
Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag, staatlich anerkannte Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie. Redaktionelle Grundsätze.
Veröffentlicht: 16. August 2026 · zuletzt geprüft: 16. August 2026 · Lesezeit etwa 11 Minuten
Was dahintersteckt
Die Tendo calcaneus, im allgemeinen Sprachgebrauch als Achillessehne bezeichnet, ist die kräftigste und stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Sie verbindet den dreiköpfigen Wadenmuskel, den Musculus triceps surae, mit dem Höcker des Fersenbeins, dem Tuber calcanei. Bei jedem einzelnen Schritt überträgt diese Bindegewebsstruktur das Mehrfache des eigenen Körpergewichts auf den Hebel des Vorfußes. Um diesen gewaltigen Zugkräften standzuhalten, ist die Sehne aus dicht gebündelten Kollagenfasern aufgebaut, die eine hohe Zugfestigkeit bei zeitgleicher elastischer Energiespeicherung gewährleisten.
Die Blutversorgung der Achillessehne ist jedoch anatomisch limitiert. Besonders im Bereich zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Fersenbeinansatzes liegt eine gefäßarme Zone vor. In diesem Areal ist die Mikrozirkulation herabgesetzt, was die körpereigenen Reparaturmechanismen nach hoher Beanspruchung verlangsamt. Erleidet das Gewebe durch wiederholte Mikrotraumata mehr kleine Schäden, als der Körper in den Ruhephasen reparieren kann, verfällt die Sehne in einen Zustand der chronischen Fehlheilung.
In der modernen Sportmedizin und Orthopädie wird dieser Zustand nicht mehr als klassische Entzündung, sondern als Tendinopathie bezeichnet. Histologische Untersuchungen zeigen, dass bei einer Tendinopathie kaum klassische Entzündungszellen im Gewebe vorhanden sind. Stattdessen kommt es zu einer Desorganisation der kollagenen Architektur. Das straffe, parallel ausgerichtete Kollagen vom Typ I wird schrittweise durch weniger zugfestes Kollagen vom Typ III ersetzt. Zudem lagern sich vermehrt Proteoglykane in die Sehnenmatrix ein, die Wasser binden und zu einer sichtbaren, spindelförmigen Verdickung des Sehnenkörpers führen.
Verharren Betroffene in dieser Phase ohne therapeutische Gegenmaßnahmen, reagiert der Körper mit der Einsprossung kleiner, minderwertiger Blutgefäße aus dem Paratenon. Diese Neovaskularisation geht regelmäßig mit dem Einwachsen feiner, schmerzempfindlicher Nervenfasern einher. Die typische Schmerzsymptomatik entsteht folglich nicht durch eine akute Entzündungsreaktion, sondern durch das Zusammenwirken von mechanischer Instabilität, veränderter Gewebespannung und der Irritation dieser eingewachsenen Nervenstrukturen.
Typische Anzeichen
Das klinische Bild einer Achillessehnentendinopathie äußert sich in einer charakteristischen Abfolge von Beschwerden. Das prägendste Symptom der primären Phase ist der sogenannte Anlaufschmerz. Patientinnen und Patienten berichten regelmäßig über erhebliche Einschränkungen direkt nach dem Erwachen oder nach längerem Sitzen. Die Sehne fühlt sich steif und unbeweglich an. Nach einigen Minuten moderater Gehbewegung lässt das Schmerzgefühl vorübergehend nach, weil die Durchblutung des paratendinösen Gewebes ansteigt und die mechanische Reibung im Gewebe sinkt.
Mit fortschreitender Veränderung der Sehnenstruktur wandelt sich dieses Muster. Der Schmerz tritt nicht mehr nur zu Beginn der Belastung auf, sondern begleitet jede körperliche Aktivität und bleibt als anhaltender Ruhe- oder Nachlaufschmerz bestehen. Lokaler Druckschmerz lässt sich durch Abtasten des Sehnenstrangs leicht auslösen. Oft fühlt sich das Gewebe teigig oder knötchenartig verdickt an. Beim Bewegen des Sprunggelenks kann ein feines Knirschen oder Reiben spürbar sein, das medizinisch als Crepitatio beurteilt wird.
