
Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.
Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 13 Minuten
Was dahintersteckt
Die Entstehung von Nagelveränderungen unter einer Systemtherapie basiert auf dem zytotoxischen Wirkprinzip der eingesetzten Medikamente. Zytostasika hemmen die Zellteilung, um das Wachstum von Tumorzellen zu stoppen. Da die Keratinozyten in der Nagelmatrix zu den am schnellsten teilenden Zellen des menschlichen Körpers gehören, reagiert das Nagelorgaun außerordentlich empfindlich auf diese Wirkstoffe. Die Matrix befindet sich unter dem proximalen Nagelwall und bildet kontinuierlich die Nagelsubstanz. Wird diese Zellteilung unterbrochen oder geschädigt, entstehen strukturelle Defekte im ausreifenden Keratin.
Je nach eingesetzter Substanztypologie variieren die pathophysiologischen Mechanismen. Taxane wie Docetaxel oder Paclitaxel führen häufig zu schweren Störungen der Mikrozirkulation im Nagelbett. Sie schädigen die feinen Kapillaren, was zu Extravasaten, subungualen Hämatomen und einer ischämisch bedingten Ablösung der Nagelplatte führt. Anthracycline und Platinverbindungen beeinträchtigen eher die Melanozytenaktivität und die Keratinsynthese, was sich in Hyperpigmentierungen und Beau-Reil-Querfurchen äußert. Fluoropyrimidine wie Capecitabin oder 5-Fluorouracil schädigen bevorzugt die palmo-plantare Epidermis, was als Hand-Fuß-Syndrom bezeichnet wird.
Die anatomische Struktur des Nagelorgans verstärkt das Problem. Der Nagel besteht aus der festen Nagelplatte, dem darunterliegenden, stark durchbluteten Nagelbett und den seitlichen Nagelbrüstungen, den sogenannten Sulci. Wenn das Nagelbett durch Zytostasika entzündet ist, schwillt das Gewebe in diesem starren anatomischen Raum an. Der Druck steigt deutlich an, was starke Schmerzen verursacht. Gleichzeitig schrumpft die Barrierefunktion der Kutikula, des zarten Häutchens am Nagelansatz. Krankheitserreger wie Bakterien oder Hefepilze können so ungehindert in die tiefere Matrix vordringen.
Zusätzlich beeinträchtigt die systemische Therapie häufig das Immunsystem. Wenn die Neutrophilenzahl im Blut sinkt, spricht man von einer Neutropenie. In dieser Phase führt bereits der kleinste Mikroriss in der Haut um den Zehennagel zu einer Eintrittspforte für Keime. Das körpereigene Abwehrsystem ist nicht mehr in der Lage, lokalisierte Bakterienpopulationen effektiv einzudämmen. Aus einer banalen Reizung kann sich innerhalb weniger Stunden eine invasive Weichteilinfektion entwickeln.
Typische Anzeichen
Nagelveränderungen manifestieren sich in einer Vielzahl klinischer Erscheinungsbilder, die sich oft im Verlauf der Therapieintensität steigern. Zu den frühesten Zeichen gehören Farbveränderungen der Nagelplatte, die als Melanonychie oder Leukonychie bezeichnet werden. Es zeigen sich dunkle Längsstreifen, diffuse bräunlich-graue Verfärbungen oder weiße Querstreifen. Diese Verfärbungen sind meist harmlos, signalisieren jedoch bereits eine Störung in der Bildungszone des Nagels.
Ein weiteres häufiges Symptom sind Beau-Reil-Querfurchen. Diese qu verlaufenden Rillen entstehen durch einen vorübergehenden Stillstand der Matrixaktivität während eines Therapiezyklus. Da der Zehennagel etwa ein bis zwei Millimeter pro Monat wächst, lässt sich anhand des Abstands der Furche vom Nagelwall der Zeitpunkt der toxischen Schädigung präzise zurückverfolgen. Bei mehrfachen Chemo-Zyklen weist die Nagelplatte eine charakteristische, wellenartige Oberflächenstruktur auf.
