
Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.
Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 12 Minuten
Was dahintersteckt
Das Fersenbein, in der Fachsprache Calcaneus genannt, ist der größte Knochen des menschlichen Fußes. Es trägt bei jedem Schritt einen erheblichen Teil des Körpergewichts und dient als Hebelarm für die kraftvolle Wadenmuskulatur. Die Entwicklung des Fersenbeins erfolgt während des Kindesalters nicht aus einem einzelnen Knochenkern, sondern über getrennte Verknöcherungszentren. Der Hauptkörper des Fersenbeins verknöchert zuerst, während sich an der hinteren Unterseite eine sekundäre Knochenwachstumszone befindet. Diese Knochenneubildungszone wird als Apophysitis calcanei oder Apophyse bezeichnet.
Zwischen dem Hauptkörper des Calcaneus und dieser Apophyse liegt eine knorpelige Wachstumsfuge. Genau an diesem knorpeligen Areal setzt die Achillessehne an, welche die Zugkraft des dreiköpfigen Wadenmuskels auf das Skelett überträgt. In Phasen eines intensiven Längenwachstums wachsen die röhrenförmigen Skelettstrukturen der Beine oft schneller als sich die umliegende Muskel- und Sehnenstruktur anpassen kann. Die Folge ist eine deutlich erhöhte biomechanische Zugspannung der Achillessehne auf den noch unvollständig verknöcherten Apophysenkörper.
Wird der Fuß in dieser vulnerablen Entwicklungsphase wiederholten, hochdynamischen Belastungen ausgesetzt, entstehen mikroskopisch kleine Verletzungen im Knorpelgewebe der Wachstumsfuge. Es kommt zu einer aseptischen, also nicht durch Bakterien verursachten Entzündung der Apophyse. Die Knochenfuge reagiert auf die Dauerreizung mit lokalen Mikrofrakturen der feinen Knochenbälkchen und einem Knochenmarködem. Der Fachbegriff für dieses Krankheitsbild lautet Apophysitis calcanei, im klinischen Sprachgebrauch auch als Sever-Krankheit oder Morbus Sever bekannt.
Da die Wachstumsfuge am Fersenbein meist erst zwischen dem 13. und 16. Lebensjahr vollständig mit dem Hauptknochen verschmilzt und verknöchert, sind ausschließlich Heranwachsende von diesem Krankheitsbild betroffen. Nach dem Schluss der Wachstumsfuge kann eine Apophysitis calcanei anatomisch nicht mehr entstehen. Bis zu diesem Zeitpunkt erfordert die Zugbelastung der Achillessehne jedoch eine genaue Beobachtung und gezielte Druckentlastung.
Typische Anzeichen
Das Leitsymptom der Apophysitis calcanei ist ein schleichend einsetzender, belastungsabhängiger Schmerz an der hinteren oder unterseitigen Ferse. In den Anfangsstadien berichten betroffene Kinder meist nur nach intensiver sportlicher Betätigung über ein Ziehen oder Brennen im Rückfußbereich. Mit fortschreitender Gewebereizung tritt der Schmerz bereits während der sportlichen Belastung auf und führt schließlich dazu, dass Wettkämpfe oder Trainingseinheiten abgebrochen werden müssen. In ausgeprägten Fällen schmerzt die Ferse selbst bei normalen Alltagsschritten.
Um den schmerzhaften Druck auf das Fersenbein zu vermeiden, entwickeln betroffene Kinder ein charakteristisches Ausweichgangbild. Sie vermeiden das kraftvolle Auftreten mit der Ferse und verlagern das Körpergewicht verstärkt auf den Mittelfuß oder die Zehenspitzen. Dieser sogenannte Zehenspitzengang oder ein deutliches Schonhinken ist für Eltern und Trainer ein auffälliges Warnsignal. Oft fällt auf, dass die Kinder nach Ruhephasen, beispielsweise morgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen in der Schule, erst einige Schritte hinken müssen, ehe sich das Gangbild etwas normalisiert.