Für eine gezielte Behandlung ist die genaue Differenzierung der Schmerzlokalisation sowie die Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern im Rückfußbereich von zentraler Bedeutung:
- Mid-portion Tendinopathie: Die Beschwerden und Gewebeverdickungen manifestieren sich zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Fersenbeinansatzes in der gefäßarmen Zone der Sehne.
- Ansatztendinopathie: Der Schmerzpunkt liegt direkt am knöchernen Übergang zum Fersenbein, häufig in Kombination mit Traktionsexostosen oder einer Spornbildung.
- Bursitis subachillea: Eine Entzündung des Schleimbeutels zwischen der Vorderfläche der Achillessehne und dem Fersenbeinhöcker, die oft durch direkten Druck von Schuhkanten ausgelöst wird.
- Haglund-Deformität: Eine knöcherne Prominenz am oberen hinteren Rand des Fersenbeins, die zu chronischen Reibungstraumata des Weichgewebes führt.
- Fasziitis plantaris: Schmerzen an der Fußsohle nahe der Fersenvorderkante, die fälschlicherweise oft mit Sehnenbeschwerden verwechselt werden.
Ursachen im Alltag
Die Entwicklung von Sehnenbeschwerden am Rückfuß beruht selten auf einem einzelnen Auslöser. Meist trifft eine verringerte Belastbarkeit des Gewebes auf eine Summe mechanischer Überlastungsfaktoren im Alltag. Eine dominante Rolle spielt hierbei das getragene Schuhwerk. Schuhe mit einer extrem harten, unflexiblen oder unpassend geformten Fersenkappe üben bei jedem Abrollvorgang kontinuierlichen Druck auf den Sehnenansatz aus. Wenn der obere Rand der Fersenkappe waagerecht in den Sehnenkörper drückt, entstehen Scher- und Kompressionskräfte, die den Mikrozirkulationsstopp im Gewebe verstärken.
Ebenso kritisch ist ein plötzlicher Wechsel der Sprengung von Schuhen. Die Sprengung bezeichnet den Höhenunterschied der Sohle zwischen der Ferse und dem Vorfuß. Der schlagartige Umstieg von Schuhen mit hoher Sprengung auf flache Minimalschuhe oder Barfußschuhe setzt die Wadenmuskulatur und die Achillessehne einer schlagartig erhöhten Dehnungsspannung aus. Fehlt der Muskel-Sehnen-Einheit die Zeit zur adaptiven Verlängerung, reagiert das Bindegewebe mit Mikrorissen.
Anatomische Aspekte und Achsenfehlstellungen des Fußes verstärken diesen Effekt. Eine ausgeprägte Hyperpronation, bei der das Fersenbein beim Auftreten übermäßig nach innen kollabiert, versetzt die Achillessehne unter einen asymmetrischen Zug. Die Sehne wird nicht rein axial belaste, sondern über eine Kante verdreht. Dieser Torsionsstress führt zu ungleichen Spannungsverhältnissen innerhalb der kollagenen Faserbündel. Ein ausgeprägter Hohlfuß wiederum weist eine verminderte stoßdämpfende Flexibilität auf, wodurch Stanzbelastungen ungedämpft in die Fersensehne eingeleitet werden.
Systemische Einflüsse dürfen bei der Ursachenanalyse nicht unberücksichtigt bleiben. Erhöhte Blutzuckerwerte bei einem Diabetes mellitus führen zu einer fortgeschrittenen Glykierung von Gewebeproteinen. Diese sogenannten Advanced Glycation Endproducts vernetzen die Kollagenfasern auf unnatürliche Weise, was die Elastizität der Sehne drastisch herabsetzt. Auch Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie Fluorchinolon-Antibiotika beeinträchtigen die Sehnengesundheit maßgeblich.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Ein Großteil der funktionellen Sehnenreizungen lässt sich durch konservative Maßnahmen und podologische Pflege positiv beeinflussen. Dennoch gibt es medizinische Warnsignale, die eine umgehende fachärztliche Abklärung durch Orthopädie oder Unfallchirurgie erforderlich machen. Tritt während einer Belastung ein plötzlicher, peitschenknallartiger Schmerz im Unterschenkel auf, begleitet von einem hörbaren Krachen, liegt der dringende Verdacht auf eine Achillessehnenruptur vor.
