Neueröffnung der Podologie-Praxis geplant: 30.11.2026

Diabetes

Fußpflege bei Diabetes: Wie Sie Ihre Füße durch die tägliche Kontrolle wirksam schützen

Bei Diabetes mellitus erfordert die Fußpflege besondere Aufmerksamkeit. Eine strukturierte tägliche Kontrolle schützt vor unbemerkten Verletzungen und folgenschweren Komplikationen.

Podologische Fußuntersuchung bei Diabetes mit einem Inspektionsspiegel in einer Praxis.
Fußpflege bei Diabetes: Wie Sie Ihre Füße durch die tägliche Kontrolle wirksam schützen. Symbolbild, mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Person und keine dokumentarische Behandlungssituation. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO / AI Act).
Helga Maria Freitag, podiatrist in Memmingen

Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.

Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 13 Minuten

Was dahintersteckt

Das diabetische Fußsyndrom entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel von Nervenschädigungen und Durchblutungsstörungen. Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwischen der diabetischen Polyneuropathie und der peripheren arteriellen Verschlusserkrankung. Häufig liegen bei Betroffenen Mischformen vor, die das Risiko für chronische Wunden vervielfachen.

Bei der sensomotorischen Polyneuropathie degenerieren die peripheren Nervenfasern. Die sensorische Komponente führt dazu, dass Temperaturunterschiede, Berührungen und vor allem Schmerzreize gar nicht mehr oder stark verzögert wahrgenommen werden. Ein kleiner Kieselstein im Schuh, eine drückende Naht des Strumpfes oder eine zu heiße Wärmflasche lösen kein Warnsignal im Gehirn mehr aus. Die motorische Komponente verursacht gleichzeitig ein Ungleichgewicht der Fußmuskulatur. Die kurzen Fußmuskeln verkümmern, was zu Fehlstellungen wie Hammer- oder Krallenzehen führt. Dadurch verlagert sich das Körpergewicht beim Gehen auf kleine, dafür nicht vorgesehene Knochenpunkte unter dem Fuß.

Zusätzlich beeinträchtigt die autonome Neuropathie die Regulierung der Schweißdrüsen. Die Haut am Fuß gibt kaum noch Feuchtigkeit ab, wird extrem trocken, spröde und verliert ihre Elastizität. Es entstehen tiefreichende Hautrisse, sogenannte Rhagaden, die Bakterien als Eintrittspforte dienen. Wenn gleichzeitig die Mikrozirkulation oder die großen Arterien durch eine Arteriosklerose verengt sind, gelangt zu wenig sauerstoffreiches Blut in das Gewebe. Kleine Wunden heilen nicht mehr ab, weil der Körper die erforderlichen Nährstoffe und Abwehrzellen nicht an den Ort der Verletzung transportieren kann.

Typische Anzeichen

Die ersten Veränderungen an den Füßen kündigen sich oft leise an. Betroffene berichten im Frühstadium über ein kribbelndes Gefühl, das an das Krabbeln von Ameisen erinnert, oder über brennende Missempfindungen, die besonders in den Abendstunden zunehmen. Ein auffälliges Phänomen ist das Gefühl, wie auf Watte oder einer dicken Gummischicht zu gehen. Die normale Wahrnehmung für den Untergrund geht verloren.

Sichtbare Anzeichen einer Gefährdung sind ungewöhnliche Hornhautverdickungen an Stellen mit hoher Druckbelastung. Unter diesen Hyperkeratosen bilden sich nicht selten unbemerkt Einblutungen oder Hohlräume, die eine Vorstufe des Malum perforans darstellen, eines tiefen diabetischen Ulkus. Auch Veränderungen der Hautfarbe verdienen Aufmerksamkeit. Eine blasse, kühle Haut weist auf Durchblutungsstörungen hin, während eine rötlich-blaue Verfärbung oder eine Überwärmung auf Entzündungsprozesse oder einen Umbau des Knochens hindeuten kann.

