Neueröffnung der Podologie-Praxis geplant: 30.11.2026

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Fußpflege bei Pflegebedürftigkeit: Was Angehörige über Organisation, Verordnungen und Hygiene wissen müssen

Die fachgerechte Fußpflege schützt pflegebedürftige Menschen vor Schmerzen und Infektionen. Erfahren Sie, wie Angehörige die medizinische Versorgung richtig organisieren.

Medizinische Fußpflege bei einer älteren Person in einer podologischen Praxis
Fußpflege bei Pflegebedürftigkeit: Was Angehörige über Organisation, Verordnungen und Hygiene wissen müssen. Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Person und keine dokumentarische Behandlungssituation. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO / AI Act).
Helga Maria Freitag, podiatrist in Memmingen

Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.

Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 12 Minuten

Was dahintersteckt

Das menschliche Alterungsverfahren verändert den gesamten Bewegungsapparat sowie die Struktur der Haut und der Nägel gravierend. Bei pflegebedürftigen Senioren und chronisch kranken Menschen summieren sich physiologische Alterungsprozesse mit pathologischen Veränderungen. Das subkutane Fettgewebe an der Fußsohle, das als natürliches Stoßdämpfersystem dient, büßt im Laufe der Jahrzehnte an Volumen und Elastizität ein. Diese Fettpolsteratrophie führt dazu, dass die Mittelfußköpfchen und die Fersenknochen direkteren mechanischen Drücken ausgesetzt sind.

Gleichzeitig nimmt die Mikrozirkulation im kutanen Gewebe ab. Die Kapillaren transportieren weniger Sauerstoff und Nährstoffe in die Peripherie. Die Aktivität der Schweiß- und Talgdrüsen sinkt signifikant, was zu einer ausgeprägten Xerosis cutis führt. Diese extrem trockene Haut verliert ihre natürliche Barrierefunktion gegen pathogene Keime. Es entstehen feine Mikrorisse, sogenannte Rhagaden, die als Eintrittspforten für Bakterien wie Staphylococcus aureus oder Pilzerreger dienen.

Auch die Struktur der Fußnägel unterliegt mit steigendem Alter einer deutlichen Wandelung. Das Nagelwachstum verlangsamt sich von durchschnittlich 1,5 Millimetern pro Monat bei jungen Erwachsenen auf unter 0,8 Millimeter bei über 70-Jährigen. Die Keratinsynthese in der Nagelmatrix verändert sich. Dies führt häufig zu einer Onychauxis, einer Vergiftung und Verdickung der Nagelplatte, oder zu einer Onychogryposis, bei der sich der Nagel holzartig verdickt und krallenartig verkrümmt. Solche veränderten Nagelstrukturen lassen sich mit haushaltsüblichen Nagelscheren oder Knipsern nicht mehr gefahrlos kürzen.

Ein wesentlicher medizinischer Faktor ist das verminderte Schmerz- und Temperaturempfinden im Rahmen einer sensorischen Polyneuropathie. Viele Pflegebedürftige spüren kleine Schnittverletzungen, Druckstellen oder Fremdkörper im Schuh nicht mehr rechtzeitig. Bleibt eine solche Mikrotraumatisierung unbemerkt, entwickelt sich in Kombination mit einer verminderten arteriellen Durchblutung rasch eine ulzerative Gewebsnekrose. Die podologische Wissenschaft unterscheidet dabei klar zwischen einer rein pflegerischen Kosmetik und einer heilkundlich ausgerichteten Medizinischen Fußpflege.

Typische Anzeichen

Angehörige sollten die Füße pflegebedürftiger Familienmitglieder in regelmäßigen Abständen einer visuellen und tastenden Kontrolle unterziehen. Verdickte, gelblich-braun verfärbte oder brüchige Nagelplatten weisen auf eine Onychomykose hin. Diese Pilzinfektion der Nagelmatrix greift ohne konsequente Behandlung auf benachbarte Zehen über und zerstört die Nagelstruktur nachhaltig. Eine seitliche Rötung und Schwellung des Nagelwalls spricht für eine Onychocryptosis, einen eingewachsenen Nagel, der extrem schmerzhaft ist und sekundäre Infektionen nach sich zieht.