Ein klassischer klinischer Nachweis ist der sogenannte Fersenkompressionstest, auch Squeeze-Test genannt. Wenn man den hinteren Bereich des Fersenbeins von seitlich und medial gleichzeitig manuell zusammendrückt, wird ein meidender Schmerz direkt in der Wachstumsfuge ausgelöst. Ebenso reagiert die Sehneneinstrahlung der Achillessehne auf direkten Tastdruck extrem empfindlich. Lokale Schwellungen oder eine leichte Erwärmung des Gewebes können vorkommen, sind jedoch meist unauffällig im Vergleich zu den angegebenen Schmerzintensitäten.
Zur genauen Diagnostik gehört die Abgrenzung von anderen Schmerzursachen am kindlichen Fuß. Eine Plantarfasziitis, wie sie bei Erwachsenen häufig vorkommt, ist bei Kindern äußerst selten. Eine Tendo-Achillodynie betrifft den Sehnenkörper selbst und zeigt eine Verdickung mehrere Zentimeter oberhalb des Fersenbeins. Eine Bursitis subachillea betrifft den Schleimbeutel vor der Sehne. Dauerschmerzen in Ruhe, nächtliches Erwachen oder deutliche Rötungen weisen hingegen auf andere Ursachen hin, die medizinisch genau abgeklärt werden müssen.
Ursachen im Alltag
Die Hauptursache für das Auftreten einer Apophysitis calcanei ist das Zusammenspiel aus körperlichem Wachstum und mechanischer Überlastung. Während eines Wachstumsschubs verlängern sich die Oberschenkel- und Unterschenkelknochen rasch. Die Musculi gastrocnemius und soleus, welche die Wadenmuskulatur bilden, geraten dadurch unter eine permanente Grundspannung. Der Muskel-Sehnen-Apparat ist schlichtweg zu kurz für die veränderte Knochenlänge. Diese permanente mechanische Vorspannung zieht kontinuierlich an der empfindlichen Wachstumsfuge des Fersenbeins.
Ein entscheidender Verstärker im Alltag ist die Ausübung von Sportarten mit hohen Stop-and-Go-Bewegungen, Sprüngen und schnellen Richtungswechseln. Fußball, Leichtathletik, Basketball, Turnen und Handball gehören zu den Sportarten, bei denen die Apophysitis calcanei am häufigsten beobachtet wird. Insbesondere das Laufen auf harten Untergründen wie Asphaltschulhöfen, Hallenböden oder ausgetrockneten Rasenplätzen leitet die Aufprallenergie ungedämpft über das Fersenbein in die Apophyse weiter.
Fehlstellungen des Fußskeletts spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Bei einem Knick-Senkfuß, medizinisch Pes planovalgus, evertiert das Fersenbein nach innen. Dadurch verläuft der Zug der Achillessehne nicht mehr geradlinig, sondern erzeugt eine ungleiche, scherenden Belastung an der medialen Seite der Wachstumsfuge. Bei einem Hohlfuß, dem Pes cavus, fehlt wiederum die natürliche Flexibilität des Fußgewölbes zur Stoßdämpfung, was zu extrem hohen Druckspitzen beim Fersenauftritt führt.
Ungeeignetes Schuhwerk verschärft das Problem signifikant. Viele Sportschuhe für Kinder verfügen über zu starre, flache Sohlen ohne ausreichende Dämpfungseigenschaften im Rückfußbereich. Besonders problematisch sind Fußballschuhe mit Nocken oder Stollen. Durch die Anordnung der Stollen konzentriert sich die punktuelle Druckbelastung genau unter dem Fersenbein. Wenn solche Schuhe auf hartem Kunstrasen getragen werden, vervielfachen sich die mechanischen Scherkräfte auf die Wachstumsfuge.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Obwohl die Apophysitis calcanei eine gutartige und prinzipiell ausheilende Erkrankung ist, muss bei neu auftretenden Fersenschmerzen bei Kindern stets eine ärztliche Erstdiagnose durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie oder Pädiatrie erfolgen. Eine eigenständige Laiendiagnose birgt das Risiko, gravierendere Erkrankungen des Kindesalters zu übersehen.