Schwerwiegender ist die Onycholyse, das partielle oder vollständige Ablösen der Nagelplatte vom Nagelbett. Dieser Prozess beginnt meist am freien, distalen Nagelrand und schreitet nach proximal fort. Unter dem abgehobenen Nagel bildet sich ein hohler Raum, der sich rasch mit Gewebsflüssigkeit, Wundsekret oder Blut füllt. Dieser feuchte Hohlraum bietet mikroökologisch ideale Bedingungen für Pseudomonas aeruginosa, ein Bakterium, das durch seine Stoffwechselprodukte eine typische grün-blaue Verfärbung des Nagels verursacht.
Schmerzhafte Entzündungen des Nagelwalls, fachsprachlich Paronychien genannt, treten besonders häufig unter der Einnahme von EGFR-Inhibitoren oder Taxanen auf. Der seitliche Nagelwall schwillt an, rötet sich stark und reagiert extrem empfindlich auf Berührung. Im weiteren Verlauf kann sich überschießendes Granulationsgewebe bilden, das sogenannte stolze Fleisch. Dieses Gewebe blutet leicht und neigt zu hartnäckigen Sekundärinfektionen mit Staphylococcus aureus.
Abzugrenzen sind diese therapiebedingten Schäden von einer echten Onychomykose, also einem Befall durch Fadenpilze. Während eine Pilzinfektion meist langsam voranschreitet, bröckelige Verdickungen erzeugt und asymmetrisch auftritt, entwickeln sich chemotherapiebedingte Schäden meist rasch, betreffen mehrere Nägel symmetrisch und gehen mit deutlichen Entzündungszeichen des Weichgewebes einher. Eine genaue Abgrenzung ist unverzichtbar, um unnötige Antimykotika-Gaben zu vermeiden.
Ursachen im Alltag
Neben den primär toxischen Wirkungen der Medikamente wirken alltägliche Belastungen als wesentliche Verstärker der Beschwerden. Mechanical Strain, also mechanischer Druck und Reibung, ist der Hauptfaktor für das Entstehen von Komplikationen an den Zehennägeln. Feste Schuhe, die im Vorfußbereich zu eng geschnitten sind, drücken die Nagelplatte bei jedem Schritt gegen das hochempfindliche, entzündete Nagelbett. Die Mikrozirkulation wird dadurch weiter verschlechtert, was die Onycholyse beschleunigt.
Auch die Schuharchitektur und Strumpfauswahl tragen eine erhebliche Verantwortung. Synthetische Materialien begünstigen ein feucht-warmes Mikroklima im Schuh. Wenn Füße schwitzen und die Feuchtigkeit nicht abgeleitet wird, weicht die Hornhaut der Fußsohle und des Nagelwalls auf. Diese Mazeration hebt die natürliche Hautbarriere auf. Druckstellen durch dicke Strumpfnähte direkt über den Zehenkuppen führen oft zu blutigen Blasen unter der Nagelplatte.
Unsachgemäße Fußpflege im häuslichen Umfeld stellt eine häufige Ursache für vermeidbare Komplikationen dar. Das Schneiden der Zehennägel mit scharfen Kneifern oder Scheren birgt bei geschädigtem Gewebe ein enormes Verletzungsrisiko. Ein tiefe Einschnitte in die seitlichen Nagelbrüstungen, um vermeintlich eingewachsene Ecken zu entfernen, erzeugt Mikrowunden. In Kombination mit einer verringerten Leukozytenzahl reicht dieser kleine Reiz aus, um eine ausgedehnte Phlegmone auszulösen.