An der Fußsohle sowie an den Zehenbeeren zeigen sich Überlastungen häufig durch umschriebene Hyperkeratosen. Diese Hornhautplatten bilden sich an Stellen erhöhter Druckbelastung. Unter einer dicken Hornhautschicht kann sich unbeabsichtigt ein Clavus bilden. Ein solches Hühnerauge besitzt einen tief in die Dermis reichenden Keratinpfropf, der auf die dortigen Nervenenden drückt und stechende Schmerzen verursacht.

Abgrenzend zu normalen Verhornungen sind vaskuläre und neurologische Warnzeichen zu beobachten. Eine kühle, blasse oder livid verfärbte Haut an den Zehen deutet auf eine fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit hin. Fehlen tastbare Fußpulse an der Arteria dorsalis pedis oder der Arteria tibialis posterior, ist die arterielle Blutzufuhr beeinträchtigt. Betroffene klagen oft nicht über Schmerzen, da eine zeitgleich bestehende Polyneuropathie die Schmerzweiterleitung im Rückenmark blockiert. Eine sorgfältige Unterscheidung zwischen unbedenklichen Trockenheitserscheinungen und beginnenden Trophikstörungen ist für den Erhalt der Fußgesundheit unerlässlich.

Ein weiteres Indiz für Handlungsbedarf sind Veränderungen des Gangbildes. Wenn pflegebedürftige Personen beginnen, beim Auftreten zu humpeln, die Abrollbewegung des Fußes zu vermeiden oder das Stehen ganz zu verweigern, liegen häufig versteckte Druckschäden an den Fußsohlen vor. Beobachten Angehörige ein solches Schutzverhalten, muss eine eingehende podologische oder ärztliche Befunderhebung erfolgen.

Ursachen im Alltag

Im pflegerischen Alltag summierten sich meist verschiedene Einflussfaktoren, die zu einer Verschlechterung des Fußzustandes führen. Ein häufig unterschätzter Grund ist unpassendes Schuhwerk. Viele Pflegebedürftige tragen zu weiche, ausgelatschte Hausschuhe oder zu enge Strümpfe, die den Zehenbereich komprimieren. Durch das Rutschen im Schuh entsteht Reibung, während zu enge Socken mit strammem Gummibund den venösen Rückfluss unterbinden und Ödeme im Knöchelbereich verstärken.

Ein weiteres Problem stellt die Fußstatik dar. Im Alter flachen die Gewölbestrukturen ab. Es entstehen Spreizfüße, Knick-Senkfüße oder Hallux-valgus-Deformationen. Durch diese Fehlstellungen verändern sich die Druckpunkte unter der Fußsohle. Stellen, die anatomisch nicht für hohe Gewichtsbelastungen ausgelegt sind, werden dauerhaft überlastet. Die Folge ist eine reaktive Keratinisierung, also eine verstärkte Hornhautbildung als Schutzversuch der Haut.

Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, chronische Niereninsuffizienz, Rheuma oder Morbus Parkinson verstärken das Risiko für Fußkomplikationen drastisch. Beim Diabetischen Fußsyndrom führen Mikrovaskulopathie und Neuropathie dazu, dass kleinste Verletzungen unbemerkt bleiben und schlecht heilen. Parkinsonsymptome wie Rigor und Tremor erschweren den Betroffenen die eigenständige Fußhygiene vollständig.