Ein umgehender Arztbesuch ist zwingend erforderlich, wenn sogenannte Warnsignale vorliegen. Dazu gehören Schmerzen, die in absoluter Ruhe oder während der Nacht auftreten und das Kind vom Schlafen abhalten. Ebenso müssen eine sichtbare, starke Rötung, eine ausgeprägte Überwärmung oder eine deutliche Schwellung des gesamten Rückfußes abgeklärt werden. Systemische Symptome wie Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, allgemeine Abgeschlagenheit oder Schmerzen in mehreren Gelenken sind Alarmzeichen, die sofortige medizinische Diagnostik erfordern.
Ein plötzlicher, traumatischer Schmerzbeginn nach einem Sturz oder einem gewaltsamen Umknicken erfordert das Ausschließen einer akuten Fraktur oder eines knöchernen Ausrisses der Achillessehne. Auch wenn die Fersenschmerzen trotz konsequenter Belastungsreduktion über mehr als vier bis sechs Wochen unverändert anhalten oder sich einseitig stetig verschlimmern, ist eine vertiefte bildgebende Diagnostik unumgänglich.
Die ärztliche Diagnostik umfasst neben der klinischen Untersuchung meist eine Röntgendiagnostik des Fersenbeins in zwei Ebenen. Das Röntgenbild dient primär dem Ausschluss von Knochenzysten, Ermüdungsfrakturen oder seltenen Knochentumoren wie dem Osteoidosteom oder Ewing-Sarkom. Die Apophyse selbst zeigt im Röntgenbild oft eine verdichtete oder fragmentierte Struktur. Diese Erscheinung ist jedoch häufig ein physiologischer Befund im Rahmen der normalen Verknöcherung und darf nicht allein als Krankheitsbeweis gewertet werden. Die Ultraschalluntersuchung ermöglicht zusätzlich die Beurteilung der Achillessehne und des Schleimbeutels, während eine Magnetresonanztomographie reserved für unklare oder therapieresistente Fälle bleibt.
Was die podologische Behandlung leisten kann
Die Podologie nimmt in der konservativen Versorgung der Apophysitis calcanei eine wichtige Funktion ein. Nach der ärztlichen Abklärung führt die podologische Befundung eine genaue Analyse der Statik, der Dynamik und des Gangbildes durch. Hierbei wird untersucht, wie sich die Druckverteilung unter dem Fuß beim Stehen und Gehen verhält und welche Fehlstellungen der Rückfuß aufweist.
Eine der wirksamsten podologischen Maßnahmen zur sofortigen Schmerzlinderung ist die gezielte Entlastung der Achillessehne und der Wachstumsfuge. Durch das maßgeschneiderte Anfertigen von individuellen Druckentlastungen aus Silikon, sogenannten Orthesen, oder den präzisen Einsatz von viskoelastischen Fersenpolstern wird das Fersenbein leicht angehoben. Eine Anhebung der Ferse um etwa fünf bis zehn Millimeter verkürzt den Abstand zwischen dem Ursprung des Wadenmuskels und dem Ansatz an der Apophyse. Dadurch nimmt die passive Zugspannung der Achillessehne sofort ab, und die gereizte Fuge wird mechanisch entlastet.
Ergänzend können podologische Maßeinlagen entwickelt werden, die den Fuß in seiner individuellen Biomechanik unterstützen. Liegt beispielsweise ein Knick-Senkfuß vor, stützt eine korrigierende Einlage das innere Längsgewölbe ab und richtet das Fersenbein wieder in eine neutrale Achse auf. Dies verhindert das schmerzhafte Verwinden der Wachstumsfuge unter Belastung. Podologinnen nutzen hierzu moderne Abtastverfahren und Druckmessungen, um die Einlagen exakt an die Bedürfnisse des wachsenden Fußes anzupassen.
In der Praxis gehören auch funktionelle Taping-Techniken zum Behandlungsspektrum. Ein professionell angelegtes Kinesiologie-Tape oder ein festes Entlastungstape übernimmt einen Teil der Zugkräfte der Wadenmuskulatur und stabilisiert das Fersenbein im Alltag. Das Gewebe erhält dadurch die notwendige Ruhe, um Entzündungsreaktionen abzubauen. Behandlungskonzepte und Behandlungsabläufe lassen sich im Detail unter /leistungen nachlesen.