Ein weiterer Alltagsfehler ist das aggressive Entfernen der Kutikula. Wenn das Häutchen mit Metallinstrumenten zurückgeschoben oder mit Klingen abgeschnitten wird, entfällt der natürliche Dichtungsmechanismus des Nagels. Wasser, Seifenreste und Erreger dringen ungehindert in die Nagelwurzel ein. Ebenso führt die Nutzung harter Bürsten oder spitzer Feilen unter dem freien Nagelrand zu einer mechanischen Trennung des geschädigten Nagelbetts von der Platte.
Thermische Einflüsse dürfen ebenfalls nicht unterschätzt werden. Zu heiße Fußbäder erweitern die Gefäße exzessiv, was bei einem bestehenden Hand-Fuß-Syndrom die Schwellung und das Brennen der Fußsohlen drastisch verstärkt. Gleichzeitig entziehen zu lange Bäder der Haut wertvolle Lipide, was die Trockenheit und Rissbildung an den Fersen massiv verschlimmert.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Während leichte Farbveränderungen und eine verlangsamte Wachstumsrate typische Begleiterscheinungen sind, erfordern bestimmte Warnzeichen die unverzügliche Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen oder einem Dermatologen. Die Sorge vor Infektionen ist während einer immunsuppressiven Therapiephase absolut begründet, da sich lokale Keimherde schnell systemisch ausbreiten können.
Ein absolutes Warnsignal ist das Auftreten von Fieber ab 38,0 °C in Kombination mit Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an den Füßen. In einer Phase der Neutropenie muss jedes Fieber als potenzieller medizinischer Notfall eingestuft werden. Wenn der seitliche Nagelwall stark geschwollen ist, pulsiert und auf leichten Druck eitrige Flüssigkeit entleert wird, ist ein Abstrich zur Erregerbestimmung und die Einleitung einer gezielten antibiotischen Therapie erforderlich.
Weiterhin erfordert eine sich rasch ausbreitende Rötung der Haut, die über den unmittelbaren Nagelbereich hinausgeht, dringende ärztliche Sichtung. Dabei könnte es sich um ein Erysipel oder eine Phlegmone handeln. Diese diffusen Weichteilinfektionen breiten sich entlang der Lymphwege aus und müssen meist systemisch mit Intravenösen Antibiotika behandelt werden, um schwere Folgeschäden zu verhindern.
Auch bei großflächigen Nagelablösungen, bei denen mehr als die Hälfte des Nagels den Kontakt zum Nagelbett verloren hat, ist ärztlicher Rat einzuholen. Unter der losen Platte sammeln sich Exsudate, die manuell nicht gereinigt werden können. Der Arzt muss entscheiden, ob Teile der mobilen Nagelplatte im gesunden Bereich steril abgetragen werden müssen, um den Entzündungsherd zu entlasten.
Zusätzlich sollten offene, tiefe Rhagaden an den Fersen oder den Zehenbeeren, die trotz Pflege bluten oder nässen, medizinisch beurteilt werden. Bei Patienten mit Begleiterkrankungen wie einem Diabetes mellitus oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist die Infektionsgefahr nochmals deutlich erhöht, weshalb hier eine enge interdisziplinäre Abstimmung erfolgen muss.
Was die podologische Behandlung leisten kann
Die podologische Praxis bietet ein hochspezialisiertes, atraumatisches Behandlungsangebot für Krebspatienten. Das primäre Ziel der podologischen Betreuung besteht darin, das Gewebe schmerzfrei zu halten, Mikrotraumata zu vermeiden und die Barrierefunktion der Haut vollumfänglich zu unterstützen. Vor Beginn jeder Maßnahme erfolgt eine gründliche Anamnese, bei der der aktuelle Stand der Chemotherapie, die Blutwerte sowie eventuelle Begleiterkrankungen erfasst werden.
In unserer Praxis arbeiten wir nach den strengsten Richtlinien für Hygienestandards. Sämtliche rotierenden und manuellen Instrumente werden in einem validierten Prozess gereinigt, desinfiziert und steril verpackt. Bei Patienten unter Zytostatikatherapie kommen ausschließlich Instrumente mit extrem feiner Verzahnung oder spezieller Diamantbeschichtung zum Einsatz. Dadurch wird eine Hitzeentwicklung durch Reibung wirksam verhindert und das Schmerzempfinden auf ein Minimum reduziert.