Bei einem vollständigen Riss der Sehne verliert die betroffene Person die Fähigkeit, den Fuß gegen Widerstand nach unten zu drücken oder in den Zehenstand zu steigen. In der Tastuntersuchung ist oft eine deutliche Delle im Verlauf des Sehnenstrangs spürbar. Hier muss unverzüglich eine sonografische oder kernspintomografische Diagnostik eingeleitet werden, um die Notwendigkeit operativer oder spezifischer konservativer Ruhigstellungsmaßnahmen abzuwägen.
Entwickeln sich im Fersenbereich ausgeprägte Rötungen, eine spürbare lokale Überwärmung und eine flächige Schwellung, muss eine infektiöse Bursitis oder eine bakterielle Gewebeentzündung ausgeschlossen werden. Starke Ruhe- und Nachtschmerzen, die unabhängig von mechanischer Belastung bestehen, erfordern ebenfalls eine differenzierte medizinische Befundung. Hier müssen rheumatologische Systemerkrankungen wie die Spondyloarthritis oder Knochenderangements ausgeschlossen werden, bevor rein funktionelle Therapien fortgeführt werden.
Was die podologische Behandlung leisten kann
Die Podologie übernimmt bei der Betreuung von Achillessehnenbeschwerden eine wichtige Funktion an der Schnittstelle von Hautpflege, Druckentlastung und funktioneller Bewegungsanalyse. Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass sekundäre Veränderungen an der Haut des Fußes Schmerzzustände im tiefen Gewebe verstärken können. Verharren Patientinnen und Patienten aufgrund von Sehnenbeschwerden in einer Schonhaltung, verändert sich das Abrollverhalten des Fußes gravierend. Die Folge sind massive Hornhautbildung, Druckstellen oder schmerzhafte Hauteinrisse im Fersenbereich.
Eine gezielte /leistungen in Form der podologischen Komplexbehandlung widmet sich der professionellen Abtragung übermäßiger Verhornungen. Hyperkeratosen im Fersenbereich verringern die physikalische Dehnungsfähigkeit der Hauthülle. Bei jedem Schritt entstehen unter der harten Hornhautschicht hohe Zugspannungen, die fortgeleitete Schmerzreize erzeugen. Durch den präzisen Einsatz skalpellbasierter Techniken und rotierender Instrumente wird die elastische Balance der Hautoberfläche wiederhergestellt, was das Abrollen erleichtert.
Ein wesentlicher podologischer Schwerpunkt liegt in der Anfertigung individueller Druck- und Reibungsschutzelemente. Mithilfe von medizinischen Silikonverbindungen werden maßgeschneiderte Orthesen angepasst, welche die empfindlichen Sehnenareale vor der harten Fersenkappe des Schuhs schützen. Diese Hilfsmittel verteilen die auftretenden Kräfte auf umliegende, belastbare Gewebebereiche und verhindern eine punktuelle Kompression der geschädigten Sehne oder des Schleimbeutels.
Darüber hinaus erfolgt eine eingehende Prüfung der getragenen Schuhe auf Abnutzungsmuster und mechanische Schwachstellen. Die Stabilität der Fersenkappe, die Flexibilität der Laufsohle sowie das Innenvolumen des Schuhs werden fachmännisch beurteilt. In unserer Praxis nimmt Helga Maria Freitag als /sektorale-heilpraktikerin für Podologie eine eigenständige Befundung des Fußes vor. Dies erlaubt es, Fehlbelastungen präzise zu analysieren und podologische Maßnahmen optimal auf die anatomischen Gegebenheiten abzustimmen. Ergänzend kann eine gezielte lokale Kälteeinwirkung genutzt werden, um schmerzhafte Schwellungszustände im paratendinösen Gewebe zu mildern. Detaillierte Informationen zu diesem Behandlungsansatz finden Sie unter /kaeltekammer. Regelmäßige Behandlungsabstände von vier bis sechs Wochen unterstützen den Genesungsprozess nachhaltig.
Was Sie selbst tun können
Die Wiederherstellung der strukturellen Belastbarkeit einer degradierten Achillessehne erfordert eine aktive Beteiligung der betroffenen Person. Das Gewebe reagiert auf mechanische Reize, benötigt jedoch aufgrund des trägen Stoffwechsels Zeit für die Synthese neuer Kollagenfasern. Eine reine Schonung oder das dauerhafte Verharren in Inaktivität ist nachweislich kontraproduktiv, da ohne Belastungsimpulse keine geordnete Geweberegeneration stattfindet.