Pflegefehler durch gutmeinende Angehörige oder geschultes Personal ohne podologische Zusatzausbildung bilden eine weitere Ursache für Komplikationen. Das runde Schneiden der Fußnägel bis tief in den seitlichen Falz proviziert das Einwachsen der Nagelränder. Die Anwendung von scharfen Werkzeugen wie Hornhauthobeln, Rasierklingen oder mechanischen Raspeln führt regelmäßig zu tiefen Schnittverletzungen. Zudem bergen frei verkäufliche Hühneraugenpflaster, die Salicylsäure enthalten, bei Pflegebedürftigen eine erhebliche Gefahr. Die Säure ätzt nicht nur das verhornte Gewebe weg, sondern schädigt bei reduzierter Durchblutung auch das umliegende gesunde Gewebe, was zu tiefen Verätzungsulzerationen führen kann.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Angehörige müssen lernen, harmlose Hautveränderungen von akuten medizinischen Notfällen zu unterscheiden. Eine unverzügliche ärztliche Abklärung durch den Hausarzt, einen Diabetologen oder einen Dermatologen ist erforderlich, wenn Anzeichen einer bakteriellen Infektion vorliegen. Dazu gehören eine sich rasch ausbreitende Rötung, lokale Überwärmung, Schwellungen sowie der Austritt von Eiter oder Wundsekret im Bereich des Nagelwalls oder der Fußsohle.

Besondere Dringlichkeit besteht bei der Entstehung von Blasen, Erosionen oder Ulzera. Wenn Hautareale eine dunkle, bläuliche oder schwarze Färbung annehmen, liegt eine Gewebsnekrose vor. Hier droht das Absterben von Gewebestrukturen, was ohne schnelle interventionelle Gefäßmedizin oder chirurgische Wundversorgung bis zur Amputation führen kann. Auch systemische Symptome wie plötzlich auftretendes Fieber, Schüttelfrost oder eine unerklärliche Verschlechterung des Allgemeinzustands in Verbindung mit einer Fußverletzung verlangen sofortiges Handeln.

Ebenso sollten Angehörige einen Arzt konsultieren, wenn Pflegebedürftige über anhaltende Ruheschmerzen in den Beinen klagen, die sich beim Hochlegen der Beine verstärken. Dies ist ein klassisches Anzeichen für eine fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit im Stadium III oder IV nach Fontain. In solchen Fällen darf keine podologische Komplexbehandlung ohne vorherige gefäßmedizinische Freigabe durchgeführt werden.

Was die podologische Behandlung leisten kann

Die Podologie ist die heilkundliche Behandlungsmaßnahme am Fuß. Im Gegensatz zur kosmetischen Fußpflege, die sich auf die Pflege der gesunden Haut und das Verschönern der Nägel beschränkt, führt die Podologin medizintechnische Präventions-, Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen durch. Umfassende Informationen zu diesem Berufsbild finden Angehörige auf der Seite /sektorale-heilpraktikerin.

Eine podologische Behandlung beginnt stets mit einer ausführlichen Anamnese und Befunderhebung. Dabei werden Hautzustand, Nagelstruktur, Fußpulse sowie das Vibrationsempfinden mittels einer Stimmgabel nach Rydel-Seiffer und die Schutzsensibilität mithilfe eines Semmes-Weinstein-Monofilaments überprüft. Auf dieser Basis wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Zum Einsatz kommen hochmoderne, sterile rotierende Instrumente wie Diamantschleifer, Hartmetallfräser und Keramikschleifer, die mit mikrofeiner Absaugung oder Wassernebelkühlung arbeiten. Verdickte Nagelplatten werden schmerzfrei auf ein physiologisches Maß abgetragen. Der Sulcus, also der seitliche Nagelfalz, wird sanft von Verhornungen und Ablagerungen gereinigt. Eingewachsene Nägel lassen sich mithilfe von Nagelspangentechniken, der sogenannten Orthonyxie, dauerhaft korrigieren, ohne dass ein chirurgischer Eingriff notwendig wird. Bei tiefen Subungualhyperkeratosen oder Pilzbefall wird das erkrankte Nagelmaterial präzise entfernt.