Abzugrenzen sind diese Erscheinungen von rein venösen Beschwerden, bei denen meist geschwollene Knöchel und stauungsbedingte Hautveränderungen im Vordergrund stehen. Auch Pilzinfektionen der Haut und der Nägel treten bei Menschen mit Diabetes gehäuft auf. Ein Fußpilz zeigt sich durch Schuppung und Mazeration in den Zehenzwischenräumen, während Nagelpils zu verdickten, krümeligen und gelblich verfärbten Nagelplatten führt. Beide Infektionen schwächen die Barrierefunktion der Haut erheblich.

Ursachen im Alltag

Verletzungen entstehen im häuslichen Umfeld selten durch große Unfälle. Meist sind es unbedachte Verhaltensweisen oder unpassende Gebrauchsgegenstände, die Schäden verursachen. Falsches Schuhwerk steht an erster Stelle der Auslöser. Viele Betroffene kaufen ihre Schuhe zu klein oder zu eng, weil durch das verminderte Gefühl das Rückmeldeorgan Fuß fälschlicherweise Rückmeldung gibt, der Schuh sitze gut. In Wirklichkeit quetscht das Obermaterial die Zehen zusammen, erzeugt Blasen oder Reibungen an den Zehengelenken.

Fehler bei der Nagel- und Hautpflege stellen ein weiteres Risiko dar. Die Verwendung von scharfen Metallinstrumenten wie Nagelscheren, Knipsern, Klingen oder Rasierhobeln führt rasch zu Schnittverletzungen in den empfindlichen Nagelfalten. Auch der Einsatz von Hornhauthobeln oder Bimssteinen erzeugt oft mikroskopisch kleine Risse, in die Keime eindringen. Frei verkäufliche Hühneraugenpflaster oder Tingituren enthalten Salicylsäure. Diese Säure unterscheidet nicht zwischen abgestorbener Hornhaut und gesunder Haut. Bei diabetischer Neuropathie führt sie regelmäßig zu großflächigen, chemischen Verätzungen des Gewebes.

Thermische Schädigungen geschehen häufig durch zu heiße Fußbäder. Wer die Wassertemperatur mangels Temperatursinn nicht mehr mit dem Fuß prüfen kann und auf ein Thermometer verzichtet, erleidet rasch Verbrennungen zweiten Grades. Ebenso stellen das barfüßige Gehen im Garten oder auf teppichgestreuten Böden eine Gefahrenquelle dar. In den Teppichfasern verborgene Nadeln, kleine Glassplitter oder scharfe Holzkanten dringen mühelos in die plantar gelegene Weichschicht ein.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Ein diabetischer Fuß erfordert eine strikte Aufteilung der Zuständigkeiten. Sobald die Integrität der Haut durchbrochen ist, endet die häusliche Pflege. Jede noch so kleine Wunde, Blase oder Hauteinblutung muss unverzüglich einem Hausarzt, Diabetologen oder einer spezialisierten Fußambulanz gezeigt werden. Warnzeichen für eine akute Infektion sind:

  • Zunahme von Rötungen, die sich um eine Stelle herum ausbreiten.
  • Lokale Erwärmung der Haut im Vergleich zum gesunden Fuß.
  • Schwellungen am Fußrücken oder rund um die Knöchel.
  • Austritt von Wundflüssigkeit, Eiter oder ein wahrnehmbarer unangenehmer Geruch.
  • Plötzliche Verfärbungen der Haut ins Dunkelrote, Violette oder Schwarze.

Sollten systemische Anzeichen wie Fieber, Schüttelfrost oder eine unerklärliche Verschlechterung der Blutzuckerwerte hinzukommen, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Verzögerungen bei der Vorstellung in einer Fachpraxis können innerhalb weniger Tage zum Fortschreiten der Gewebenekrose führen. Eine rechtzeitige Abklärung schützt vor langwierigen Klinikaufenthalten oder chirurgischen Eingriffen.