Der Schlüssel zur Besserung liegt in einem schmerzadaptierten, progressiven Krafttraining der Wadenmuskulatur. In der frühen Phase der Sehnenreizung haben sich isometrische Übungen bewährt. Hierbei wird die Spannung in der Wadenmuskulatur gehalten, ohne dass eine Bewegung im Sprunggelenk erfolgt. Diese Form der Belastung aktiviert das neurologische Schmerzdämpfungssystem und erhält die muskuläre Ansteuerung aufrecht.
Sobald der akute Schmerz abklingt, bildet das exzentrische Wadenheben das Fundament des Eigentrainings. Diese Übung wird schrittweise und strukturiert durchgeführt:
- Ausgangsposition einnehmen: Stellen Sie sich mit beiden Vorfüßen auf die Kante einer stabilen Treppenstufe. Die Fersen ragen frei nach hinten heraus. Halten Sie sich an einem Geländer fest.
- Zweibeiniges Anheben: Drücken Sie sich mit der Kraft beider Beine kontrolliert in den Zehenstand nach oben, um die betroffene Sehne beim Anheben nicht zu überlasten.
- Einbeiniges Absenken: Verlagern Sie das gesamte Körpergewicht auf das betroffene Bein. Senken Sie die Ferse langsam und kontrolliert über einen Zeitraum von drei bis vier Sekunden unter das Niveau der Stufenkante ab.
- Rückkehr zur Startposition: Setzen Sie den gesunden Fuß wieder auf und drücken Sie sich erneut mit beiden Beinen nach oben, um die betroffene Sehne in der aufsteigenden Phase zu entlasten.
- Wiederholungsschema einhalten: Führen Sie diese Bewegung dreimal täglich mit jeweils 15 Wiederholungen durch. Das Training sollte täglich über einen Zeitraum von mindestens zwölf Wochen absolviert werden.
Zusätzlich empfiehlt sich eine sanfte Selbstmassage der verkürzten Wadenmuskelbäuche mithilfe einer Härteschaumrolle. Durch den lokalen Druck auf den Musculus gastrocnemius und Musculus soleus wird der Ruhetonus der Muskeln gesenkt, was den dauerhaften Grundzug auf die Achillessehne spürbar reduziert. Ein direkter harter Druck der Rolle auf die verdickte Sehne selbst sollte jedoch vermieden werden.
Häufige Fehler
In der podologischen Praxis zeigen sich regelmäßig wiederkehrende Fehler im Umgang mit Sehnenbeschwerden, welche die Ausheilung verzögern oder den Zustand verschlimmern. Der am weitesten verbreitete Irrtum ist die Annahme, dass eine strikte Bettruhe oder das wochenlange Tragen von Ruhigstellungsstiefeln ohne ärztliche Indikation die Sehne heilt. Fehlt der mechanische Zugreiz, baut der Körper Sehnenmasse ab. Das neu gebildete Kollagen wird ungeordnet eingelagert, was die Sehne nach dem Ende der Schonung noch anfälliger für erneute Mikrotraumata macht.
Ein weiterer gravierender Fehler ist das exzessive Dehnen der Wadenmuskulatur in der akuten Schmerzphase, insbesondere bei einer Ansatztendinopathie. Wird die Ferse bei einer bestehenden Reizung am Knochenansatz tief abgesenkt, schmiegt sich die Sehne unter extremem Druck an den knöchernen Fersenbeinhöcker an. Diese mechanische Kompression quetscht das gereizte Gewebe und den darunterliegenden Schleimbeutel zusätzlich. Dehnübungen sollten bei ansatznahen Beschwerden daher nur bis zur Neutralstellung des Fußes durchgeführt werden.
Ebenso kritisch ist die unkontrollierte Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac über längere Zeiträume. Diese Medikamente lindern zwar kurzfristig den Schmerz, hemmen jedoch gleichzeitig die Aktivität der Tenozyten. Diese Sehnenzellen sind zwingend erforderlich, um neue Kollagenmatrix aufzubauen. Durch die medikamentöse Schmerzdämpfung neigen Betroffene zudem dazu, die Sehne im Alltag wieder zu früh zu überlasten.