Die Behandlungsabstände werden individuell gestaltet. In der Regel erfolgen nach der Erstversorgung Kontrolltermine im Abstand von drei bis vier Wochen, um die Passform der Druckentlastungen an das anhaltende Fußwachstum des Kindes anzupassen und den Schmerzverlauf zu dokumentieren. Mehr über die fachlichen Qualifikationen erfahren Sie unter /sektorale-heilpraktikerin.
Was Sie selbst tun können
Eltern können den Heilungsverlauf einer Apophysitis calcanei durch ein konsequentes Belastungsmanagement und gezielte Maßnahmen zu Hause maßgeblich unterstützen. Der wichtigste Grundsatz lautet: Relativ schonen statt komplett immobilisieren. Eine vollständige Ruhigstellung im Gips ist nur in extremen Ausnahmefällen nötig und führt oft zu ungewollter Muskelatrophie. Vielmehr gilt es, schmerzauslösende Belastungen temporär zu reduzieren.
Folgende Schritte haben sich in der Praxis bewährt:
- Konsequente Sportpause einlegen: High-Impact-Sportarten wie Fußball, Leichtathletik oder Sprungsportarten sollten für mindestens vier bis acht Wochen pausiert werden. Das Training darf erst wieder aufgenommen werden, wenn das Kind im Alltag und bei einfachen Laufübungen vollkommen schmerzfrei ist.
- Ausweichsportarten nutzen: Damit das Kind seine Ausdauer und Freude an der Bewegung behält, bieten sich gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Kraulen an. Auch Radfahren mit dem Mittelfuß auf den Pedalen ist meist schmerzfrei möglich.
- Regelmäßige Dehnübungen durchführen: Die verkürzte Wadenmuskulatur muss täglich vorsichtig gedehnt werden. Das Kind stellt sich hierzu mit dem betroffenen Bein nach hinten auf und drückt bei gestrecktem Knie die Ferse flach auf den Boden, bis ein deutliches Ziehen in der Wade spürbar wird. Diese Position sollte zwei- bis dreimal täglich für jeweils 30 Sekunden gehalten werden.
- Kälteanwendungen nutzen: Nach körperlicher Aktivität oder bei akuten Schmerzschüben hilft eine lokale Kälteanwendung. Ein Kühlpack, das in ein dünnes Tuch gewickelt wird, kann für 10 bis 15 Minuten auf die Ferse aufgelegt werden, um die lokale Entzündungsreaktion zu dämpfen.
Die Ausrüstung im Alltag verdient besondere Aufmerksamkeit. Kinderschuhe sollten eine feste Fersenkappe, eine stoßdämpfende Sohle und eine leichte Sprengung aufweisen. Das Barfußlaufen auf harten Fliesen- oder Laminatböden sollte während der akuten Schmerzphase vermieden werden. Stattdessen tragen die Kinder im Haus gut gedämpfte Hausschuhe oder Gesundheitsschuhe mit integriertem Fersenpolster.
Der Wiedereinstieg in den Sport hat schrittweise zu erfolgen. Wenn das Kind zwei Wochen lang beschwerdefrei durch den Alltag geht, kann mit leichten Joggingeinheiten auf weichem Waldboden begonnen werden. Erst wenn diese schmerzfrei vertragen werden, folgt die Rückkehr zum regulären Mannschaftstraining. Tritt während des Aufbaus erneut ein Schmerz auf, muss das Belastungsniveau sofort um eine Stufe zurückgeschraubt werden.
Häufige Fehler
Im klinischen Alltag begegnen uns regelmäßig Fehler bei der Handhabung von Fersenschmerzen im Kindesalter, die den Heilungsverlauf unnötig verzögern. Der häufigste Fehler ist das Verharmlosen der Beschwerden als reine Wachstumsschmerzen. Wachstum an sich tut nicht weh. Wenn ein Kind aufgrund von Schmerzen hinkt oder Sportarten abbricht, liegt eine reale Gewebereizung vor, die ernst genommen werden muss. Wer Schmerzen ignoriert und das Kind weitertrainieren lässt, riskiert eine Chronifizierung der Entzündung.