Was die podologische Behandlung leisten kann

Die medizinische Fußpflege unterscheidet sich grundlegend von kosmetischen Behandlungen. In einer spezialisierten Praxis erfolgt vor jeder Maßeinheit eine gründliche Inspektion des Gesamtzustandes. Der Bewegungsapparat, der Gefäßstatus und die Sensibilität werden strukturiert überprüft. Zur Feststellung der Nervenfunktion nutzt die Praxis wissenschaftlich anerkannte Testverfahren wie das 10-Gramm-Semmes-Weinstein-Monofilament zur Prüfung des Druckempfindens und die Stimmgabel nach Rydel-Seiffer zur Messung der Vibrationswahrnehmung.

Im Rahmen einer podologischen Komplexbehandlung werden übermäßige Hornhautschichten schmerzfrei und unblutig mit skalpellartigen Instrumenten oder rotierenden Diamantschleifern abgetragen. Die Bearbeitung erfolgt unter dauerhafter Kühlung oder Absaugung, um jegliche Hitzeentwicklung am Gewebe zu vermeiden. Eingewachsene oder verdickte Nägel werden fachgerecht gekürzt und geformt, ohne das Gewebe im Nagelwalzbereich zu verletzen. Wenn Nagelveränderungen ständigen Druck ausüben, können angepasste Spangensysteme den Nagel sanft korrigieren.

Die Behandlungsintervalle richten sich nach der individuellen Risikoklasse des Patienten. Bei bestehender Neuropathie ohne Deformitäten sind Abstände von vier bis sechs Wochen üblich. Liegen bereits Fehlstellungen oder Durchblutungsstörungen vor, können kürzere Intervalle erforderlich sein. Als sektorale Heilpraktikerin für Podologie ist es in bestimmten Konstellationen möglich, Befunde eigenständig zu diagnostizieren und gezielte Therapiekonzepte zu erstellen. Sämtliche Instrumente unterliegen strengsten Hygienevorschriften und werden nach jedem Patienten thermisch sterilisiert, um Infektionsübertragungen auszuschließen.

Was Sie selbst tun können

Die tägliche Selbstinspektion erfordert nur wenige Minuten, muss jedoch mit hoher Disziplin durchgeführt werden. Wählen Sie einen festen Zeitpunkt im Tagesablauf, beispielsweise morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Zubettgehen. Sorgen Sie für eine hervorragende Beleuchtung im Raum.

Nutzen Sie für die Überprüfung folgenden Ablauf:

  1. Betrachten Sie zuerst den Fußrücken, die Nagelfälze und die Zehenkuppen von oben.
  2. Biegen Sie die Zehen vorsichtig auseinander und prüfen Sie jeden Zehenzwischenraum auf Feuchtigkeit, Rötungen oder weiße, aufgeweichte Hautstellen.
  3. Betrachten Sie die Fußsohle und die Ferse. Wenn Sie sich nicht weit genug beugen können, nutzen Sie einen unzerbrechlichen Handspiegel mit Teleskopstiel oder legen Sie den Spiegel auf den Boden.
  4. Streichen Sie mit der flachen Hand sanft über die gesamte Fußsohle, um Erhebungen, raue Stellen oder festsitzende Fremdkörper zu ertasten.
  5. Tasten Sie den Schuh vor jedem Anziehen mit der Hand von innen komplett aus, um herauszufinden, ob sich kleine Steine, Sandkörner oder umgeknickte Einlegesohlen darin befinden.

Die Reinigung der Füße sollte täglich mit lauwarmem Wasser erfolgen. Überprüfen Sie die Wassertemperatur stets mit einem Badethermometer oder mit dem Unterarm. Das Bad darf maximal drei Minuten dauern, da die Haut sonst aufweicht und ihre Schutzfunktion einbüßt. Verwenden Sie milde, seifenfreie Waschlotionen. Nach dem Waschen müssen die Füße sorgfältig abgetrocknet werden. Achten Sie besonders darauf, die Zehenzwischenräume sanft abzutupfen, ohne zu rubbeln.