Verhornungen und Hühneraugen werden mit abgerundeten Skalpellklingen oder Hohlmeißeln fachgerecht abgehoben, ohne das darunterliegende Keimgewebe der Haut zu verletzen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, fertigen Podologen individuelle Druck- und Reibungsschutzmittel aus Silikon an, sogenannte Orthosen. Diese entlasten deformierte Zehen nachhaltig.

Die Behandlungsdauer einer podologischen Komplexbehandlung liegt in der Regel zwischen 45 und 60 Minuten. Je nach Krankheitsbild und Nachwachsgeschwindigkeit der Nägel werden Behandlungsintervalle von vier bis sechs Wochen empfohlen. Ein Behandlungsüberblick ist im Bereich /leistungen einsehbar.

Für pflegebedürftige Menschen, die die Praxis nicht mehr selbstständig aufsuchen können, stellt die Organisation von Hausbesuchen eine zentrale Versorgungsoption dar. Podologinnen führen die notwendigen sterilen Bestecksets und mobilen Fußpflegegeräte direkt zum Patienten nach Hause oder in die Pflegeeinrichtung. Die Abrechnung einer solchen medizinisch notwendigen Behandlung kann über die gesetzliche Krankenkasse erfolgen, sofern eine entsprechende ärztliche Verordnung vorliegt.

Ärzte können die podologische Komplexbehandlung auf dem Formular Muster 13 verordnen. Voraussetzung hierfür ist eine Schädigung der Füße infolge eines Diabetischen Fußsyndroms (Indikationsschlüssel DF1, DF2), einer Polyneuropathie (Indikationsschlüssel NF) oder eines Rückenmarksschadens (Indikationsschlüssel UI). Wenn die gehfähige Mobilität des Pflegebedürftigen dauerhaft eingeschränkt ist, muss der Arzt auf der Verordnung das Feld Hausbesuch ja ankreuzen. In diesem Fall übernimmt die Krankenkasse nach Abzug der gesetzlichen Zuzahlung auch die Anfahrtskosten. Befreite Patienten zahlen keine Zuzahlung.

Was Sie selbst tun können

Angehörige können im Alltag wesentlich dazu beitragen, die Fußgesundheit pflegebedürftiger Personen zu erhalten und Schäden vorzubeugen. Die tägliche Inspektion der Füße bildet das Fundament der häuslichen Prophylaxe. Sollten Betroffene ihre Fußsohlen aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit nicht selbst spiegeln können, übernehmen Angehörige diesen Blick.

Die tägliche Fußwaschung sollte kurz gehalten werden. Lauwarmes Wasser mit einer Temperatur von maximal 37 Grad Celsius schont die Hautbarriere. Die Wascheinheit sollte nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern, um ein Mazerieren der Haut zu verhindern. Nach dem Bad müssen die Füße mit einem weichen Handtuch sorgfältig abgetrocknet werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Zehenzwischenräumen, da verbleibende Feuchtigkeit dort den idealen Nährboden für Fadenpilze bildet.

Nach dem Trocknen benötigt die hautveränderte Zone Pflege. Feuchtigkeitsspendende Cremes oder Schaum-Cremes mit einem Urea-Gehalt von 5 bis 10 Prozent stellen die Elastizität der Epidermis wieder her. Urea bindet Wasser in den oberen Hautschichten und löst sanft leichte Verhornungen. Angehörige dürfen die Zehenzwischenräume beim Eincremen konsequent aussparen, da eingebrachte Cremefette dort zu Mazerationen führen.

Bei der Auswahl der Strümpfe ist auf Naturmaterialien wie Baumwolle oder Schafwolle zu achten. Synthetische Fasern fördern die Schweißbildung. Die Strümpfe sollten keine einschneidenden Gummibünde und keine dicken Nähte im Zehenbereich aufweisen. Ein täglicher Wechsel der Socken ist obligatorisch.