Schließlich führt auch das Festhalten an abgetragenem Schuhwerk regelmäßig zu Rückfällen. Wenn die Fersenkappe durch getretene Absätze ausgeleiert ist, verliert der Rückfuß seine seitliche Führung. Die daraus resultierende Eversionsbewegung des Fersenbeins erzeugt bei jedem Schritt schädliche Scherkräfte in der Sehne. Ein rechtzeitiger Austausch der Alltagsschuhe ist eine einfache, aber wirkungsvolle Präventivmaßnahme.
Studienlage und Einordnung
Die wissenschaftliche Erforschung von Sehnenpathologien hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einem grundlegenden Paradigmenwechsel geführt. Während man in der Vergangenheit von entzündlichen Prozessen ausging und Immobilität verordnete, belegen moderne biomechanische Untersuchungen die Notwendigkeit gesteuerter Zugbelastungen [1]. Das von Alfredson entwickelte Protokoll für exzentrisches Wadentraining zeigte bereits Ende der 1990er-Jahre hervorragende klinische Resultate bei chronischen Mid-portion Tendinopathien [2].
In neueren vergleichenden Studien wird vermehrt das sogenannte Heavy Slow Resistance Training evaluiert. Diese Form des langsam ausgeführten, schweren Krafttrainings zeigt bei gleichen klinischen Erfolgen hinsichtlich Schmerzreduktion und Sehnenstruktur eine höhere Patientencompliance als mehrfach täglich durchgeführte exzentrische Programme [3]. Durch die Kombination aus konzentrischer und exzentrischer Phase unter hoher Last wird die Neusynthese von Kollagen Typ I in den Tenozyten maximal stimuliert.
Das Kontinuumsmodell der Tendinopathie nach Cook und Purdam ordnet die Sehnenveränderungen in drei Phasen ein: die reaktive Tendinopathie, die Sehnenfehlheilung und die degenerative Tendinopathie [4]. Während in der reaktiven Phase eine Belastungsreduktion und das Vermeiden von Kompression im Vordergrund stehen, erfordern die fortgeschrittenen Stadien progressive mechanische Reize zur Restrukturierung der Matrix. Systematische Übersichtsarbeiten betonen zudem, dass passive Maßnahmen wie Einlagen, Bandagen oder physikalische Therapien zwar wertvolle Synergien bieten, eine aktive Bewegungstherapie jedoch niemals vollständig ersetzen können [5].
Behandlung in Memmingen
In den Räumlichkeiten der FREITAG® Podologie GmbH in der Kempterstr. 25 in Memmingen legen wir großen Wert auf eine fundierte Betreuung von Fuß- und Sehnenproblemen. Unser Einzugsgebiet erstreckt sich über das gesamte Unterallgäu sowie die angrenzenden Regionen Allgäu und Oberschwaben. Wir analysieren Ihre Fußstatik, überprüfen die Druckverteilung im Schuh und versorgen Sie mit maßgeschneiderten Entlastungselementen.
Ob vorbeugende Maßnahmen, professionelle Abtragung stöhrender Hornhaut oder die Anfertigung individueller Orthesen zur Entlastung der Fersenkappe: Unser Ziel ist die nachhaltige Wiederherstellung Ihrer Beschwerdefreiheit. Für eine genaue Abklärung Ihrer Fußgesundheit oder zur Terminvereinbarung nehmen Sie gerne /kontakt zu unserer Praxis auf.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Heilung einer gereizten Achillessehne?
Sehnengewebe weist aufgrund seiner geringen Durchblutung einen langsamen Stoffwechsel auf. Eine spürbare Besserung durch konsequentes Belastungstraining tritt meist nach sechs bis zwölf Wochen ein. Bis zur vollständigen Restrukturierung des Kollagengewebes können jedoch drei bis sechs Monate vergehen. Geduld und kontinuierliches Training sind für einen dauerhaften Erfolg entscheidend.
Welche Schuhe sollte man bei Schmerzen an der Achillessehne tragen?
Empfehlenswert sind Schuhe mit einer stabilen, gut gepolsterten Fersenkappe, die keinen direkten Druck auf den Sehnenansatz ausübt. Eine moderate Sprengung von etwa acht bis zwölf Millimetern entlastet den Sehnenzug im Alltag spürbar. Unflexible, extrem flache Sohlen oder Schuhe mit drückenden Nähten im Rückfußbereich sollten während der Schmerzphase vermieden werden.