Zur anschließenden Pflege eignen sich spezielle Cremes oder Schaum-Cremes mit einem Urea-Gehalt von 5 bis 10 Prozent. Harnstoff bindet die Feuchtigkeit in der Hornschicht und hält die Haut geschmeidig. Tragen Sie die Pflege dünn auf Fußrücken und Fußsohle auf. Die Zehenzwischenräume müssen ausgespart werden, da dort verbleibende Cremecremereste ein feuchtes Milieu schaffen, das die Entstehung von Pilzinfektionen begünstigt.

Das Schuhwerk muss ausreichend Raum für die Zehen bieten. Achten Sie beim Kauf von Strümpfen auf weiche, natürliche Materialien wie Baumwolle oder Merinowolle ohne drückende Nähte im Zehenbereich. Vermeiden Sie Strümpfe mit engem Gummibund, da dieser den venösen Rückfluss abschnüren kann. Tragen Sie im Haus niemals Strumpfsockig oder barfuß, sondern nutzen Sie stets feste Hausschuhe mit geschlossener Fersenpartie und rutschfester Sohle.

Häufige Fehler

In der Praxis zeigen sich immer wieder wiederkehrende Handlungsmuster, die zu Komplikationen führen. Die Kenntnis dieser Fehler hilft, das eigene Verhalten kritisch zu überprüfen.

Die häufigsten Verhaltensfehler umfassen:

  • Das Barfußgehen auf warmem Sand, Fliesen oder Teppichen trotz reduzierten Schmerzempfindens.
  • Die Verwendung von scharfen, spitzen Werkzeugen zur Entfernung von Hornhaut oder zum Schneiden der Zehennägel.
  • Das Schneiden der Nagel-Ecken tief in den seitlichen Nagelwall, was zu Einwachsungen führt.
  • Die Nutzung von Wärmflaschen, Körnerkissen oder Heizstrahlern an den Füßen zum Ausgleich von Kältegefühlen.
  • Die Anwendung frei verkäuflicher chemischer Mittel gegen Hühneraugen oder Hornhaut.

Ein weiterer gravierender Fehler ist das Übersehen von Strumpfnähten. Viele handelsübliche Socken besitzen dicke Quernähte über den Zehenspitzen. Unter dem Druck des Schuhs wirken diese Nähte wie kleine Schneiden auf die empfindliche Haut. Drehen Sie solche Socken vor dem Anziehen auf links, falls keine nahtfreien Diabetikersocken zur Verfügung stehen.

Das Ignorieren von feuchten Stellen zwischen den Zehen wird ebenfalls häufig beobachtet. Wenn die Haut dort weißlich aufquillt, spricht man von Mazeration. Diese aufgeweichte Haut ist extrem anfällig für Risse und Pilzbesiedelung. Anstatt Creme aufzutragen, muss dieser Bereich trocken gehalten und gegebenenfalls durch das Einlegen von speziellen medizinischen Vliesstreifen belüftet werden.

Studienlage und Einordnung

Die Bedeutung von strukturierten Präventionsmaßnahmen bei Diabetes mellitus ist durch umfangreiche internationale Studien belegt. Die Leitlinien der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) unterstreichen, dass die Kombination aus regelmäßiger professioneller Fußpflege, adäquater Schuhversorgung und täglicher Selbstinspektion das Risiko für die Entstehung von Fußgeschwüren um bis zu 50 Prozent senken kann [1].

Untersuchungen zeigen, dass der Verlust der protektiven Sensibilität der stärkste Einzelfaktor für das Auftreten von Gewebeschäden ist [2]. Sobald Patienten Schmerzen nicht mehr wahrnehmen, fehlt der natürliche Anpassungsreflex im Gangbild. Wissenschaftliche Arbeiten zur Biomechanik belegen, dass veränderte Druckspitzen unter den Metatarsalköpfchen ohne schützendes Schuhwerk unweigerlich zu Gewebsnekrosen in den tiefen Schichten der Sohle führen [3].