Das Schuhwerk muss ausreichend Raum für die Zehen bieten und eine weiche, aber stabilisierende Sohle besitzen. Angehörige sollten die Innenseite der Schuhe regelmäßig mit der Hand auf Fremdkörper, kleine Steinchen oder aufgeworfene Innenfutternähte kontrollieren.

Angehörige können sich an folgender täglichen Kontrollliste orientieren:

  • Visuelle Prallkontrolle der Fußsohlen, Fersen und Zehenzwischenräume auf Rötungen, Druckstellen oder Risse.
  • Überprüfung der Wassertemperatur beim Waschen mittels eines Thermometers zur Vermeidung von Verbrühungen.
  • Sorgfältiges Abtupfen der Zehenzwischenräume ohne starkes Rubbeln.
  • Auftragen einer urea-haltigen Pflegeschaum-Emulsion ausschließlich auf die Fußsohle und den Fußrücken.
  • Ertasten des Schuhinnenraums auf herausstehende Nähte, lose Einlagen oder eingedrungene Partikel.

Häufige Fehler

In der häuslichen Pflege entstehen Komplikationen oft durch langjährige Pflegegewohnheiten, die der veränderten Haut- und Gewebssituation im Alter nicht mehr gerecht werden. Ein weit verbreiteter Fehler ist das Einweichen der Füße in ausgedehnten, heißen Fußbädern. Pflegebedürftige empfinden warme Fußbäder zwar als angenehm, doch das heiße Wasser entzieht der ohnehin trockenen Seniorenfeut die restlichen Lipide. Die Hornschicht quillt auf, verliert ihre natürliche Schutzfunktion und wird anfällig für Mikrorisse.

Ein weiterer gravierender Fehler ist die Verwendung ungeeigneter Schneidewerkzeuge. Haushaltsscheren, Nagelknipser oder Hornhauthobel besitzen im pflegerischen Alltag nichts zu suchen. Beim Versuch, dicke Holznägel mit einem Knipser zu kürzen, splittert die Nagelplatte unkontrolliert ab. Dabei entstehen oft scharfkantige Nagelsplitter, die sich tief in den seitlichen Nagelfalz bohren und dort schwere Entzündungen verursachen.

Das eigenständige Manipulieren an Hühneraugen oder verhornten Druckstellen mittels Rasierklingen oder spitzen Pinzetten führt regelmäßig zu tiefen Schnittverletzungen. Da im Alter die Regeneration der Epidermis verlangsamt ist und oft Mikrozirkulationsstörungen vorliegen, werden aus solchen Abtragungsversuchen rasch chronische Wunden.

Ein Praxisbeispiel verdeutlicht diese Problematik: Eine 81-jährige Patientin mit bekannter Polyneuropathie klagte nicht über Schmerzen. Die pflegende Tochter bemerkte eine stärkere Hornhautstelle am Ballen und wandte ein salizylsäurehaltiges Hühneraugenpflaster an. Nach drei Tagen hatte die Säure das verhornte Gewebe durchdrungen und das darunterliegende, schlecht durchblutete Dermisgewebe verätzt. Es entstand ein tiefes Ulkus, das eine monatelange ärztliche und podologische Wundbehandlung erforderte.

Auch das Fehlen einer regelmäßigen Verlaufskontrolle gehört zu den häufigen Fehlern. Verlässt man sich darauf, dass der pflegebedürftige Mensch sich meldet, sobald der Fuß schmerzt, wird die Diagnose bei Neuropathiepatienten oft verschleppt. Die Kontrolle muss proaktiv durch Angehörige oder professionelles Pflegepersonal erfolgen.

Studienlage und Einordnung

Die wissenschaftliche Evidenz bezüglich der Wirksamkeit podologischer Präventionsmaßnahmen ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Internationale Studien belegen eindeutig, dass eine strukturierte, regelmäßige podologische Betreuung bei Risikopatienten die Inzidenz von Fußulzerationen und nachfolgenden Amputationen signifikant senkt.