Ein weiterer gravierender Fehler ist die zu frühe Rückkehr zum Leistungssport. Oft melden Eltern ihre Kinder bereits nach wenigen Tagen relativer Beschwerdefreiheit wieder zum Punktspiel an. Das Knorpelgewebe der Wachstumsfuge benötigt jedoch mehrere Wochen, um sich mechanisch zu konsolidieren. Ein verfrühter Einsatz führt fast ausnahmslos zu einem erneuten Schmerzrückfall und verlängert die Gesamtheilungsdauer beträchtlich.
Die ausschließliche Verabreichung von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol ohne gleichzeitige Entlastung stellt ebenfalls einen Fehlweg dar. Schmerzmittel maskieren das Warnsignal des Körpers. Das Kind spürt den Dehnungsschmerz nicht mehr und belastet die überlastete Wachstumsfuge im Training weiterhin maximal. Dies kann zu schweren Mikroschäden im Gewebe führen. Entzündungshemmer sollten nur nach ärztlicher Anordnung und für wenige Tage bei akuten Schmerzspitzen eingesetzt werden.
Auch der falsche Einsatz von Schuhwerk wird häufig beobachtet. Das Tragen von flachen, ungepolsterten Stoffschuhen oder ausgelatschten Sneakern ohne Fersenhalt im Alltag verhindert die Abheilung. Ebenso ist das Festhalten an zu kleinen oder abgetragenen Fußballschuhen problematisch. Sportschuhe müssen regelmäßig auf ihre Dämpfungseigenschaften überprüft und bei deutlichem Verschleiß ausgetauscht werden.
Schließlich ist eine komplette Ruhigstellung in einem starren Gipsverband ohne funktionelle Nachbehandlung meist unzweckmäßig. Eine Wochen lange Immobilisation führt zu einer Versteifung des Sprunggelenks und einem rapiden Abbau der Wadenmuskulatur. Nach Abnahme des Gipses ist die Spannung auf die Ferse oft höher als zuvor. Eine funktionelle, dynamische Entlastung ist der starren Ruhigstellung in fast allen Fällen überlegen.
Studienlage und Einordnung
Die wissenschaftliche Datenlage zur Apophysitis calcanei bestätigt durchgehend die Effektivität konservativer Therapiemaßnahmen [1]. In einer Vielzahl von klinischen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass über 95 Prozent aller betroffenen Kinder und Jugendlichen unter einer strukturierten konservativen Therapie innerhalb von einigen Wochen bis Monaten vollständig beschwerdefrei werden [2]. Eine operative Intervention ist bei dieser Erkrankung niemals indiziert.
Biomechanische Studien belegen, dass der Einsatz von Visco-Fersenkeilen und maßgefertigten Orthesen die Spitzenbelastung beim Fersenauftritt um bis zu 30 Prozent reduzieren kann [3]. Durch die Erhöhung des Rückfußes verringert sich der Zugwinkel und die Kraftübertragung der Achillessehne auf die Wachstumsfuge signifikant, was zu einer raschen Linderung der Schmerzsymptomatik führt [4].
Vergleichende Untersuchungen zwischen reiner Belastungspause und kombinierten Therapieansätzen zeigen klar, dass eine Kombination aus relativer Sportpause, Dehnung der hinteren Muskelkette und podologischer Einlagenversorgung die kürzesten Ausfallzeiten bewirkt [5]. Kinder, die ein aktives Dehnprogramm absolvierten, kehrten im Schnitt drei Wochen früher schmerzfrei in ihren Sport zurück als Kinder, die lediglich abwarteten [6]. Longitudinale Nachbeobachtungsstudien zeigen zudem, dass die Apophysitis calcanei nach dem Verschluss der Wachstumsfuge keinerlei Spätfolgen für die Leistungsfähigkeit oder das Risiko von späteren Arthrosen im Sprunggelenk birgt.
Behandlung in Memmingen
In unserer Praxis, der FREITAG® Podologie GmbH in der Kempterstr. 25 in Memmingen, betreuen wir regelmäßig Kinder und Jugendliche mit Fersenschmerzen aus der gesamten Region Allgäu, Oberschwaben und dem Unterallgäu. Unter der fachlichen Leitung von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin und sektorale Heilpraktikerin für Podologie, legen wir großen Wert auf eine kindgerechte, behutsame Untersuchung und eine präzise biomechanische Entlastung.