Versorgungsdaten aus Deutschland bestätigen, dass eine kontinuierliche podologische Betreuung die Hospitalisierungsraten und Amputationszahlen bei Hochrisikopatienten signifikant reduziert [4]. Die Einhaltung strenger hygienischen Standards sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Podologen, Diabetologen und Orthopädischuhmachern bilden das Rückgrat einer erfolgreichen Extremitätenerhaltung [5].

Behandlung in Memmingen

In den modernen Praxisräumen der FREITAG® Podologie GmbH in der Kempterstr. 25 in Memmingen steht die Prävention und Behandlung von diabetischen Fußveränderungen im Mittelpunkt. Das Einzugsgebiet erstreckt sich über das gesamte Unterallgäu, das Allgäu sowie Teile von Oberschwaben. Betroffene Patienten erhalten hier eine fundierte, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Betreuung.

Durch die Qualifikation als sektorale Heilpraktikerin für Podologie und die langjährige Erfahrung in der medizinischen Fußbehandlung bietet die Praxis eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen mit Diabetes mellitus. Eine rechtzeitige Terminvereinbarung ermöglicht die Erstellung eines maßgeschneiderten Pflege- und Kontrollplans, um die Gesundheit Ihrer Füße langfristig zu sichern.

Orthopädische Schuhversorgung und Druckentlastung

Der Übergang von regulärem Schuhwerk zu spezialisierten Schutzschuhen ist ein zentraler Baustein der Sekundärprävention. Standardkonfektionsschuhe bieten selten das erforderliche Innenvolumen, um Druckspitzen an den Mittelfußköpfchen oder den Zehengelenken effektiv abzufangen. Bei manifester Neuropathie reicht eine weiche Polsterung nicht aus. Es bedarf einer gezielten statischen und dynamischen Druckumverteilung durch orthopädische Maßschuhe oder Therapieschuhe mit einer Diabetes-adaptierten Fußbettung. Diese Einlagen bestehen aus vielschichtigen Kunststoffschäumen unterschiedlicher Shore-Härten, meist einer Kombination aus Ethylen-Vinyl-Acetat-Schäumen und viskoelastischen Materialien.

Eine vergleichende Druckmessung, die sogenannte elektronische Pedobarographie, deckt lokalisierte Belastungsspitzen im Gangbild präzise auf. Anhand dieser Daten fertigt der Orthopädieschuhmacher eine Einlage mit spezifischen Aussparungen und Pelotten an. Eine starre Sohlenversteifung in Verbindung mit einer Ballen- oder Schmetterlingsrolle reduziert die Biegebeanspruchung der Zehengrundgelenke beim Abrollen um bis zu 40 Prozent. Ein Fall aus der Praxis illustriert die Notwendigkeit: Der 64-jährige Patient H. trug jahrelang feste Wanderschuhe eine Nummer zu klein, um mehr Halt zu spüren. Die Folge war ein tiefer Druckulcus unter dem zweiten Mittelfußköpfchen. Erst die Umstellung auf einen orthopädischen Schutzschuh mit extra tiefer Zehenkappe und individueller Ausbettung führte nach zwölf Wochen zur vollständigen Abheilung der Wunde.

Bei der Auslegung des Schuhwerks gelten strenge geometrische Vorgaben. Der Innenraum muss mindestens 10 bis 15 Millimeter länger sein als der belastete Fuß im Stehen. Sämtliche Innennähte müssen fehlen oder abgepolstert sein. Verstellbare Klett- oder Lacing-Systeme ermöglichen die stufenlose Anpassung an wechselnde Fußvolumina, etwa bei Abendeinlagerungen von Gewebsflüssigkeit.