Veröffentlichungen der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) verdeutlichen, dass multidisziplinäre Präventionskonzepte die Amputationsraten bei Hochrisikopatienten um bis zu 85 Prozent reduzieren können [2]. Die regelmäßige professionelle Entfernung von Hyperkeratosen senkt den internen Gewebedruck auf die darunterliegenden Hautschichten messbar. Studien zeigen, dass unbehandelte Hornhautschwielen das Risiko für eine Ulzeration um das Fünffache erhöhen, da die verhärtete Hornhaut wie ein Fremdkörper auf das weiche subkutane Gewebe drückt [1].

Auch die S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft zur Prävention und Therapie von Fußkomplikationen betont die Notwendigkeit einer dauerhaften podologischen Begleitung für Patienten mit fortgeschrittener Neuropathie oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit [3]. Untersuchungen zur Versorgungssituation von Pflegeheimbewohnern zeigen, dass über 70 Prozent dieser Personengruppe an behandlungsbedürftigen Nagel- oder Hautveränderungen leiden, jedoch nur ein Bruchteil eine fachgerechte podologische Behandlung erhält [4]. Die Integration medizinischer Fußpflege in den Pflegealltag führt nachweislich zu einer Verbesserung der Mobilität und der Lebensqualität im Alter [5].

Wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die regelmäßige Abtragung von Hyperkeratosen durch Podologen reduziert den maximalen Plantardruck um bis zu 30 Prozent.
  • Multidisziplinäre Versorgungsansätze senken die Rate von Major-Amputationen bei Risikopatienten drastisch.
  • Neuropathische Patienten weisen ein fünffach erhöhtes Ulkusrisiko auf, wenn Hornhautschwielen nicht professionell entfernt werden.
  • Früherkennung und prophylaktische Nagelbearbeitung verhindern das Entstehen von Paronychien und Wundinfektionen bei immunsupprimierten Personen.

Behandlung in Memmingen

Für Angehörige im Raum Memmingen, im Unterallgäu, Allgäu sowie in Oberschwaben bietet die FREITAG® Podologie GmbH eine fachgerechte medizinische Fußpflege an. Unter der Leitung von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin und sektorale Heilpraktikerin für Podologie, führt die Praxis therapeutische Behandlungen nach höchsten medizinischen Qualitätsstandards durch. Weitere Details zum Team und den Qualifikationen sind im Bereich /ueber-mich zusammengestellt.

Die Praxis befindet sich in der Kempterstr. 25 in 87700 Memmingen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einhaltung strengster Hygienevorgaben nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. Sämtliche Instrumente werden nach der Aufbereitung stetig sterilisiert verpackt. Angehörige können sich über die Hygienestandards unter /hygiene informieren. Termine für Sprechstunden in der Praxis oder Fragen zur Abrechnung über Heilmittelverordnungen können telefonisch vereinbart werden. Nähere Informationen zur Anfahrt finden Sie unter /praxis, Kontaktdaten unter /kontakt.

Häufige Fragen

Wie erhalte ich eine podologische Verordnung für pflegebedürftige Angehörige?

Der behandelnde Hausarzt oder Facharzt stellt eine Heilmittelverordnung Muster 13 aus, wenn eine entsprechende medizinische Indikation vorliegt. Dazu gehören ein Diabetisches Fußsyndrom, sensorische Neuropathien oder Rückenmarksschädigungen. Wenn die gehfähige Mobilität der pflegebedürftigen Person stark eingeschränkt ist, muss der Arzt zusätzlich das Feld Hausbesuch auf dem Formular ankreuzen. Mit dieser Verordnung können Sie direkt einen Termin in einer podologischen Praxis vereinbaren.

Was ist der Unterschied zwischen kosmetischer Fußpflege und Podologie?

Die kosmetische Fußpflege konzentriert sich auf pflegerische und dekorative Maßnahmen am gesunden Fuß. Die Podologie hingegen ist ein medizinischer Heilberuf mit staatlicher Ausbildungsprüfung. Podologinnen führen risikobehaftete, therapeutische Behandlungen an erkrankten Füßen durch, schneiden tief eingewachsene Nägel frei, tragen krankhafte Verhornungen ab und arbeiten unter strengen hygienischen Richtlinien.