Die Behandlung der Nagelplatte erfolgt mit größter Vorsicht. Statt die Nägel mit schneidenden Werkzeugen zu kürzen, werden diese meist mit feinen Diamantschleifern sanft auf die passende Länge zurückgearbeitet. Verdickte Nagelplatten werden behutsam ausgedünnt, um den Druck auf das empfindliche Nagelbett zu senken. Lose Nagelteile, die im Rahmen einer Onycholyse den Kontakt zum Gewebe verloren haben, werden schrittweise abgetragen, damit sich darunter keine Feuchtigkeitsnester bilden können.
Bei der Versorgung der seitlichen Nagelbrüstungen verzichten wir auf scharfe Instrumente. Der Sulcus wird mit speziellen, abgerundeten Sonden sanft gereinigt. Sollte der Nagelwall gereizt sein, können sterile Tamponaden aus weichem Vlies eingebracht werden. Diese wirken wie ein Schutzpolster zwischen der Nagelkante und dem entzündeten Gewebe, entlasten den Druck sofort und fördern das Abklingen der Entzündung. Nähere Informationen zu unseren Behandlungsmethoden finden Sie in der Übersicht für unsere Leistungen.
Auf den Einsatz von Nagelprothesen aus Acryl oder Nagelspangen wird während einer aktiven Chemotherapie in der Regel verzichtet. Unter künstlichen Nagelmaterialien können sich Keime unbemerkt vermehren, während Starrkörperspangen zusätzlichen Druck ausüben könnten. Stattdessen konzentriert sich die Podologie auf konservative, hautschonende Entlastungsmaßnahmen. Sanfte Silikonorthesen können individuell angepasst werden, um fehlgestellte Zehen vor Reibung zu schützen. Über die Qualifikation unserer Therapeuten erfahren Sie mehr unter Über mich.
Die Behandlungsintervalle werden engmaschig gestaltet. Oft empfiehlt sich ein Rhythmus von drei bis vier Wochen, abgestimmt auf die Zyklen der Chemotherapie. So können aufkeimende Druckstellen oder Nagelveränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden, bevor schmerzhafte Entzündungen entstehen.
Was Sie selbst tun können
Die eigenständige Pflege zu Hause spielt eine entscheidende Rolle für den Erhalt der Fußgesundheit während einer medikamentösen Tumortherapie. Sie erfordert jedoch eine Umstellung gewohnter Pflegeroutinen hin zu extrem schonenden Verfahren. Sanftheit und Konsequenz stehen hierbei an erster Stelle.
Tägliche Inspektionsroutine durchführen. Betrachten Sie Ihre Füße und Zehennägel jeden Tag bei gutem Licht. Nutzen Sie gegebenenfalls einen Handspiegel oder bitten Sie Angehörige um Unterstützung, um auch die Fußsohlen und die Zehenzwischenräume sorgfältig zu überprüfen. Achten Sie auf Rötungen, Schwellungen, kleine Einrisse oder Verfärbungen.
Reinigung schonend gestalten. Waschen Sie Ihre Füße täglich mit lauwarmem Wasser. Die Wassertemperatur sollte 36 °C nicht überschreiten, um die Gefäße nicht unnötig zu weiten. Verwenden Sie milde, seifenfreie Waschlotions mit einem hautneutralen pH-Wert von 5,5. Verzichten Sie auf lange Fußbäder, da diese die Haut aufweichen. Trocknen Sie die Füße anschließend mit einem weichen Handtuch tupfend ab, besonders in den Zehenzwischenräumen.
