife, lassen Sie sie an der Luft trocknen und pudern Sie sie leicht mit Talkum ein.
Das Schuhwerk muss der Körperform folgen, nicht umgekehrt. Schuhe sollten im Stehen anprobiert werden, da sich der Fuß unter Belastung verlängert und verbreitert. Zwischen der längsten Zehe und der Schuhspitze sollte mindestens eine Daumenbreite Platz verbleiben. Vermeiden Sie feste Absätze über drei Zentimetern Höhe, da diese den Druck unverhältnismäßig stark auf die Metatarsal-Köpfchen leiten.
Häufige Fehler
Häufig versuchen Betroffene, das Problem in Eigenregie mit ungeeigneten Mitteln zu lösen. Diese Praxisfehler führen oft zu einer Verschlimmerung der Symptomatik oder zu Gewebeschädigungen.
- Verwendung freiverkäuflicher Hühneraugenpflaster: Diese enthalten meist Salicylsäure, die das Hornhautgewebe chemisch auflöst. Bei ungenauer Platzierung greift die Säure die gesunde Umgebungshaut an, was zu Verätzungen und tiefen Wunden führen kann.
- Selbsttätiges Schneiden mit Klingen oder Nagelzwackern: Das Verletzungsrisiko ist extrem hoch. Es können Krankheitserreger in tiefere Gewebeschichten gelangen, was schwerwiegende Entzündungen nach sich zieht.
- Einsatz von standardisierten Konfektions-Gelringen aus der Drogerie: Diese vorgefertigten Polster passen selten exakt. Sie verrutschen im Schuh, tragen häufig zu dick auf und erhöhen den Druck im Vorfuß dadurch noch weiter.
- Fortdauerndes Tragen zu enger Strümpfe: Auch zu kleine oder eingelaufene Socken üben eine erhebliche mechanische Spannung auf die Zehen aus und ziehen diese zusammen.
- Reines Bekämpfen der Symptome ohne Statikkorrektur: Wer nur die Hornhaut entfernt, aber den kollabierten Fußbogen oder das falsche Schuhwerk ignoriert, wird keine dauerhafte Linderung erfahren.
Studienlage und Einordnung
Die Wirksamkeit von Druckentlastungsmaßnahmen und Orthesen bei Vorfußdeformitäten ist in der podologischen und orthopädischen Literatur gut dokumentiert. Klinische Untersuchungen zeigen, dass individuell angepasste Silikonorthesen den lokalen Spitzendruck auf hypertrophierte Gelenkregionen signifikant senken können [1]. Pedobarografische Messungen belegen eine Reduktion der maximalen Druckwerte um bis zu vierzig Prozent im Vergleich zum Gehen ohne Hilfsmittel [5].
In bezug auf die Prävention von Kollateralschäden bei Risikopatienten weisen internationale Leitlinien darauf hin, dass die Kombination aus regelmäßiger professioneller Hornhautabtragung und Druckentlastung das Ulkusrisiko bei Diabetikern drastisch senkt [2]. Ein verhärteter Clavus wirkt unter Belastung wie ein Fremdkörper, der das darunterliegende Weichgewebe schädigt und zu Ulzerationen führen kann [3].
Vergleichende Studien zwischen rein konfektionierten Druckschutzartikeln und maßgefertigten Silikonorthesen demonstrieren die Überlegenheit des individuellen Ansatzes. Während Konfektionsware durch Verrutschen oft Sekundärdruckstellen erzeugt, zeigt die Passgenauigkeit von Zweikomponenten-Silikonen eine deutlich höhere Patienten-Compliance und bessere Langzeitergebnisse hinsichtlich Schmerzreduktion [4]. Dennoch ersetzen konservative Orthesen bei einer vollständig knöchern versteiften, rigiden Deformität nicht immer die chirurgische Korrektur, wenn die Hautintegrität dauerhaft gefährdet ist.
Behandlung in Memmingen
In unserer modern ausgestatteten Praxis in Memmingen bieten wir Ihnen eine umfassende podologische Versorgung bei Fehlstellungen wie Hammer- und Krallenzehen. Als sektorale Heilpraktikerin für Podologie besitzt Helga Maria Freitag die fachliche Qualifikation, Beschwerden am Fuß eigenständig zu diagnostizieren und gezielte Therapiekonzepte umzusetzen. Dies ermöglicht eine direkte Befunderhebung und individuelle Behandlungsplanung ohne lange Wege.
Unsere Behandlungsräume in der Kempterstr. 25 in 87700 Memmingen sind barrierefrei erreichbar. Wir betreuen Patientinnen und Patienten aus dem gesamten Stadtgebiet Memmingen sowie den umliegenden Regionen des Unterallgäus, des Allgäus und Oberschwabens. Mit viel Erfahrung fertigen wir Ihre Silikonorthese exakt nach Maß an, um Ihnen das schmerzfreie Gehen im Alltag zurückzugeben.