Ist Dehnen bei Achillessehnenschmerzen sinnvoll?
Dehnen ist nur dann sinnvoll, wenn es vorsichtig und schmerzfrei durchgeführt wird. Bei einer Schmerzlokalisation direkt am Fersenbeinansatz kann starkes Dehnen die Sehne gegen den Knochen quetschen und die Symptome verschlimmern. In diesem Fall ist ein rein isometrisches oder exzentrisches Krafttraining ohne extreme Dehnpositionen vorzuziehen.
Darf man trotz Schmerzen an der Achillessehne weiter Sport treiben?
High-Impact-Sportarten wie Laufen, Sprungsportarten oder schnelle Stopp-Bewegungen sollten pausiert werden. Belastungsarme Aktivitäten wie Schwimmen oder Radfahren im leichten Gang sind meist problemlos möglich. Ein moderater Schmerz während der Übungen ist akzeptabel, solange er auf einer Skala von eins bis zehn den Wert drei nicht überschreitet und am nächsten Morgen vollständig abgeklungen ist.
Worin unterscheidet sich eine Tendinitis von einer Tendinopathie?
Eine Tendinitis beschreibt eine akute, klassische Entzündungsreaktion des Gewebes mit starker Einwanderung von Entzündungszellen. Eine Tendinopathie hingegen bezeichnet eine chronisch-degenerative Gewebeveränderung mit Umbau der Kollagenfasern und reduzierter Zugfestigkeit. Die meisten langanhaltenden Achillessehnenbeschwerden basieren auf einer Tendinopathie und erfordern Reizreize statt reiner Entzündungshemmung.
Quellen und weiterführende Literatur
Die folgenden Arbeiten und Leitlinien bilden die Grundlage der beschriebenen Einordnung. Sie beschreiben mögliche Zusammenhänge, keine garantierte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.
- [1] Alfredson H, Pietilä T, Jonsson P, Lorentzon R. Heavy-load eccentric calf muscle training for the treatment of chronic Achilles tendinopathy. Am J Sports Med. 1998;26(3):360-366. Pionierstudie zur Wirksamkeit von exzentrischem Wadenheben bei chronischen Tendinopathien der Achillessehne.
- [2] Beyer R, Kongsgaard M, Hougs Kjær B, Ohlenschläger T, Kjær M, Magnusson SP. Heavy Slow Resistance Versus Eccentric Training as Treatment for Achilles Tendinopathy: A Randomized Controlled Trial. Am J Sports Med. 2015;43(7):1704-1711. Klinische Vergleichsstudie, die die Gleichwertigkeit und hohe Akzeptanz von schwerem, langsamem Krafttraining belegt.
- [3] Cook JL, Purdam CR. Is tendon pathology a continuum? A pathology model to explain the clinical presentation of load-induced tendinopathy. Br J Sports Med. 2009;43(3):158-165. Grundlegendes Arbeitsmodell zur Einteilung von Sehnenveränderungen von der reaktiven Phase bis zur Degeneration.
- [4] Malliaras P, Barton CJ, Reeves ND, Langberg H. Achilles and patellar tendinopathy loading programmes: a systematic review comparing clinical outcomes. Sports Med. 2013;43(4):267-286. Systematische Übersichtsarbeit zur Effektivität verschiedener Belastungsprotokolle in der Sehnenrehabilitation.
- [5] Scott A, Backman LJ, Speed C. Tendinopathy: Update on Pathophysiology. J Orthop Sports Phys Ther. 2015;45(11):833-841. Übersichtsarbeit zu den molekularen und zellulären Umbauprozessen bei chronischen Sehnenüberlastungen.
Persönliche Beratung in Memmingen
Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. In der Praxis in der Kempterstr. 25, 87700 Memmingen sehen wir uns Ihre Füße in Ruhe an und besprechen, welche Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.
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Helga Maria Freitag (2026): Achillessehnenschmerzen: Von der Reizung zur belastbaren Sehne. FREITAG® Podologie GmbH, Memmingen. Online: https://freitag-podologie.de/ratgeber/achillessehnenschmerzen
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden oder akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wie dieser Beitrag entstanden ist, lesen Sie in unseren redaktionellen Grundsätzen.