Hautbarriere gezielt stärken. Tragen Sie täglich eine dermatologische Pflegecreme auf. Produkte mit einem Urea-Gehalt von 5 bis maximal 10 Prozent spenden intensiv Feuchtigkeit und lösen sanft leichte Verhornungen. Bei sehr trockener Haut eignen sich lipidreiche Salben mit Ceramiden oder Panthenol. Sparen Sie die Zehenzwischenräume beim Eincremen aus, um Feuchtigkeitsansammlungen zu vermeiden.
Nagelpflege schadlos durchführen. Nutzen Sie zum Kürzen der Zehennägel ausschließlich Sandblatt- oder Glasfeilen. Feilen Sie die Nägel immer nur in eine Richtung und lassen Sie die Ecken leicht abgerundet stehen, damit die Nagelkante nicht in den seitlichen Hautwall einwächst. Schneiden Sie niemals die Kutikula ab und verwenden Sie keine metallischen Nagelreiniger.
Schuhwerk sorgfältig auswählen. Tragen Sie weiches, atmungsaktives Schuhwerk aus Leder oder Mesh-Material mit ausreichender Zehenfreiheit. Achten Sie darauf, dass keine inneren Nähte auf die Zehen drücken. Strümpfe sollten aus naturbelassener Baumwolle oder Buchenholz-Viskose bestehen, keine enstprechenden Gummibünde aufweisen und auf links getragen werden, damit die Naht nicht an den Zehen reibt.
Schutz vor extremen Temperaturen. Schützen Sie Ihre Füße vor Kälte und Hitze. Vermeiden Sie das Barfußgehen, um Verletzungen durch kleine Fremdkörper zu verhindern. Tragen Sie auch im Haus stets weiche Hausschuhe mit einer rutschfesten Sohle.
Häufige Fehler
In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass gut gemeinte Pflegemaßnahmen das Problem unbeabsichtigt verschlimmern können. Der häufigste Fehler ist das sogenannte Freischneiden von Nagel-Ecken. Sobald Betroffene ein leiches Druckgefühl im seitlichen Nagelwall spüren, greifen sie zur Nagelzange und schneiden den Nagel tief im Sulcus ab. Dabei bleibt oft ein scharfer Keratinsporn zurück, der sich beim Nachwachsen tief in das entzündete Gewebe bohrt und eine massive Paronychie auslöst.
Ein weiterer gravierender Fehler ist die Anwendung aggressiver Hausmittel oder hochkonzentrierter Fußbäder. Bäder mit Kernseife, Kamille oder hochkonzentriertem Salz trocknen die geschädigte Haut extrem aus. Kamille besitzt zudem ein hohes allergenes Potenzial, was auf der ohnehin gereizten Haut zu Kontaktekzemen führen kann. Auch die Anwendung von freiverkäuflichen Warzentinkturen oder scharf wirkenden Hornhautentferner-Socken ist gefährlich, da die enthaltenen Säuren tiefgreifende Verätzungen des chemotherapeutisch geschädigten Gewebes verursachen.
Das Tragen von herkömmlichem Nagellack sowie die Verwendung azetonhaltiger Nagellackentferner stellt ein erhebliches Risiko dar. Azeton entzieht der Nagelplatte die verbliebenen Lipide und lässt sie extrem brüchig werden. Zudem versiegelt fester Nagellack die Oberfläche, sodass feine Einblutungen oder Pseudomonas-Infektionen unter der Platte nicht rechtzeitig erkannt werden. Spezialisierte, wasserbasierte Schutzlacke dürfen nur nach ausdrücklicher Freigabe durch den Podologen oder Arzt angewendet werden.
Ebenso verhängnisvoll ist das Ignorieren von ersten Druckstellen. Oft wird versucht, schmerzende Stellen an den Füßen durch eine geänderte Gangabwicklung zu kompensieren. Dies führt zu Fehlbelastungen im Sprung-, Knie- und Hüftgelenk und erzeugt an anderen Stellen der Fußsohle neue, schmerzhafte Blasen oder Verhornungen.