Sollten Sie unter schmerzhaften Druckstellen, Hühneraugen oder einer fortschreitenden Zehenverformung leiden, zögern Sie nicht, frühzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Über unser Praxisteam können Sie unkompliziert einen Termin vereinbaren und sich persönlich zu den passenden Therapiemöglichkeiten beraten lassen. Gerne informieren wir Sie auch zu unseren Preisen und Abrechnungsmöglichkeiten oder beantworten Ihre Fragen, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Hammerzeh und einem Krallenzeh?
Beim Hammerzeh ist primär das Mittelgelenk (PIP) dauerhaft gebeugt, während das Endgelenk gestreckt oder überstreckt bleibt. Bei der Krallenzeh-Deformität ist das Zehengrundgelenk im Mittelfuß stark überstreckt, während Mittel- und Endgelenk gleichzeitig gebeugt sind. Dadurch setzt die Zehenkuppe steil wie eine Kralle auf dem Boden auf. Beide Fehlstellungen führen zu schmerzhaften Druckstellen am Zehenrücken oder an den Zehenkuppen.
Kann eine Silikonorthese die Fehlstellung komplett rückgängig machen?
Eine Silikonorthese dient in erster Linie der Druckentlastung und der Schmerzlinderung. Bei noch flexiblen Zehenfehlstellungen kann sie korrigierend wirken und das Fortschreiten der Deformität verlangsamen. Bei bereits rigiden, knöchern versteiften Zehen lässt sich die ursprüngliche Anatomie nicht mehr ohne Operation wiederherstellen. Die Orthese schützt dann das Gewebe vor Reibung und verhindert die erneute Bildung schmerzhafter Hühneraugen.
Wie lange hält eine maßgefertigte Silikonorthese?
Bei täglicher Nutzung und sachgemäßer Pflege hält eine podologisch angefertigte Silikonorthese in der Regel zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Die Haltbarkeit hängt von der Beanspruchung, dem Material (weich oder mittelhart) und der individuellen Schweißentwicklung ab. Im Rahmen der regelmäßigen podologischen Komplexbehandlung wird der Sitz und Zustand des Hilfsmittels kontrolliert und bei Bedarf nachgearbeitet.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Silikonorthese?
Die Kostenübernahme hängt vom Versicherungsstatus und dem jeweiligen Befund ab. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen podologische Leistungen und Hilfsmittel vor allem bei Risikopatienten mit diabetischem Fußsyndrom oder vergleichbaren Begleiterkrankungen auf ärztliche Verordnung. Als privat versicherte Person oder Selbstzahler können Sie die Kosten im Rahmen der Gebührenordnung abrechnen. Wir beraten Sie in unserer Praxis gerne zu den Abrechnungsmöglichkeiten.
Darf ich ein Hühnerauge auf dem Zehenrücken selbst mit Pflastern behandeln?
Von der Verwendung frei verkäuflicher Hühneraugenpflaster wird dringend abgeraten. Diese Pflaster enthalten Salicylsäure, die das Gewebe chemisch zersetzt und gesunde Hautbereiche schädigen kann. Besonders bei Menschen mit Diabetes oder Durchblutungsstörungen drohen dadurch schwere Entzündungen und Ulzerationen. Eine fachgerechte Abtragung sollte stets schmerzfrei durch qualifiziertes podologisches Personal erfolgen.
Quellen und weiterführende Literatur
Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.
- [1] Coughlin, M. J. (1995). Lesser toe deformities. Orthopedics, 18(11), 1047-1056. Die Arbeit beschreibt detailliert die Anatomie, Biomechanik und Differenzierung von Hammer-, Krallen- und Mallet-Zehen.
- [2] Bus, S. A., et al. (2016). IWGDF guidance on footwear and offloading interventions to prevent and heal foot ulcers in persons with diabetes. Diabetes/Metabolism Research and Reviews, 32, 25-36. Die Leitlinie belegt die Notwendigkeit von Druckentlastungen zur Ulkusprävention bei Risikopatienten mit Vorfußdeformitäten.
- [3] Boberg, J. S., & Digiovanni, J. E. (2004). Hammer toe deformity. Journal of the American Podiatric Medical Association, 94(3), 255-263. Die Studie analysiert die Entstehungsmethoden von Hammermustern und betont den Nutzen konservativer Schienungs- und Druckschutzmaßnahmen.
- [4] Saro, C., et al. (2008). Surgical intervention for lesser toe deformities: a systematic review. Foot and Ankle International, 29(10), 1010-1019. Ein systematischer Review, der die Ergebnisse operativer Eingriffe bewertet und die Indikation konservativer Vorbehandlungen unterstreicht.
- [5] Scart-Gresille, M., et al. (2014). Orthoses and orthodigital devices in podiatry: Evaluation of pressure redistribution. Journal of Foot and Ankle Research, 7(S1), A78. Die Untersuchung zeigt mittels Pedobarografie die signifikante Reduktion von Spitzendruckwerten durch individuelle Silikonorthesen.
Persönliche Beratung in Memmingen
Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.
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Helga Maria Freitag (2026): Hammerzeh und Krallenzeh: Druckstellen entlasten statt aushalten. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/hammerzeh-krallenzeh
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.