Modernes Wundmanagement beim diabetischen Ulkus

Entsteht trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Kontinuitätsunterbrechung der Haut, greift das Prinzip der phasengerechten feuchten Wundbehandlung. Trockene Verbandswechsel mit einfacher Kompresse gehören der Vergangenheit an, da sie beim Entfernen nachwachsendes Epithelgewebe abreißend schädigen. Das moderne Wundmanagement nutzt hydroaktive Wundauflagen, die ein feuchtes Mikroklima für die Zellproliferation schaffen. Alginate aus Braunalgen saugen überschüssiges Exsudat auf und bilden ein gelartiges Schutzpolster. Hydrokolloide und Polymerschäume halten die Wunde geschmeidig und schützen vor mechanischer Belastung von außen.

Vor der Abdeckung steht die gründliche Wundreinigung, das sogenannte Debridement. Der Podologe oder der behandelnde Arzt entfernt fibrinöse Beläge, nekrotisches Gewebe und hyperkeratotische Wundränder. Dies geschieht mechanisch mittels Skalpell oder Scharfem Löffel. In sensiblen oder tief zerklüfteten Wundhöhlen kommen enzymatische Präparate oder biologische Verfahren wie der Einsatz von sterilen Fliegenmaden der Spezies Lucilia sericata zum Einsatz. Die Larven scheiden Verdauungssäfte aus, die ausschließlich avitales Gewebe verflüssigen, während gesunde Strukturen intakt bleiben.

Die Entlastung der betroffenen Zone besitzt absolute Priorität im Heilungsprozess. Ohne vollständige Druckbefreiung kann selbst die modernste Wundauflage keine Geweberegeneration bewirken. Zum Einsatz kommen spezielle Entlastungsschuhe mit verkürzter Sohle, sogenannte Vorfußentlastungsschuhe, oder abnehmbare Orthesensysteme wie der Total Contact Cast. Bei einer 72-jährigen Diabetikerin mit einer Fersenläsion führte erst die konsequente Ruhigstellung in einer maßgefertigten Entlastungsorthese zur Schließung der Wundfläche nach monatelangem Stillstand.

Einfluss von Stoffwechseleinstellung und Lebensstil

Die biochemische Basis für gesunde Gefäße und Nerven liegt in einer dauerhaft stabilen Glukoseeinstellung. Chronisch erhöhte Blutzuckerspiegel führen über die Bildung fortgeschrittener Glykationsendprodukte, sogenannter AGEs, zu einer irreversiblen Quervernetzung von Kollagenfasern in den Gefäßwänden. Der angestrebte HbA1c-Zielwert liegt für die meisten erwachsenen Diabetiker unter 7,0 Prozent oder 53 mmol/mol, muss jedoch individuell an Alter, Begleiterkrankungen und Hypoglykämierisiko angepasst werden. Starke Schwankungen der Blutzuckerwerte schädigen die empfindlichen Kapillaren der Nervenversorgung ebenso stark wie dauerhaft erhöhte Werte.

Der Verzicht auf Nikotinkonsum stellt die wirksamste Einzelmaßnahme dar, um das Fortschreiten einer peripheren arteriellen Verschlusserkrankung zu bremsen. Die Inhalation von Tabakrauch führt zu einer unmittelbaren Verengung der kleinsten Arteriolen für mehrere Stunden und reduziert die lokale Gewebedurchblutung signifikant. Wenn Betroffene das Rauchen aufgeben, verbessert sich die Sauerstoffsättigung im Gewebe innerhalb weniger Wochen, was die zelluläre Wundheilungskapazität direkt stärkt.

Ein angepasstes Bewegungsprogramm fördert die Kollateralbildung kleiner Blutgefäße in den Beinen. Bei erhaltener Hautoberfläche und ohne akute Ulzera ist strukturiertes Gehtraining die Methode der Wahl bei pAVK im Stadium II nach Fontaine. Betroffene absolvieren mehrmals wöchentlich Intervalle auf dem Laufband oder beim zügigen Gehen bis kurz vor die Schmerzgrenze. Liegt bereits eine ausgeprägte sensorische Neuropathie vor, müssen stoßbelastende Sportarten durch gelenkschonende Alternativen wie Ergometertraining oder Aquagymnastik ersetzt werden, um Mikrotraumata an den Fußsohlen zu vermeiden.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man bei Diabetes die Füße kontrollieren?