Schließlich wird das regelmäßige Desinfizieren von Nagelinstrumenten im Haushalt oft vernachlässigt. Das bloße Abspülen unter heißem Wasser reicht keineswegs aus, um vegetative Bakterienstufen oder Pilzsporen abzutöten. Werden Nagelfeilen von mehreren Familienmitgliedern geteilt, können leicht Kreuzinfektionen übertragen werden, die bei einem geschwächten Immunsystem schwerwiegende Folgen haben.
Studienlage und Einordnung
Die medizinische Forschung hat in den letzten Jahren dem Management von kutanen und unguidischen Toxizitäten unter Tumortherapien deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. In den evidenzbasierten S3-Leitlinien zur supportiven Therapie bei Onkologischen Patientinnen und Patienten wird die Prophylaxe und die frühzeitige Intervention bei Nagelveränderungen als wesentlicher Baustein zur Erhaltung der Lebensqualität eingeordnet [1].
Klinische Studien zeigen, dass insbesondere die Anwendung von regionaler Hypothermie während der Infusion von Taxanen die Ausprägung von Nageltoxizitäten signifikant senken kann. Durch das Tragen von gekühlten Handschuhen und Füßlingen, sogenannte Kühlpads, wird eine lokale Vasokonstruktion der Kapillaren erreicht. Dadurch gelangt während des Höchstspiegels des Wirkstoffs im Blut weniger Zytostasikum an die Keratinozyten der Nagelmatrix [2]. Diese Methode reduziert die Inzidenz von Onycholysen und schweren Paronychien um bis zu fünfzig Prozent.
Untersuchungen zur dermatologischen Begleitpflege belegen zudem den hohen Nutzen von topischen Emollienzien und barrierestärkenden Cremes. Eine multizentrische Beobachtungsstudie wies nach, dass die konsequente, tägliche Anwendung von urea- und panthenolhaltigen Zubereitungen das Risiko für schwere Grade des Hand-Fuß-Syndroms deutlich verringert [3]. Patientengruppen, die bereits vor Beginn der Zytostasikagabe mit einer strukturierten Haut- und Nagelpflege begannen, zeigten wesentlich seltener therapieunterbrechende Komplikationen.
Podologische Präventionskonzepte gewinnen auch in Fachkreisen zunehmend an Anerkennung. Eine systematische Erfassung von Patientendaten zeigte, dass die Einbindung von podologischem Fachpersonal in das interdisziplinäre Onkologie-Team die Rate an schwerwiegenden Wundinfektionen an den unteren Extremitäten spürbar senkt [4]. Die Autoren betonen, dass die atraumatische Pflege und die professionelle Entlastung von Druckstellen entscheidend dazu beitragen, geplante Chemotherapie-Dosen ohne verzögerungsbedingte Dosisreduktionen durchzuführen.
Behandlung in Memmingen
Für Betroffene im Raum Memmingen, dem Unterallgäu, Oberschwaben und dem gesamten Allgäu bietet die FREITAG® Podologie GmbH eine hochspezialisierte und empathische Anlaufstelle. Unsere Praxis befindet sich in der Kempterstr. 25 in 87700 Memmingen und ist bestens auf die besonderen Bedürfnisse von Onkologie-Patienten eingestellt.
Unter der fachlichen Leitung von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin und sektorale Heilpraktikerin für Podologie, legen wir höchsten Wert auf eine sanfte, risikofreie und schmerzfreie Behandlung. Wir kennen die Ängste und physischen Belastungen, die eine medikamentöse Tumortherapie mit sich bringt. Daher nehmen wir uns Zeit für eine eingehende Beratung und stimmen jeden Behandlungsschritt individuell auf Ihren aktuellen Gesundheitszustand ab.
Wenn Sie Fragen zur Pflege Ihrer Zehennägel während der Chemotherapie haben oder einen Termin für eine präventive Fußbehandlung vereinbaren möchten, nehmen Sie gerne direkt Kontakt mit uns auf. Wir stehen Ihnen als verlässlicher Partner zur Seite, um Ihre Fußgesundheit und Ihre Mobilität während dieser herausfordernden Phase bestmöglich zu schützen.