Wir arbeiten eng mit den behandelnden Kinderärzten und Orthopäden der Region zusammen, um für jedes Kind ein maßgeschneidertes Versorgungskonzept zu erstellen. Wenn Sie bei Ihrem Kind Anzeichen einer Fersensehnenreizung oder Fehlhaltungen beim Gehen bemerken, vereinbaren Sie gerne einen Termin für eine persönliche Beratung. Sie erreichen unser Praxis-Team direkt über unsere Kontaktseite unter /kontakt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Heilung einer Apophysitis calcanei?
Die Heilungsdauer variiert je nach Ausprägung und Konsequenz der Entlastung zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten. Sobald die Wachstumsfuge am Fersenbein im Verlauf der Pubertät vollständig verknöchert, verschwinden die Beschwerden dauerhaft. Durch gezielte podologische Entlastung und Anpassung der Sportbelastung lässt sich der Verlauf deutlich verkürzen.
Ist eine komplette Sportpause bei Fersenschmerzen immer notwendig?
Eine absolute Sportpause ist nicht immer zwingend, jedoch muss die Belastung stark reduziert werden. High-Impact-Sportarten wie Fußball, Leichtathletik oder Turnen sollten pausiert werden, bis die akute Entzündung abgeklungen ist. Ausweichsportarten ohne Stoßbelastung, etwa Schwimmen oder Radfahren, sind meist problemlos möglich.
Warum sind Fußballschuhe bei Fersenschmerzen besonders problematisch?
Fußballschuhe besitzen oft eine sehr dünne, starre Sohle und weisen kaum Eigendämpfung im Fersenbereich auf. Die Stollen oder Nocken konzentrieren den Druck punktuell auf den Rückfuß, was auf hartem Untergrund wie Kunstrasen die Scherkräfte an der Wachstumsfuge massiv erhöht.
Können Fersenschmerzen beim Kind bleibende Schäden verursachen?
Die Apophysitis calcanei hinterlässt nach dem Verschluss der Wachstumsfuge in der Regel keine dauerhaften Schäden oder Spätfolgen am Skelettsystem. Dennoch sollte die Erkrankung ernst genommen werden, da eine chronische Überlastung zu monatelangen Schmerzen und Fehlhaltungen beim Gehen führen kann.
Wie unterscheidet man Apophysitis calcanei von einer Plantarfasziitis?
Die Apophysitis calcanei betrifft fast ausschließlich Kinder und Jugendliche im Wachstum, während die Plantarfasziitis überwiegend bei Erwachsenen auftritt. Zudem liegt der Schmerzpunkt bei der Apophysitis seitlich und hinten am Fersenbein, während bei der Plantarfasziitis die Fußsohle an der Sehnenansatzstelle unter der Ferse schmerzt.
Quellen und weiterführende Literatur
Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.
- [1] Effective interventions for managing Sever's disease: a systematic review Zeigt die Evidenz und Wirksamkeit konservativer Therapiemaßnahmen und Fersenpolster bei Apophysitis calcanei.
- [2] Sever's injury: a clinical investigation Untersucht den klinischen Verlauf und die günstige Prognose der Apophysitis calcanei bei sportlich aktiven Kindern.
- [3] Sever's Disease: Calcaneal Apophysitis Analysiert die biomechanischen Ursachen und diagnostischen Pfade bei kindlichem Fersenschmerz.
- [4] Treatment of Sever's disease: a systematic review Vergleicht den therapeutischen Nutzen von Aktivitätsanpassung, Fersenpolstern und Dehnübungen.
- [5] Sever's disease: what does the literature tell us? Fasst die wissenschaftliche Evidenz zu Orthesen und biomechanischen Einflussfaktoren zusammen.
- [6] Effect of custom-made foot orthoses in children with Sever's disease Belegt die signifikante Druckentlastung des Fersenbeins durch individuelle Einlagenversorgungen.
Persönliche Beratung in Memmingen
Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.
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Helga Maria Freitag (2026): Fersenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen: Apophysitis calcanei verstehen und behandeln. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/fersenschmerzen-kinder
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.