Die Selbstinspektion der Füße muss täglich durchgeführt werden. Das Absuchen der Fußsohlen, Fersen und Zehenzwischenräume dauert nur wenige Minuten und schützt vor unbemerkten Wunden. Die professionelle Kontrolle in einer podologischen Praxis empfiehlt sich je nach Risikoprofil alle vier bis sechs Wochen.

Warum ist ein langes Fußbad bei Diabetes gefährlich?

Lange Fußbäder weichen die Hornschicht der Haut stark auf, wodurch ihre natürliche Barrierefunktion gegen Keime verloren geht. Zudem besteht bei einer Nervenschädigung die Gefahr von Verbrennungen, da heißes Wasser nicht als solches wahrgenommen wird. Ein Fußbad sollte daher maximal drei Minuten dauern und lauwarm sein.

Woran erkennt man eine diabetische Polyneuropathie am Fuß?

Typische Anzeichen sind Taubheitsgefühle, Kribbeln, brennende Schmerzen in Ruhe sowie das Gefühl, wie auf Watte zu gehen. Auch extreme Hauttrockenheit und das Ausbleiben von Schmerzsignalen bei kleinen Verletzungen deuten auf eine Neuropathie hin. Der Nachweis erfolgt durch Schwellenwerttests beim Arzt oder Podologen.

Übernimmt die Krankenkasse die podologische Behandlung bei Diabetes?

Ja, bei Vorliegen von Nervenschädigungen oder Durchblutungsstörungen der Beine kann der behandelnde Arzt eine Heilmittelverordnung für podologische Komplexbehandlungen ausstellen. In diesem Fall übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bis auf den gesetzlichen Eigenanteil.

Was ist bei der Wahl von Strümpfen für Diabetiker zu beachten?

Diabetikersocken sollten aus weichen, atmungsaktiven Naturfasern bestehen und keinerlei drückende Nähte im Zehenbereich aufweisen. Der Bund darf nicht einschneiden, um den Blutfluss nicht zu behindern. Zudem sind helle Socken von Vorteil, da Blut oder Wundsekret darauf sofort sichtbar werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.

  1. [1] IWGDF Guidelines on the prevention and management of diabetic foot disease Internationale evidenzbasierte Leitlinie zur Prävention und Behandlung des diabetischen Fußsyndroms (Update 2023).
  2. [2] Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes: Prävention und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen Deutsche medizinische Leitlinie zur Erkennung und Versorgung von Fußkomplikationen bei Diabetes mellitus (2021).
  3. [3] Schaper NC, van Netten JJ, Apelqvist J, et al. Practical guidelines on the prevention and management of diabetic foot disease Übersichtsarbeit zu praxisnahen Schutzmaßnahmen und Kontrollregimen für Risikopatienten (Diabetes Metab Res Rev 2020).
  4. [4] Bus SA, Sacco ICN, Monteiro-Soares M, et al. Guidelines on the prevention of foot ulcers in persons with diabetes Forschungsarbeit zu Druckentlastung, Schuhversorgungen und Selbstkontrolle bei diabetischer Neuropathie (Diabetes Metab Res Rev 2024).
  5. [5] Lobmann R et al. Diabetisches Fußsyndrom: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle Fachmedizinisches Kompendium zur interdisziplinären Behandlung von Gewebeschäden bei Diabetes (Springer 2022).

Persönliche Beratung in Memmingen

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

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So zitieren Sie diesen Artikel

Helga Maria Freitag (2026): Fußpflege bei Diabetes: Wie Sie Ihre Füße durch die tägliche Kontrolle wirksam schützen. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/diabetes-fusspflege-zuhause

Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.