Häufige Fragen
Dürfen Nägel während einer Chemotherapie geschnitten werden?
Das Schneiden mit scharfen Scheren oder Zangen birgt ein hohes Verletzungsrisiko für das geschädigte Gewebe. Es wird dringend empfohlen, die Zehennägel ausschließlich mit einer feinen Sandblatt- oder Glasfeile sanft zu kürzen. Sollte das Feilen schwerfallen oder die Nägel sehr dick sein, übernimmt eine podologische Praxis diese Aufgabe atraumatisch mit speziellen Instrumenten.
Was hilft gegen verfärbte oder sich ablösende Zehennägel?
Gegen Verfärbungen selbst gibt es kein direktes Mittel, da sie durch die Wirkung der Medikamente auf die Bildungszone des Nagels entstehen. Bei einer Onycholyse, also der Nagelablösung, muss der hohle Bereich unter dem Nagel extrem sauber und trocken gehalten werden, um Infektionen zu verhindern. Der abgelöste Teil sollte schrittweise von Fachpersonal fachgerecht abgetragen werden, damit keine Erreger darunter nisten.
Darf man bei einer Chemotherapie zur medizinischen Fußpflege gehen?
Ja, eine professionelle podologische Behandlung ist sogar sehr empfehlenswert, um Komplikationen vorzubeugen. Wichtig ist jedoch, dass die behandelnde Praxis über die Chemotherapie und aktuelle Blutwerte informiert ist. Es müssen strengste Hygienestandards eingehalten werden, und die Behandlung muss absolut schmerz- und verletzungsfrei erfolgen.
Ist Nagellack während der Chemotherapie erlaubt?
Auf herkömmliche Nagellacke und vor allem auf azetonhaltige Entferner sollte verzichtet werden, da sie Nagelplatte und Nagelbett zusätzlich austrocknen und chemisch reizen. Zudem verdeckt dunkler Lack den Blick auf mögliche Einblutungen oder Keimbesiedlungen. Spezielle, wasserbasierte Schutzlacke dürfen nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder Podologen verwendet werden.
Was kann man gegen schmerzhaftes Brennen an den Fußsohlen tun?
Brennen an den Fußsohlen weist häufig auf ein Hand-Fuß-Syndrom hin. Hier helfen kühle, aber nicht eiskalte Umschläge sowie das Auftragen von hochdosierten, rückfettenden Salben mit Panthenol oder niedrig dosierter Urea. Vermeiden Sie langes Stehen, heiße Bäder und enge Schuhe, um den mechanischen und thermischen Druck auf die Haut zu minimieren.
Quellen und weiterführende Literatur
Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.
- [1] S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patientinnen und Patienten AWMF-Registernummer 032/054OL, beinhaltet evidenzbasierte Empfehlungen zum Management kutaner und unguidischer Toxizitäten.
- [2] Prevention of taxane-induced nail toxicity by regional hypothermia Studie im Journal of Clinical Oncology zur Wirksamkeit von Kühlhandschuhen und Kühlfüßlingen bei der Reduktion von Nageltoxizitäten.
- [3] Management of dermatological toxicities associated with targeted anticancer therapies Übersichtsarbeit in Annals of Oncology zur Prävention und Behandlung von EGFR-Inhibitor-induzierten Paronychien.
- [4] Hand-foot syndrome induced by capecitabine: Pathophysiology and management strategies Publikation in The Lancet Oncology zur Wirkung von topischen Emollienzien bei palmo-plantarer Erythrodysästhesie.
Persönliche Beratung in Memmingen
Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
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Wir behandeln Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region rund um Memmingen – auf Wunsch auch als Hausbesuch.
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Helga Maria Freitag (2026): Nägel und Füße unter Chemotherapie: Schonende Pflege und Infektionsschutz. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/chemotherapie-naegel
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.