Wie oft sollte eine medizinische Fußpflege bei Pflegebedürftigen durchgeführt werden?

In der Regel wird ein Behandlungsintervall von vier bis sechs Wochen empfohlen. Dieser Zeitraum entspricht dem natürlichen Wachstumszyklus der Fußnägel und ermöglicht das rechtzeitige Abtragen von nachwachsenden Verhornungen oder Hühneraugen, bevor Druckschäden entstehen. Bei Hochrisikopatienten mit offenen Wundneigungen oder stark geschädigten Nagelplatten kann die Podologin auch kürzere Abstände empfehlen.

Übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die podologische Behandlung?

Die podologische Komplexbehandlung wird nicht von der Pflegekasse, sondern von der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung übernommen, sofern eine ärztliche Heilmittelverordnung vorliegt. Gesetzlich Versicherte leisten lediglich den vorgeschriebenen Eigenanteil von zehn Prozent der Behandlungskosten plus zehn Euro pro Verordnung, es sei denn, es liegt eine Befreiung von Zuzahlungen vor.

Welche Creme eignet sich am besten für die tägliche Pflege trockener Seniorenfüße?

Empfohlen werden spezielle Fußcremes oder Pflegeschäume mit einem Urea-Gehalt von 5 bis 10 Prozent. Urea bindet Feuchtigkeit in der Haut und wirkt leichten Verhornungen sanft entgegen. Pflegende Schaum-Emulsionen ziehen schnell ein und hinterlassen keinen fettigen Schmierfilm, was das Sturzrisiko verringert. Die Zehenzwischenräume müssen beim Eincremen stets ausgespart werden, um ein Aufweichen der Haut zu verhindern.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.

  1. [1] Armstrong, D. G., Boulton, A. J., & Bus, S. A. (2017). Diabetic Foot Ulcers and Their Recurrence. New England Journal of Medicine, 376(24), 2367-2375. Die Studie belegt den ausgeprägten Einfluss von biomechanischem Druck auf die Ulkusentstehung und zeigt die Notwendigkeit professioneller Entlastung.
  2. [2] Schaper, N. C., et al. (2020). Practical Guidelines on the prevention and management of diabetic foot disease (IWGDF 2019 update). Diabetes/Metabolism Research and Reviews, 36(S1), e3267. Die internationalen Leitlinien beschreiben den hohen Stellenwert regelmäßiger podologischer Interventionen zur Vermeidung von Amputationen.
  3. [3] Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). (2021). S3-Leitlinie Nationale Versorgungsleitlinie Unkomplizierter Diabetes mellitus: Prävention und Therapie von Fußkomplikationen. AWMF-Registernummer 001-020. Die deutsche S3-Leitlinie definiert die Indikationen und Qualitätsstandards für die medizinische podologische Komplexbehandlung.
  4. [4] Edmonds, M., et al. (2021). Progress and disparities in global diabetic foot care. The Lancet Diabetes & Endocrinology, 9(1), 41-49. Diese Veröffentlichung analysiert den präventiven Nutzen strukturierter Fußpflegeprogramme für Senioren und Risikogruppen.
  5. [5] Lobmann, R. (2018). Podologische Komplexbehandlung beim Diabetischen Fußsyndrom. Der Diabetologe, 14(4), 245-252. Der Fachartikel beschreibt die konkreten medizinischen Behandlungsschritte und Werkzeugeinsätze in der modernen Podologie.

Persönliche Beratung in Memmingen

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.

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So zitieren Sie diesen Artikel

Helga Maria Freitag (2026): Fußpflege bei Pflegebedürftigkeit: Was Angehörige über Organisation, Verordnungen und Hygiene wissen müssen. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/fusspflege-pflegeheim

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.